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Das Zusammenspiel mit Thomas Mogensen klappt immer besser

Ein ganz normaler Freitagmorgen in der Duburghalle: Kay Bendixen trifft Vorbereitungen für die in 45 Minuten beginnende Übungseinheit der SG Flensburg-Handewitt. Der Betreuer pumpt Bälle auf, legt Trikots aus, die die Spieler signieren sollen. Ein erster Spieler öffnet die Tür: Nicht wie üblich „Frühaufsteher“ Holger Glandorf, sondern Rasmus Lauge, der sonst dem „Mittelfeld“ angehört. Der Grund für das verfrühte Eintreffen: Ein Interview-Termin. „So viel Zeit brauche ich sonst vor dem Training nicht. Ich ziehe mich ja nur schnell um und mache ein paar individuelle Übungen“, sagt der dänische Handballer. Was viele nicht wissen: Offiziell heißt er Rasmus Lauge Schmidt. „Seit ich in Deutschland bin, fragen ständig welche danach“, erzählt der Däne leicht genervt. „Viele wundern sich, wenn ich ein Formular ausfülle, dass da nicht nur Rasmus Lauge steht. Aber es dreht sich doch nur um einen Namen.“ Der zweite Familienname stammt von seiner Mutter. Schmidt – das klingt nach deutschen Vorfahren. „Das muss lange her sein, mir ist nichts bekannt“, gibt der 24-Jährige zu.
Ahnenforschung zählt (noch) nicht zu seinen Hobbys. Im Gegensatz zum Golfen. Mit Lasse Svan hat er schon einige Runden absolviert, vor einigen Wochen versammelten sich einmal sogar sieben SG-Spieler auf der Anlage „Hof Berg“. Golf sei ein „guter Weg, um im Kopf abzuschalten und einfach etwas Spaß zu haben“, erklärt Rasmus Lauge. Nun, in der dunklen Jahreszeit, bestimmen andere Aktivitäten die knappen Entspannungsphasen, die der enge Handball-Kalender lässt. Der Profi unternimmt viel mit seiner Freundin Sabrina. Das junge Paar besitzt einen Hund, den Golden Retriever „Carlo“. Der ist erst anderthalb Jahre alt. „Er hat viel Energie und muss viel raus“, erzählt Rasmus Lauge. Wenn er nicht auf Auswärtstour ist, geht er morgens und abends mit „Carlo“ eine Runde Gassi – und ein bis zwei Mal zwischendurch. „Meine Freundin ist öfter mit ihm unterwegs“, gesteht der Leistungssportler. „Sabrina joggt mit ihm. Ich gehe nur, ich laufe ja sonst genug.“ Der Neuzugang fühlt sich wohl in der Grenzregion. Vom Häuschen im „ganz gemütlichen“ Handewitt – SG-Kapitän Tobias Karlsson wohnt gleich gegenüber – startet Rasmus Lauge gerne zu kleinen Ausflügen nach Flensburg. „Das ist eine schöne Stadt mit netten Cafés und kleinen Restaurants“, gerät er ins Schwärmen. „Die Fußgängerzone hat eine angenehme Atmosphäre, ich mag die alten Gebäude.“ Vorher war er nur einmal richtig in Flensburg. Noch zu Schulzeiten, ein Klassenausflug.
Die jütländische Heimat liegt zwei Stunden entfernt. Geboren wurde Rasmus Lauge in Randers, doch als er sechs war, zogen seine Eltern mit ihm und seiner kleinen Schwester ins beschauliche Bjerringbro. Ein früher Umzug, ohne den die spätere Laufbahn wohl kaum vorstellbar wäre. Denn Bjerringbro ist eine klassische Handball-Stadt, speist seit Jahren ein dänisches Erstliga-Team. Zunächst probierte Rasmus Lauge etliche Sportarten aus. Er schwamm, drosch den Federball über das Netz und kickte das runde Leder – so wie einst sein Vater, der ein ambitionierter Fußballer war. Doch mit elf Jahren die entscheidende Wendung, die nur in einer Handball-Hochburg möglich ist: Ein Freund schleppte Rasmus Lauge mit zum Handball-Training. „Ich habe sofort gespürt, dass Handball mein Sport ist“, schmunzelt der Profi. Da er für sein Alter recht groß war, landete er auf Anhieb im Rückraum.
Auch wenn Bjerringbro nie die absolute dänische Spitze im Jugend-Handball darstellte, blieb das Talent seinem Klub treu. Es wurde entdeckt, rutschte in die dänische Jugend-Nationalmannschaft und feierte 2010 die U20-Europameisterschaft in der Slowakei. Bereits mit 17 Jahren half
Rasmus Lauge erstmals im Männer-Team von Bjerringbro-Silkeborg aus. „Die hatten einige verletzte Spieler, und als dann noch ein weiterer Spieler eine rote Karte bekam, musste ich spielen“, erinnert er sich an sein Debüt.
Ein knappes Jahr später hatte er seinen ersten Profi-Vertrag in der Tasche. Die Karriereleiter zeigte nach oben. 2012 errang das Rückraum-Ass mit Dänemark in Serbien den Europameister-Titel. Da befand es sich bereits im Fokus der europäischen Spitzenklubs. Im folgenden Sommer landete seine Unterschrift auf einem Vertrag des THW Kiel. Das Antrittsdatum war noch offen: Der Däne war der „Plan B“, da die „Zebras“ hofften, den französischen Star Daniel Narcisse halten zu können. Das misslang – und Rasmus Lauge wechselte zur Spielzeit 2013/14 nach Kiel. Der abgeschlossene Drei-Jahres-Vertrag stand für die Option „Zukunft“. Doch der dänische Rechtshänder hatte großes Pech. Das rechte Knie wurde zur Problemzone: Zunächst wurde das hintere Kreuzband lädiert, dann riss das vordere. „Die Ärzte sagten mir: Das waren zwei Unglücksfälle“, gewährt Rasmus Lauge Einblick in sein Seelenleben. „Man macht sich aber immer Gedanken, wie so ein Unglück passieren konnte.“ Er ist nachdenklicher geworden und wirkte sehr betroffen, als sich in diesem November der Kroate Luka Stepancic vor seinen Augen das Bein verdrehte und eine böse Knie-Verletzung erlitt. Der Däne half, den Gegenspieler vom Parkett zu tragen. Es ist die Ungewissheit, die einen Leistungssportler plagt. Bei solchen Blessuren steht häufig die Laufbahn auf der Kippe. Rasmus Lauge kehrte zurück, trumpfte bei der Weltmeisterschaft im Januar auf, doch beim THW Kiel spielte er keine große Rolle. Im Frühjahr bat er darum, den bestehenden Kontrakt aufzulösen. Er wollte zur SG, er wollte größere Einsatzzeiten. „Mir gefiel die Konstellation mit vielen beweglichen Spielern und Ljubomir Vranjes als Trainer“, verrät er. Im Sommer hat der Handballer einen Urlaub an der Ostküste der USA genossen – auch mit dem Wissen, dass es in den nächsten Monaten kaum Ferien geben wird. Das große Ziel sind die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Schon 2012 hat Rasmus Lauge das größte globale Sport­ereignis in London hautnah erlebt. „Olympia kann man nicht vergleichen“, schwärmt er. „Da sind so viele Athleten, alle Sportarten erhalten viel Aufmerksamkeit – und man selbst ist mittendrin.“ Bis zu diesem Traum möchte er mit der SG viele Erfolge feiern. Bislang lief es gut. Erst kürzlich wählten ihn die SG-Fans zum „Spieler des Monats Oktober“.
        
Text und Fotos:
Jan Kirschner











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