Seit dem 1. Juli 2021 gilt in Deutschland der neue Deutsche Glücksspielstaatsvertrag. Dieser regelt die Handhabung von Glücksspiel in allen deutschen Bundesländern. Dabei handelt es sich allerdings bei weitem nicht um die erste Fassung. Schon seit vielen Jahren bemühten sich die Bundesländer um eine einheitliche Lösung, die auch die Zustimmung des EuGH findet.

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(Quelle: unsplash.com)

Das war schließlich nicht immer so. Jahrelang musste Deutschland massive Kritik auf Brüssel einstecken, weil die gesetzlichen Bestimmungen laut Meinung der EU nicht den gemeinsamen Vorgaben entsprachen. Doch damit ist nun Schluss. Erstmals ist mit der gültigen Neufassung des Regelwerkes auch Online Poker in Deutschland erlaubt. Gleichzeitig hat der Staat die Vorgaben für den Spielerschutz verstärkt. Das sollte für eine Befriedung in der endlosen Diskussion sorgen.

EU-Recht gegen deutsches Recht

Poker ist ein perfektes Beispiel für das Ringen um eine Lösung, die nicht nur die Spieler schützt, sondern auch einen fairen Wettbewerb ermöglicht. Lange Zeit konnte das Spiel offiziell nur in den staatlichen Spielbanken gespielt werden. Wer sein Poker Face nutzen wollte, um sich gut zu unterhalten, hatte gar keine andere Wahl. Online-Poker blieb hingegen verboten. Doch die zahlreichen ausländischen Anbieter beriefen sich immer wieder auf ihre offiziellen Lizenzen aus anderen EU-Staaten, die laut ihrer Interpretation der Handels- und Dienstleistungsfreiheit innerhalb der Europäischen Union auch in Deutschland gültig sein müssten. Jetzt hat der Staat einen Weg beschritten, der in Schleswig-Holstein schon vor mehr als zehn Jahren beschritten wurde.

Sonderweg Schleswig-Holstein

Schon damals stritten die Bundesländer über eine mögliche Liberalisierung im Zug einer Reform des Deutschen Glücksspielstaatsvertrages. Des Wartens überdrüssig, beschloss Schleswig-Holstein vor zehn Jahren seinen eigenen Weg zu gehen. Eine Gesetzesänderung brachte eine Liberalisierung auf den Weg. Infolgedessen schrieb das Land zahlreiche Lizenzen aus und machte so Online Poker möglich. Diese Lizenzen wurden vor Inkrafttreten des derzeit gültigen Deutschen Glücksspielstaatsvertrages noch einmal verlängert, um Rechtssicherheit für alle Beteiligen zu schaffen. Jetzt sind sie ausgelaufen, schließlich ist Online Poker nun offiziell in Deutschland möglich.

Unterhaltung ohne Geldeinsatz

Doch all das ist nun Vergangenheit. Heute können Spieler in Schleswig-Holstein sowohl live als auch online pokern. Zumindest live gibt es dabei jedoch eine kleine, aber feine Einschränkung. Poker gilt gesetzlich als Glücksspiel, daher darf es live lediglich in den Spielbanken angeboten werden. Die einzige Ausnahme bilden die sogenannten Sachpreis-Turniere. Dabei wird nicht um Geld gespielt, die Veranstalter verdienen damit kein Geld. Doch für Anfänger oder Spieler, die lediglich einen schönen Abend verbringen möchten, reicht dies durchaus. Nicht umsonst gilt Poker als Spiegel der Gesellschaft. Spieler finden sich in allen Alters- und Gesellschaftsschichten, das macht einen Abend am Tisch für viele Spieler so interessant. Dabei geht es weniger darum etwas zu gewinnen, sondern darum, sich gut zu unterhalten und neue Menschen kennenzulernen. Hier treffen sich zumeist Gleichgesinnte, die das Pokern dazu nutzen, um ihr Spielverständnis zu verbessern und ihre Fähigkeiten zu schärfen.

Kein reines Glücksspiel

Immerhin gilt Poker nicht als reines Glücksspiel, sondern als sogenannten Skill-Game. Zu diesem Schluss gelangen bereits vor Jahren die Forscher an der Universität Hamburg. Die Wissenschaftler kamen in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass es sich bei Poker eher um ein Geschicklichkeitsspiel, als um ein Glücksspiel handelt. Professionelle Spieler beschreiben Poker gerne als eine mathematisch begründete Aggression. Nicht umsonst sind ehemalige Profis auch an den Börsen dieser Welt gerne gesehen. Sie verfügen über enormes Wissen zum Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung und können diesen auch im Aktienhandel zum Vorteil ihrer Arbeitgeber einsetzen.

Wer in Schleswig-Holstein um Geld pokern möchte, der hat in den insgesamt vier Spielbanken des Landes dazu Gelegenheit. Diese sind in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst, es handelt sich dabei um ein öffentliches Unternehmen. Die Standorte befinden sich in Schenefeld, Lübeck, Kiel und Flensburg. Das fünfte Casino, das sich auf Sylt befand, wurde Ende 2021 nach 70 Jahren Spielbetrieb geschlossen.

Casino Schenefeld 

Im Casino Schenefeld wird täglich ab 20.00 Uhr Poker gespielt. In der Spielbank finden sich drei bis vier Tische mit jeweils sieben Plätzen. Das Cash Game-Angebot umfasst nicht nur Texas Hold´em No Limit, sondern auch Pot Limit Omaha. Eine telefonische Reservierung ist vorab möglich. Mittwochs steht beim Cash Game Texas Hold´em No Limit mit Blinds von 2/2 auf dem Programm. Donnerstag wird Pot Limit Omaha mit Blinds von 5/5 gespielt. Von Freitag bis Dienstag haben Pokerfans täglich die Auswahl zwischen Texas Hold´em mit Blinds von 2,5/5 und Pot Limit Omaha mit Blinds von 5/5.

Ab einem Limit von 2,5/5 wird eine Taxe eingehoben. Diese beträgt für jeden Pot zwischen 0 und 45 Euro 0 Euro, für jeden Pot zwischen 50 und 95 Euro 2,50 Euro und für jeden Pot ab 100 Euro 5 Euro. 

Casino Lübeck

Im Casino Lübeck wird grundsätzlich jeden Freitag in der Zeit von 19.30 bis 02.00 Uhr morgens Poker gespielt. Derzeit findet sich in der Spielbank jedoch kein Cash Game Angebot.

Die Regelung für die Taxe unterscheidet sich von jener in Schenefeld. Gespielt werden Limits von 1/2 und 2/4. Bei Blinds von 2/4 kassiert die Spielbank bei einem Pot in Höhe von 40 Euro eine Taxe von 2 Euro. Bei einem Pot von 80 Euro beträgt diese 4 Euro, bei einem Pot von 200 Euro 6 Euro, bei einem Pot von 400 Euro 8 Euro und bei einem Pot von 1.000 Euro maximal 10 Euro. 

Bei Blinds von 1/2 erhält das Casino eine Taxe von 1 Euro bei einer Potgröße von 20 Euro. Wächst der Pot auf 40 Euro an, dann werden 2 Euro fällig, bei 60 Euro sind es 3 Euro, bei 80 Euro 4 Euro, bei 120 Euro 5 Euro, bei 200 Euro 6 Euro, bei 400 Euro 8 Euro und bei 1.000 Euro bezahlen die Teilnehmer 10 Euro Taxe.

Das Buy-In für ein Limit von 2/4 beträgt 100 Euro, bei 1/2 50 Euro. Die Regelungen finden ab einer Teilnehmerzahl von vier Spielern Anwendung.

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(Quelle: pixabay.com)

Casino Kiel

In Kiel können Pokerspieler ihr Poker Face ebenfalls beim Cash Game zeigen. Diese finden jeweils am Freitag und Samstag nach den Turnieren sowie am Mittwoch statt. Beginn ist zumeist um 22.00 Uhr, sobald der erste Turniertisch aufgelöst wird. 

Gespielt wird mit einem Limit von 2/4. Ein Pot bis zu einer Höhe von 38 Euro ist gebührenfrei. Von 40 bis 78 Euro werden 2 Euro Taxe fällig. Von 80 Euro bis 158 Euro sind es 4 Euro und ab 160 Euro sind es 5 Euro sowie 1 Euro für eine High Hand, die ebenfalls ausgespielt wird. Das Minimum Buy-In beträgt 100 Euro, das Maximum Buy-In 500 Euro. 

Casino Flensburg

Die Spielbank in Flensburg bietet nur ein eingeschränktes Poker an. Cash Game steht immer montags nach dem Ende des Turniers an. Ab einer Höhe von 40 Euro je Pot werden 2 Euro an Taxe fällig. Dieser Betrag steigt bei einem Pot ab 80 Euro auf 4 Euro an. Damit ist jedoch auch schon die Obergrenze erreicht.

Diese vier Möglichkeiten haben Pokerspieler in Schleswig-Holstein, wenn sie in einem lokalen Casino um Geld Poker spielen möchten. Alternativ dazu gibt es nun auch in Deutschland zahlreiche Online-Anbieter, die es ermöglichen Poker zu spielen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Das Spielen ist zumeist direkt im Browser sowohl am PC als auch über alle mobilen Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet möglich.

Titelbild: Envato.com


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