KoDer Dreiseitenhof „Klein Adelbylund“ will nicht so recht in die ihn umgebende Bebauung passen. Die „Stadt“ hat den ehemaligen Dorfhof umwachsen, räumlich und politisch. Als stellvertretender Bürgermeister, 1962 gewählt, hat Peter Erichsen seinen Wohnort noch als Ortsteil von Sünderup erlebt, umgeben von Feldern, auf denen Rinder grasten und „Peter Ei“ 2000 Hühner hielt. Das ist nun Geschichte, an die sich Peter Erichsen bei unserem Besuch im März erinnert.

Geboren bin in an der Saale hellem Strande, in Bernburg in Sachsen-Anhalt. Da gab es eine Soda-Fabrik, in der mein Vater als Ingenieur arbeitete und in der er später Direktor der gleichen Firma in Rheinberg am Niederrhein wurde. Aus Rheinberg kommt übrigens der „Underberg“. An der Underberg-Fabrik vorbei musste ich immer zur Schule laufen und es roch immer so gut nach Kräutern.











Hier auf diesem Hof in Adelbylund lebte ein Oskar Struve. Er war der Bruder meiner Großmutter, Wilhelmine Struve. Sie war ledig und starb 1946. Dann kam mein Großvater, der Oberschulrat in Schleswig-Holstein war und 1945 aufhören musste, auf diesen Hof. Er hatte keine Ahnung von Landwirtschaft. Die Frage war: Wer soll den Hof bewirtschaften? Mein Vater war ausgebildeter Landwirt, fiel jedoch in den letzten Kriegstagen, März 45. Eine ganze Generation fehlte. Dann hieß es: Du, Peter Erichsen, bist der älteste Enkel. Dann musst Du das machen!

Peter Erichsen
Peter Erichsen
Ich kam aus Düsseldorf hierher und ging sechs Jahre in die landwirtschaftliche Lehre bis zur Meisterprüfung. Es war das Jahr 1959, als ich den Hof als Pächter übernahm. Nun brauchte ich eine Frau. Die fand ich in Sankelmark. Ich war damals Kreisvorsitzender der Landjugend im Kreis, meine spätere Frau Kreisvorsitzende von Rendsburg. Auf dem Seminar mussten wir unsere Geburtstage in eine Liste einschreiben. Ich bin 8.4.1936 und meine Frau 1938 geboren. Wir Jungen schauten immer nach, wie alt die Mädchen waren. Ich sagte: Das passt doch. Zwei Jahre jünger. Die musst Du Dir mal angucken!

Da wir eine Woche in Sankelmark waren, habe ich mich beim Frühstück so rangerobbt. Ein Jahr später haben wir geheiratet. Meine Frau stammt von einem 12 ha-Hof bei Rendsburg.
Nun konnten wir bereits Goldene Hochzeit feiern. Die Kinder sind 62, 64, 66 und 69 geboren. Die einzige Landwirtin ist meine Tochter, doch die ging als Entwicklungshelferin nach Peru. Allerdings wollte sie dort in 3000 m Höhe am Titikaka-See nicht mehr sein und schulte sich zur Psychologin um. Mein anderer Sohn war in der Landwirte-Ausbildung. Dann aber kam hier die Osttangente.

„Land unter“
Ich hatte zu meinem eigenen Land noch den Holländer-Hof gepachtet, besaß damals 2000 Hühner. (Daher der Spitzname ‚Peter Ei‘). Der Holländerhof wurde schließlich ausgebaut zur Behindertenwerkstätte. Dieses Land ging also weg. Dann folgte die Planung der Osttangente. Das zog sich fünfzig Jahre hin. Der Hof wurde für die nächste Generation zu klein. Mit Hühnern, die ich vorher gehalten hatte, konnte ich auf Dauer nichts werden. Nicht zuletzt, weil Hühnermist bestialisch stinkt. Meine 60 Milchkühe schaffte ich dann ebenfalls ab.

Der Hof wurde 1998 stillgelegt. Die Ländereien sind an die Stadt verkauft und naturiert worden. Da grasen jetzt auf 20 ha Galloways. Die überwiegende Fläche des verkauften Landes wurde nicht bebaut. Das entfernteste Land in Tarup allerdings wurde Bauland. Dort, wo ich wohne, ist jetzt noch mein einziger Besitz. Eine Wiese habe ich noch in Weseby und hinter dem Holländerhof ein Feuchtgebiet. Wir waren hier früher Gemeinde Sünderup. Die erste Wahl zum Bürgermeister war 1962. Ich wurde gefragt: „Willst Du das machen? Du musst kandidieren. Wir brauchen einen in der Feuerwehr und im Gemeinderat.“

Das mag ich
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