1. Wie sehen Sie Flensburg? (Mehrere Antworten möglich)

Simon Faber
Simon Faber

a) Wirtschaftsstandort von großer Bedeutung, den es auszubauen gilt

b) als interessante touristische Stadt für Gäste aus nah und fern











d) als eine starke Stadt, mit guter sozialer Struktur.

f) als eine Stadt, in der der Tourismus und die Wirtschaft gefördert werden muss, um Finanzmittel zu generieren für andere Projekte und soziale Aufgaben

2. Was würden Sie in die Wege leiten, um die unter Frage 1 angekreuzten Ansichten weiter auszubauen und evtl. zu forcieren? (Bitte kurz zu den Punkten a-f zuordnen)

a / f) Flensburg hat als Wirtschaftsstandort in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt, wie das steigende Gewerbesteueraufkommen und die überdurchschnittlich gewachsene Beschäftigung zeigen. Viele Flensburger Unternehmen haben kräftig investiert, neue Betriebe (u.a. aus Dänemark) sind dazu gekommen und haben sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Gute kommunale Wirtschaftspolitik erkennt genau das an, dass nämlich nicht Verwaltungschefs oder Politiker die Wirtschaft voranbringen, sondern zu aller erst die Unternehmen selbst. Sie brauchen allerdings ein offenes Ohr für ihre Vorhaben. Deshalb habe ich die Weichen systematisch für ein besseres Investitionsklima gestellt: Mit dem Einsatz einer Wirtschaftsreferentin im Rathaus die Investitionen konstruktiv unterstützt, mit der Optimierung der Bauordnung und der frisch reformierten WiREG. Das gilt es fortzusetzen, und darüber hinaus die harten und weichen Standortfaktoren unserer Hochschulstadt zu stärken, z.B. die Kinderbetreuung, die überregionale Bahnanbindung und das kulturelle Angebot. Höhere Gewerbesteuern lehne ich ab!

b) Flensburg ist ein Erlebnis: Die Lage an der schönsten Förde Deutschlands, das einzigartige Altstadtensemble, die reichhaltige deutsch-dänische Geschichte und die besondere Topographie machen Flensburg einzigartig. Unsere Tourismusorganisation hat diese Besonderheiten zunehmend im Blick, und die mit den Nachbargemeinden gegründete TAFF ist auf gutem Wege, Flensburg auch international bekannter zu machen. Mit mehreren tollen Hotels in der Innenstadt und am Hafen wird unser Übernachtungsangebot in Qualität und Quantität deutlich verbessert. Die steigende Gästezahl der letzten Jahre bestätigt das Potenzial. Alleine aus Dänemark stieg die Zahl der Übernachtungen in den letzten 5 Jahren um 140% gestiegen. Es gibt allerdings noch genug Aufgaben: Der neue Wohnmobilstandort am Bahnhof muss erfolgreich umgesetzt , die Fördeschifffahrt mit einer deutsch-dänischen Vereinbarung erleichtert und der Tagungstourismus mit Partnern im Umland systematisch ausgebaut werden.

3. Was würden Sie ändern, um dem durch jahrelangen behördlich geförderten Schwund der Attraktivität von Flensburg für die Touristen, entgegen zu wirken. (immer geringere Beteiligung an den Hafenfesten, katastrophaler Weihnachtsmarkt,etc.)

Die Thesen des Fragestellers teile ich überhaupt nicht. Gerade die letzten Weihnachtsmärkte waren außerordentlich gut besucht, wie auch die Hafenfeste, die inhaltlich authentisches bieten, wie z.B. die Rum-Regatta oder das Dampf-Rundum gut angenommen werden. Und nochmal: Unsere Gästezahlen entwickeln sich eindeutig positiv, und zwar ganzjährig.

4. Wie stehen Sie persönlich zu dem *Einzelhandelskonzept* der Stadt Flensburg, welches von vielen Bürgern, wie auch vielen Unternehmern eher als Blockade gesehen wird und nicht als Sicherung der wirtschaftlichen Stärke der Innenstadt?

Um eine attraktive Innenstadt zu erhalten, moderne Einkaufszentren für überregionale Kunden zu bieten und zugleich eine möglichst nahe Versorgung in den Stadtteilen sicherzustellen ist etwas Steuerung schon erforderlich. Wie viele andere deutsche Städte auch, hat Flensburg dafür ein Einzelhandelskonzept erarbeitet und mit breiter Mehrheit verabschiedet. Allerdings – und hier teile ich durchaus die Skepsis des Fragestellers – darf der Ansatz nicht zu kleinteilig und restriktiv werden. Schließlich entwickelt sich das Konsumverhalten ständig; und das oft dynamischer als Gutachter und Politiker es analysieren können.

Die Einzelhändler müssen Schritt halten, um im Wettbewerb bestehen zu können und Kundenwünsche zu erfüllen. In der Innenstadt unterstützen wir sie deshalb mit dem PACT II, der u.a. mehr Vermarktung in DK ermöglicht hat. Aber ohne Wettbewerb auch keine Entwicklung: Ich werde mich daher im Zweifel für mehr Liberalität und weniger Restriktion einsetzen, wie es bei der erfolgreichen Erweiterung des CITTI-Parks auch der Fall war. Nicht immer findet sich dafür allerdings eine Mehrheit in der Ratsversammlung.

5. Welche sozialen Aufgaben sehen Sie als vorrangige Projekte an, die unbedingt ausgebaut werden müssen?

Die aktuell starke Konjunktur und der überdurchschnittliche Aufschwung am Flensburger Arbeitsmarkt bieten eine besondere Chance, mehr FlensburgerInnen in gute Beschäftigung mit Existenz sichernden Löhnen zu bringen. Erfreulicherweise konnten in den letzten Jahren auch viele Langzeitarbeitslose vom Aufschwung profitieren. Doch ohne Qualifizierung geht am modernen Arbeitsmarkt nicht mehr viel, und deshalb spielt unsere stadteigene bequa eine wichtige Rolle. In der kommenden Amtsperiode möchte ich mit der Bundesagentur, dem Jobcenter und unserer stadteigenen bequa neue Initiativen zur Stärkung des Arbeitsmarktes auf den Weg bringen. Dazu gehört u.a. der Aufbau einer Jugendberufsagentur, um gerade die unter 25-jährigen gezielt zu qualifizieren und zu vermitteln.

Der weitere Ausbau der Kinderbetreuung, auch in den späten Tageszeiten, gehört dabei zu den entscheidenden Rahmenbedingungen. Unsere Sozialverwaltung ist gut aufgestellt: Sie agiert vorbildlich präventiv, hält engen Kontakt zu den freien Trägern und Einrichtungen und unterstützt das ehrenamtliche Engagement. Weitere Anstrengungen braucht es im Geschosswohnungsbau in Flensburg.

Bezahlbaren Wohnraum brauchen viele Gruppen, ob junge Familien, Alleinerziehende, Studenten oder ältere Menschen. Viele Projekte sind dank unserer umtriebigen Genossenschaften auf dem Weg. Gefordert ist hier allerdings auch das Umland, sich stärker an dieser sozialen Aufgabe zu beteiligen.

6. Wie stellen Sie sich die Nutzung der östlichen Hafenseite im Bereich Harniskai vor?

Wir stehen am Beginn einer umfassenden Neuplanung des gesamten Ostufers von der Hafenspitze bis zum Harniskai, u.a. weil die dominierenden Silos nicht mehr gebraucht werden. Das Ziel ist eine gemeinsam erarbeitete Planung aus einem Guss, und da wäre es nicht richtig, sich als OB für bestimmte Flächen jetzt schon festzulegen. Grundsätzlich lege ich aber Wert darauf, dass a) das Thema Wirtschaftshafen ernst genommen wird und b) am Ufer auch „Freiräume“ entstehen, also nicht alle verfügbaren Flächen gleich fest bebaut werden. Denn der Hafen muss auch erlebt werden können, und zwar von allen Flensburgern und unseren Gästen.

7. Worin sehen Sie Ihre vorrangige Aufgabe in Flensburg, um Bürgern von Flensburg zu helfen?

Je offener und kommunikativer die Verwaltung insgesamt agiert, umso besser kann sie Probleme erkennen und lösen. Um das immer wieder zu verbessern, tun wir allerhand: Wir unterstützen die Arbeit von Stadtteilforen und ehrenamtlichen Helfern mit Ansprechpartnern und Förderung, wir haben ein zugängliches Ideen- und Beschwerdemanagement. Neu eingeführt habe ich regelmäßige Bürgersprechstunden in meinem Büro und Stadtteilgespräche, in denen ich mit Mitarbeitern vor Ort bin. Alle Probleme kann und soll eine Stadtverwaltung natürlich nicht lösen, oft können wir jedoch helfen, Ansprechpartner zu benennen und „Türen“ zu öffnen. Eigeninitiative, familiäre Unterstützung und nachbarschaftliche Hilfe bleiben

8. Wie stehen Sie persönlich zum kommunalen Wohnungsbau?

Kritisch. Keine Kommune ist in der Lage besser und zügiger Wohnraum zu schaffen, als professionelle Genossenschaften und Bauherren es tun. Aber das Fordern und Fördern von bezahlbarem Wohnraum müssen wir – wie eigentlich alle anderen wachsenden Städte in Deutschland auch – deutlich stärken. Das fängt bei einer frühzeitigen Bodenbevorratung an, geht mit einer konsequenten Nutzung der Fördermöglichkeiten von Land und Bund weiter und hört bei beschleunigten Genehmigungsverfahren nicht auf.

Es ist dabei die richtige Strategie, zusätzlichen Wohnraum primär durch so genannte Nachverdichtung zu schaffen, um übermäßigen Flächenverbrauch und die Zersiedelung von Naturräumen zu begrenzen. Oft entstehen so im Stadgebiet spannende Projekte, wie an der Bahnhofstr, im Schwarzenbachtal oder an der Osterallee. Darüber hinaus bemühen wir uns laufend, Eigentümer zu motovieren, ihre Bestandsimmobilien zeitgerecht zu modernisieren und ggf. zu erweitern.

9. Was würden Sie am liebsten sofort ändern?

Den Zensus, der uns demnächst jährlich 6 Millionen EURO kostet.

10.Wie stehen Sie zu der Aussage vieler Bürger, das oftmals in den Behörden nur verwaltet und blockiert wird und damit seitens der Stadt am Bürger vorbei gehandelt wird?

Die Aussage ist zu pauschal. Ja, es gibt manchmal leider noch festgefahrene Abläufe, Bedenkenträgerei oder auch eine sperrige Handhabung, über die auch mich ärgere, wenn sie z.B. im Rahmen einer Beschwerde überprüft wird. Es sind aber Ausnahmen: Insgesamt hat Flensburg eine aufgeschlossene und kooperative Verwaltung, die lösungsorientiert und kundennah arbeitet. Wir bieten zunehmend an, Behördengänge durch Online-Verfahren zu erleichtern, und wollen gerade diese kundenfreundliche Digitalisierung in den nächsten Jahren ausbauen – in einem neu gestalteten Willkommensbereich im Rathaus genau wie mit dezentralen Bedienportalen im Stadtgebiet.

Auf große Teile der Verwaltung haben wir allerdings nur begrenzten Einfluss. Die Gesetzgebung in Land und Bund und die Rechtsprechung haben in den letzten Jahrzehnten zu immer kleinteiligeren Regelwerken geführt, die im Einzelfall überzogen erscheinen, ob bei schützenswerten Mauerrauten, kriegsentscheidenden Formfehlern oder maßgenauen Abstandsregelungen im Baurecht. Ich setze mich stets dafür ein, soweit es geht, das Augenmaß zu bewahren.

11. Was sehen Sie als geeignete Maßnahmen an, um Bürger aus allen Schichten in die Kommunalpolitik und die lokale Entscheidungsfindung einzubinden, und die Wahlbeteiligung signifikant zu erhöhen.

Durch Stadtteilrunden, durch die gute Motivation und Begleitung von ehrenamtlichem Engagement und durch verschiedene Formen der Bürgerbeteiligung, wie z.B. der groß angelegten Umfrage zur Sportentwicklungsplanung, oder auch den Ideenwettbewerb für die Harniskaispitze versuchen wir, zum Mitmachen zu motivieren. Seien wir aber ehrlich: Kommunalpolitik interessiert längst nicht jeden – viele EinwohnerInnen möchten bloß, dass ihr Staat und ihre Stadt insgesamt ordentlich funktioniert.

12.Warum möchten Sie OB werden?

Ich bin vor 6 Jahren das erste Mal angetreten, weil ich – auch nach langen Lebensphasen anderswo – Flensburg für etwas ganz Besonderes halte: Flensburg ist eben nicht irgendeine provinzielle Randlage Deutschlands, sondern der dynamische Mittelpunkt einer attraktiven deutsch-dänische Region. So müssen wir uns verstehen, darin liegt der Schlüssel zum Erfolg unserer Stadt. Dieses Bewusstsein hat sich durch die Arbeit im Rathaus vertieft, und ich spüre, dass es in der Stadt immer mehr auch gelebt wird.

Wir sind eben keine beliebige Stadt, in der die üblichen kommunalpolitischen Rezepte reichen, sondern ein in ganz Europa fast einzigartiges Beispiel für eine Stadt, die zwei Kulturen in sich vereint und in beiden Ländern quasi dazu gehört. Diese Grundüberzeugung leitet mich, und der beispielhafte Aufschwung Flensburgs in den letzten Jahren zeigt, dass etwas dran ist! In keiner anderen Stadt würde ich das Amt des OB anstreben. In Flensburg macht das Amt Freude, und mir ist es wichtig, diesen strategischen Kurs eines „Flensburg mittendrin“ jetzt zu halten.

Das mag ich
Das mag ich Ich liebe es Ich muss lachen Einfach WOW! Das macht mich traurig Das macht mich wütend
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