Mitsubishi 1Friedlich plätschert der unscheinbare Bach durch den tiefen Taleinschnitt, der auf der einen Seite durch die Husumer Straße, gegenüber von der Exe begrenzt wird. Dichtes Buschwerk an den Steilhängen verhindert für die passierenden Autofahrer den Blick auf das gewaltige Werksgelände im Talgrund. Eineinhalb Kilometer lang winden sich die Werkshallen der ehemaligen ‚Feldmühle‘ am Mühlenstrom entlang. 1696 erbaute ein Hinrich Gultzau dort eine Papiermühle. Die Lage war sicherlich kein Zufall. Denn Wasser ist ein wesentliches Element bei der Papierherstellung. Vielleicht hat der eine oder andere von uns in der Schule einmal Papier hergestellt. Mit einem Schöpfrahmensieb tauchte man in den wässrigen Papierbrei, der in der ‚Bütte‘ lagerte, ein, hob das Sieb vorsichtig an, ließ das Wasser abtropfen und lagerte das ‚Büttenpapier‘ zwischen zwei Filzmatten, um mit Hilfe einer Presse das Wasser aus der Masse herauszudrücken. Dann wurden die Papierbogen wie Wäsche auf die Leine zum Trocknen gehängt. Beschreiben konnte man ein solches Papier nicht. Die Tinte wäre zerlaufen. Deshalb muss beim handwerklich hergestellten Schreibpapier das Rohpapier beschichtet, ‚gestrichen‘ werden. Mit dem Aufkommen des Buchdruckes mit beweglichen Lettern, etwa 1450, wuchs der Bedarf an Papier schlagartig an. Im Prinzip hat sich die Papierherstellung seit dem Mittelalter nicht verändert. Nur die Herstellungsprozesse entwickelten sich Schritt für Schritt weiter.

Abstieg ins Fegefeuer







Schon in der Eingangshalle des an der Husumer Straße gelegenen Hauptgebäudes von ‚Mitsubishi HiTec Paper‘ trifft uns die feuchte Hitze der unterirdischen Produktionshalle wie ein Gruß aus der Hölle. Mit jeder Stufe, die wir mit Direktor Wolfgang Theis und Marketingchefin Melanie Schneider in die Tiefe steigen, erhöhen sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Geräuschpegel. Dann landen wir im unterirdischen Bauch der Produktionsanlage mit ihrer haushohen Papiermaschine, einem Monstrum aus Stahlträgern, Walzen, Endlossieben und Trocknungselementen. Mit ohrenbetäubendem Lärm rasen die Papierbahnen die letzten Meter durch die Anlage und werden zu meterdicken Zylindern aufgewickelt. Währenddessen wird am anderen Ende der Maschinerie der wässrige Zellulosebrei auf das in einer Endlosschleife rotierende Sieb aufgebracht, gepresst, entwässert und getrocknet, bis Papierbahnen entstehen, die nur noch zwischen 50 und 250 Gramm pro Quadratmeter wiegen. Gesteuert wird die Herstellung von einer klimatisierten Kabine aus. Ein Mann überwacht die automatisch ablaufenden Prozesse. „Früher“, so berichtet Wolfgang Theis, „mussten viele Männer per Hand die Maschine steuern.“ Heute läuft die Anlage mit Computerhilfe Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Trotzdem beschäftigt das Werk 230 Männer und Frauen, in der Produktion im 5-Schicht Betrieb.

Mitsubishi 2Von den revolutionären Anfängen

1848, im Jahre der bürgerlichen Revolution in Deutschland und mitten in der nicht weniger umwälzenden Phase der Industrialisierung, wurde die erste Papiermaschine im Mühlental errichtet. Ein größeres Unternehmen, die ‚Feldmühle AG.‘, übernahm 1929 das Flensburger Unternehmen.
Die ‚Feldmühle‘ war zu jener Zeit einer der führenden Papierproduzenten des Deutschen Reiches. Das Unternehmen wurde im August 1885 von Leo Gottstein (1850–1922) am Ort einer im 13. Jahrhundert von Zisterziensermönchen errichteten Klostermühle als Schlesische Sulfit-Cellulose-Fabrik Feldmühle in Liebau am Bober gegründet. In den Folgejahrzehnten verleibte sich die ‚Feldmühle‘ alles ein, was mit Zellulose und Papierherstellung in Deutschland befasst war. Sie wuchs zum Superkonzern. 1937 wurden 272.000 Tonnen Papier erzeugt. 1945, mit der Teilung Deutschlands, verlor die ‚Feldmühle‘ sämtliche Holzstoff-Produktionsstätten und über die Hälfte der Papier- und Pappe-Produktionskapazitäten. Das Werk in Flensburg blieb ihr erhalten. Der Hauptfirmensitz wurde nach Bielefeld verlegt, später nach Düsseldorf.
Die Flensburger wurden in den Jahrzehnten darauf mit einer Folge von Besitzerwechseln konfrontiert.

Das mag ich
Das mag ich Ich liebe es Ich muss lachen Einfach WOW! Das macht mich traurig Das macht mich wütend

Weitere Artikel anzeigen
Lade mehr Aktuelles

Jetzt gleich kommentieren:

avatar
  
smilegrinwinkmrgreenneutraltwistedarrowshockunamusedcooleviloopsrazzrollcryeeklolmadsadexclamationquestionideahmmbegwhewchucklesillyenvyshutmouth
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Auch interessant

Klimaschutz geht uns alle an

Der Sommer 2018 – Endgültige Bestätigung für den „Klimawandel“? Im Jahr 2018 erleben wir i…