Peter Rohrhuber, 47
Peter Rohrhuber, 47

„Ich bin ein Binnen-Migrant aus Bayern!“

Der Diplom-Sozialarbeiter Peter Rohrhuber, 47, zeigt bayrischen Humor, wenn er sich als Binnen-Migrant bezeichnet. Als gebürtiger Rosenheimer hat er die Bundesländergrenzen von Bayern, Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein überwinden müssen, um nach Flensburg zu gelangen. Da lag bereits eine spannende Vita hinter ihm: Zwanzig Jahre im Dienst als Krankenpfleger in Kliniken und im ambulanten Pflegedienst. Davon 10 Jahre an der Asklepios-Nordseeklinik in Westerland. Während dieser Zeit studierte er berufsbegleitend an der Katholischen Akademie für Sozialpädagogik in Hamburg, um nach drei Jahren mit dem Diplom als Sozialarbeiter abzuschließen. Das war ein Spagat zwischen einem 30-Stunden-Arbeitsvertrag, den er mit 40 Stunden auffüllte, um die vorgearbeitete Zeit für das Präsenzstudium (eine Woche pro Monat) vorgearbeitet zu haben. Bevor er seine erste Beschäftigung als sozialpädagogischer Familienhelfer bei der Stiftung „Kinder–und Jugendhilfeverbund“, Schiffbrücke 2 in Flensburg fand, musste er zunächst weitere zwei Jahre in seinem Job als Krankenpfleger arbeiten. Als Vater von zwei Söhnen und Ernährer der Familie muss er Geld verdienen. Peter Rohrhuber ist mit Natalia aus der Komi-Republik verheiratet. Ihre Heimat liegt tausend Kilometer nordöstlich von Moskau entfernt. Dort hat er zwei Jahre gelebt, die russische Sprache gelernt und an der Universität und einer pä­dagogischen Hochschule Deutschunterricht erteilt.
Als dann die Stadt ein Jahr später einen Koordinator für Integration suchte – eine auf ein Jahr befristete Vollzeitstelle – war Rohrhubers Stunde gekommen. Er trat an!
Aber wie war es zu dieser Stellenausschreibung gekommen?







 

Politik trifft auf Realität

Am 9. Oktober 2008 hatten die „Europa-Union – Kreisverband Flensburg“,
der „ADS-Grenzfriedensbund e. V.“, das „AWO – Integrations-Center–Flensburg“ und der „Migrationsfachdienst des Diakonischen Werkes Flensburg“ zum zweiten Mal zu einem öffentlichen Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema „Besser zusammenleben in Flensburg – Was können wir für eine gelingende Integration tun?“ geladen. Flensburger Bürger, Migranten und Kommunalpolitiker füllten den Großen Saal von Sophiesminde. In der Diskussion meldeten sich Migranten zu Wort. Einige berichteten von Rassendiskriminierung und Benachteiligungen in Flensburg. Defizite und ungelöste Probleme kamen zur Sprache. Die Kommunalpolitiker fielen fast aus allen Wolken. Niemand konnte mehr wegschauen. So wurde schon während der Veranstaltung nach gemeinsamen Lösungen, die das Zusammenleben in Flensburg verbessern, gesucht. Ein halbes Jahr später traf der Hauptausschuss der Stadtverwaltung einstimmig die Entscheidung, ein Integrationskonzept entwickeln zu lassen und, wenn möglich, die Gründung eines Runden Tisches für Integration anzuregen. Zur Begleitung dieses Gesamtprozesses sollte eine Koordinierungsstelle für Integration eingerichtet werden.
Für diese Aufgabe wurde Peter Rohrhuber am 1. September 2009 eingestellt. Er sagt, dass dies ein nachhaltiges Angebot der Stadt an ihre Migranten gewesen sei, ohne ihnen etwas überstülpen zu wollen. Wie es der Zufall wollte, hatte sich Rohrhuber längst schon ehrenamtlich bei der Gestaltung der jährlichen Interkulturellen Woche aktiv eingebracht und somit bereits gute Kontakte zu den Migrantenorganisationen geknüpft. Wie er erklärt, sei Beziehungs- und Netzwerkarbeit wichtig.

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