Lothar Hay
Lothar Hay

Lothar Hay hat über Jahrzehnte die Flensburger Stadtpolitik mitgestaltet. Viel mehr jedoch hat er seit 1992 die Höhen und Tiefen der Landespolitik erlebt, erleidet und sie als Abgeordneter, Innenminister und Fraktionsvorsitzender seiner Partei, der SPD, mit geprägt. Vor drei Jahren trat Lothar Hay von allen politischen Ämtern in Kiel zurück, nicht zuletzt enttäuscht über Entscheidungen in seiner Partei. In einem Gespräch mit dem Flensburg Journal zieht er Bilanz seiner politischen Laufbahn, blickt kritisch zurück auf vier Ministerpräsidenten, Björn Engholm, Heide Simonis, Peter Harry Carstensen und Torsten Albig.

Mit 60 beginnt man schon über diesen Einschnitt nachzudenken. Man hat nicht mehr ein Jahrzehnt im Berufsleben, sondern weniger. Jetzt mit 65 fühle ich mich an meinen Großvater erinnert, der Tischler war, mit 65 nach Hause kam, und dann war Schluss für ihn. Ich denke nicht mehr in Jahren, sondern nur einige Monate nach vorne. Bis 2009 war ich Innenminister, dann einfacher Abgeordneter. 2011 habe ich mich dann entschieden: Ich will nicht mehr. Da musste ich sehen, was mache ich 2012. Wenn man immer so auf 180 war und dann auf Null zurückfiele, wäre das schiefgegangen. Das habe ich bei meinem Großvater gesehen, der nichts mehr machte. Dann kommen schnell die Wehwehchen und man überlegt, welchen Sinn hat das Leben überhaupt noch. Dabei gibt es noch so viel zu tun.
Sie waren Lehrer, Mitglied der Ratsversammlung, Stadtpräsident, Vorsitzender des Grenzfriedensbundes. Das sind vergleichsweise ruhige Gewässer. Wenn man Ihre Karriere in Kiel verfolgt, ist es eine Tour durch Schlaglöcher der Landespolitik. Manchmal sind Brücken eingestürzt.
Waren Sie 1992, als Sie in den Landtag einzogen, darauf vorbereitet?
Nein, überhaupt nicht! Ich war jemand, der ganz neu hereinkam in die Landtagsfraktion. Als Erstes wurde ich damit konfrontiert, dass nie damit gerechnet wurde, dass ich mein Amt als Stadtpräsident in Flensburg aufgeben würde. In Kiel war es dann so, dass man sich hinten anstellen musste. Das heißt, ich wollte gerne in den Bildungsausschuss, aber ich bekam das, was andere nicht machen wollten. Das war fast eine Abstrafungsaktion. 1993 kam dann noch die Schubladenaffäre hinzu.
Zum Verständnis: Barschel-Affäre (auch Barschel-Pfeiffer-Affäre) ist die Bezeichnung für einen politischen Skandal 1987. Ihren Namen erhielt die Affäre nach dem damaligen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Uwe Barschel (CDU Schleswig-Holstein), dem manipulatorische Maßnahmen gegen seinen politischen Gegner zur Last gelegt wurden. Vorkommnisse im Wahlkampf vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 1987 führten zum größten politischen Skandal in der schleswig-holsteinischen und einem der größten politischen Skandale der bundesdeutschen Geschichte. Am 11. Oktober 1987, einen Tag, bevor Barschel vor dem Untersuchungsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtages aussagen sollte, wurde er um 12:43 Uhr vom Stern-Reporter Sebastian Knauer, der Barschel zusammen mit dem Fotografen Hanns-Jörg Anders aufsuchen wollte, tot und vollständig bekleidet in der Badewanne seines Zimmers 317 im Hotel Beau-Rivage in Genf aufgefunden. Die Todesumstände wurden nie zweifelsfrei geklärt.
Als Schubladenaffäre wurde 1993 ein politischer Skandal in Schleswig-Holstein bezeichnet. Er wurde durch das Geständnis des schleswig-holsteinischen Sozialministers Günther Jansen (SPD) ausgelöst, er habe dem Auslöser der Barschel-Affäre, Reiner Pfeiffer, insgesamt 40.000 bis 50.000 DM in bar geschenkt. Im Verlauf der Affäre musste unter anderem der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Björn Engholm zurücktreten. Zur Klärung der Umstände wurde vom Landtag im April 1993 ein Untersuchungsausschuss eingerichtet.











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