Stadtwerke_2015002014° Celsius zeigt das Außenthermometer, Wolken, scharfer Ostwind. Trotzdem stehen zahlreiche Windräder auf der Fahrt nach Flensburg still. Sie liefern kein einziges Watt Strom. Dessen ungeachtet sind Wohnungen und Geschäfte der Stadt hell erleuchtet und niemand muss in seinen vier Wänden die Kälte fürchten oder sich Gedanken machen, wie die Wärme in seine Wohnung kommt.
Unsere Fragen zu Licht und Wärme liegen jetzt auf dem Konferenztisch im Büro von Maik Render in der Batteriestraße. Der Diplomingenieur ist seit 2011 Geschäftsführer der Stadtwerke. Dass er einen zweiten Abschluss als Wirtschaftsingenieur hat, hilft ihm technisches und wirtschaftliches Denken zusammenzuführen, ein Muss bei dem durch harte Konkurrenz, staatlichen Subventionsdschungel und technische Umwälzungen geprägten Energiemarkt. Über 120 Jahre existieren die Flensburger Stadtwerke, versorgten Deutschlands nördlichste Stadt zunächst vor allem mit Strom und Wasser. Die Umwälzung begann 1969 und ist mit einem Namen verbunden, den Maik Render mit Hochachtung ausspricht, Wolfgang Prinz. Der frühere Geschäftsführer der Stadtwerke war ein Visionär. Bisher hatten die mit Öl und Braunkohle befeuerten Stromgeneratoren mehr als die Hälfte der gewonnenen Energie in den Flensburger Himmel geblasen, verloren für alle Zeiten und zudem eine Belastung für die ansonsten gerühmte Seeluft. Aufwändig musste die Abwärme über Kühltürme entsorgt werden, während zehntausende Haushalte, jeder für sich, das Eigenheim oder die Mietwohnung mit umweltbelastender Öl- oder Kohleheizung aufwärmten. Die Idee einer zentralen Wärmeversorgung war zu kühn, um auf ungeteilte Begeisterung zu stoßen. Doch die Politik zeigte sich damals nicht als Bremser einer Innovation, sondern gab grünes Licht, um in den nächsten zwanzig Jahren ein flächendeckendes Fernwärmenetz durch die Stadt zu ziehen. Heute sind so gut wie alle Haushalte daran angeschlossen und drehen lediglich den Hahn auf, um eine warme Stube und heißes Duschwasser zu genießen.

 











Vernetzte Energie

Doch ganz so simpel, wie es zunächst erscheint, ist die Kraft-Wärme-Kopplung nicht, zunehmend komplexer seit der Energiewende. Jetzt spielt nicht nur die stadteigene Energieerzeugung eine Rolle. Der Energiemarkt ist zeitweise übersättigt mit Strom, Strom aus Windkraftwerken auf den Feldern und Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Durch großzügige staatliche Subventionen angeheizt, schossen Windkraftanlagen wie Pilze aus der Erde, wichen Ziegeldächer den blanken Lichtsammlern und pflastern Biogasanlagen ehemalige landwirtschaftliche Nutzflächen. Weiterhin wandeln Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke fossile Brennstoffe in Strom um und – salopp ausgedrückt – verstopfen die Stromleitungen. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, würde das Leitungsnetz ohne Gegenmaßnahmen in Kürze zusammenbrechen. Statt zu viel Strom gäbe es gar keinen Strom. Deshalb stehen an schönen, luftigen Tagen viele Windräder still, sie werden zwangsabgeschaltet. Das für viele unverständliche dabei: Die Betreiber erhalten nichtsdestoweniger ihr Entgelt, so als würden die Anlagen volle Leistung erbringen. Die Folgen dieses un-marktwirtschaftlichen Luxus sehen wir auf unserer Stromrechnung.
„Der Strompreis an der Strombörse sinkt seit sechs Jahren“, sagt Maik Render. Auf unserer privaten Stromrechnung merken wir davon nichts. Die EEG-Umlage (EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz) frisst die Vorteile für den Privatverbraucher wieder auf. Wir subventionieren damit unter anderem den Stillstand der Windanlagen. Auch die Stromanbieter stöhnen. „Die Erneuerbaren verderben die Preise. Das ist Planwirtschaft“, ist aus der Branche zu hören.
Die Stadtwerke jedoch jammern nicht, sondern spielen auf dem Klavier des Energiemixes.

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