„Spieler übernehmen Verantwortung“
„Spieler übernehmen Verantwortung“

„Schleswig-Holstein kickt fair“: Unter diesem Motto entwickelt der SHFV zusammen mit seinen Kreisfußballverbänden seit Jahren Maßnahmen und Aktionsfelder für Fair Play sowie gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit auf und neben den Fußballplätzen zwischen Nord- und Ostsee. Die Zielgruppen sind dabei Spieler und Trainer, Schüler und Lehrer, Schiedsrichter, Vereins- und Verbandsverantwortliche, Zuschauer und die Eltern. Gemeinsam sollen alle dafür sorgen, dass Toleranz, Weltoffenheit und Fairness weiterhin die Markenzeichen des Fußballsports in Schleswig-Holstein bleiben werden.

Seit gut zwei Jahren läuft im Bereich des Kreisfußballverbandes (KFV) Schleswig-Flensburg das Pilot-Projekt „Spieler übernehmen Verantwortung bei Einwurf, Abstoß, und Eckstoß“ – ein Projekt gemäß §56 der Spielordnung des SHFV. Im ersten Jahr des Projektes galt dies nur für die Senioren (Erwachsenen), mittlerweile sind auch alle Jugendmannschaften beteiligt worden; die Vereine wurden diesbezüglich auf den Saisoneinweisungen informiert.











In unseren zahlreichen Jugendspielen der aktuellen und der Vorsaison hat sich das Projekt noch nicht besonders hervorgetan und nicht zielführend bewährt; kein Wunder aus unserer Sicht, weil man vielleicht doch zu viel auf einmal von allen Beteiligten erwartet hat. Gerade die Erwachsenen (oft genug ist nur ein einziger Trainer/Betreuer vor Ort), die für die Abwicklung und Durchführung jedes dieser vielen, vielen Jugendspiele zu sorgen haben, sind meist schon froh, wenn sie das Spiel mit den ganzen formellen Begleiterscheinungen gut abgewickelt bekommen – Platz herrichten, Kabinen für die Teams und den Schiri bereitstellen, Spielbericht Online ausfüllen (kann auch schon zuhause vorbereitet werden), die Bedürfnisse und Ansprüche aller Spieler erfüllen, die Mannschaft aufstellen und taktisch einweisen – da bleibt oft genug nur wenig Zeit, um auch noch besonders auf das Pilotprojekt einzugehen.

Immerhin haben wir es geschafft, in 11 von 13 Fußball-Kreisen in Schleswig-Holstein die FairPlay-Liga im Bereich der F-Jugend einzuführen – diese wird auch bereits von fast allen Erwachsenen akzeptiert. Im Fußballkreis Köln ist man bereits einen Schritt weiter: Dort läuft seit Saisonbeginn 2013/2014 in der D-Jugend ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt: In der Staffel 7 der Kreisklasse der D-Jugend wird nach modifizierten Bestimmungen der FairPlay-Liga gespielt, gemeinsam mit dem Schiedsrichterausschuss und 13 D-Jugendteams gründete man Deutschlands erste FairPlayLiga im D-Jugendbereich. „Diese D-Jugendstaffel 7 hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich die Verantwortung für das Fußballspiel mit dem Schiedsrichter bzw. dem Spielleiter zu teilen“, so Ralf Klohr, der „Erfinder“ der FairPlay-Liga aus dem KFV Aachen, genau gesagt aus Herzogenrath.

Das Besondere in dieser Staffel: Es gibt einen Schiedsrichter, und der leitet auch das Spiel. Über Einwurf, Abstoß und Eckstoß entscheiden jedoch die elf- bis 13jährigen Spieler selbst.

Mit diesen Maßnahmen sollen die Einflussnahmen von außen, von den Eltern insbesondere, reduziert werden – gerade im Kinderfußball projizieren Eltern oft auf ihre Kinder ihre eigenen nicht erfüllten Erwartungen, sehen in jedem Kind, das halbwegs gut Fußball spielt, bereits einen potentiellen Bundesligaprofi und künftigen Nationalspieler. Die teilweise Verlagerung der Verantwortung auf die Kinder stärkt diese sogar, nimmt sie mit in die Entscheidungsfindung, zudem hat es der Schiedsrichter nicht so schwer, wird nicht schon bei jeder strittigen Einwurfentscheidung von außen kritisiert. Der Spaß am Spiel wird den Kindern damit bestimmt nicht genommen – sie regeln ja auch den Spielbetrieb, wenn sie selbständig nachmittags auf der Straße, auf dem Schulhof oder anderen Spielplätzen Fußball spielen.

Das Pilotprojekt der D-Jugend wird im Kölner Raum mit großem Interesse verfolgt, so haben bereits zahlreiche lokale Fußballfunktionäre die Spiele vom Spielfeldrand beobachtet, und sind begeistert, wie gut diese Variante von allen Beteiligten angenommen wird. (Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom 20.11.2013, „Kinder als Entscheidungsträger“ von Sven Winterschladen).

Da diese Variante für uns im Norden der Republik eigentlich nicht Neues ist, sie sich jedoch noch nicht in den Köpfen aller Beteiligten festgesetzt hat, sollte man sich vielleicht doch überlegen, ob man sich in unserem KFV Schleswig-Flensburg nicht das Kölner Modell zu eigen macht, den Begriff „Spieler übernehmen Verantwortung“ nicht zuerst in nur einer Altersklasse, vielleicht gar nur in einer Staffel, einführen sollte, mit entsprechenden begleitenden Maßnahmen wie Öffentlichkeitseinbindung, Einbindung der Eltern usw. …

Gerade wir Erwachsenen sollten im Jugendfußball immer bedenken, dass nicht allein das Gewinnen und Verlieren im Mittelpunkt stehen sollte, sondern dass der soziale Aspekt das Nonplusultra ist, die Erziehung und Persönlichkeitsbildung der Kinder und Jugendlichen, denen gerade der Mannschaftssport „Fußball“ neben ganz viel Freude und Spaß auch noch viele Werte vermitteln kann, die im späteren Erwachsenenleben so wichtig werden:

Übernehmen wir Erwachsenen also „Verantwortung“ dahingehend, dass wir diese (die Verantwortung) auch sinnvoll unseren Kindern rechtzeitig und dosiert mit auf den Weg geben, die Projekte „Spieler übernehmen Verantwortung“ und „FairPlay-Liga“ sind hier mit Sicherheit sinnvolle Vorgaben.

 

Peter Feuerschütz  

 

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