John Witt
John Witt

Ende des Jahres ist Schluss! John Witt, Ex-Bürgermeister von Glücksburg und Stadtrat in Flensburg, verlässt die Politik.

Seit drei Jahren steht der Kommunalpolitiker in Flensburg unter Beschuss. Nach Etablierung der Verwaltungsgemeinschaft Flensburg-Glücksburg war er Hoffnungsträger auch für eine gemeinsame Tourismusvermarktung der beiden Fördestädte. Jetzt stellt er resignierend fest: „Das Problem ist, dass (die Kooperation) in vielen Punkten nicht gelebt wurde, sondern gegensätzlich gearbeitet wurde.“







Als Ergänzung zu der Verwaltungsgemeinschaft hatten die Gemeinden Flensburg und Glücksburg, sowie Harrislee und Langballig die Gründung einer „Lokalen Tourismus Organisation (LTO)“ beschlossen, eine Vorgabe der Landesregierung, um Fördermittel für den Tourismus abrufen zu können.

Alles schien vor drei Jahren in trockenen Tüchern. Der zuständige Hauptausschuss im Flensburger Rathaus sollte demnach die Umsetzung europaweit ausschreiben. Doch dazu kam es nicht mehr. Auf jener Hauptausschusssitzung legte John Witt einen Leistungskatalog als Grundlage für die Ausschreibung vor. Diese Vorlage war für die Politiker Stein des Anstoßes. Ihrer Meinung nach war sie passgenau auf ein Angebot der „Glücksburg Consulting“ zugeschnitten. Die „Glücksburg Consulting“ war seit Jahren und ist bis heute touristischer Dienstleister für die Stadt Glücksburg und residiert auf dem Gelände des Glücksburger Schlosses.

John Witt verteidigt heute seinen Vorstoß: „Diesen DIN A4 Bogen können Sie auf jeder Homepage einer touristischen Gemeinde nachlesen. Der ist mal erstellt worden im Rahmen eines Vergabeverfahrens für die Stadt Glücksburg. Der war völlig harmlos.“

Als so harmlos sahen die politischen Vertreter dieses Papier nicht an. Sie unterstellten dem Glücksburger unausgesprochen, die Vergabe des lukrativen Tourismusvertrages mit der „Glücksburg Consulting“ abgesprochen zu haben. Gegen diesen Vorwurf wehrt sich John Witt bis heute. „Dann lief diese miese Nummer, die von hintenherum noch gesteuert wurde, von touristischer Seite, und man stimmte diesem Vertrag nicht zu, weil ich angeblich gemauschelt hätte mit einer Anlage zu diesem Vertrag, wo drinsteht, was zu einer touristischen Leistung gehört.“ Und Witt unterstellt den Politikern, dass sie das Verfahren zur Gründung der LTO bewusst haben scheitern lassen.

Markus Döring (CDU), erinnert sich an einen anderen Verlauf der fraglichen Hauptausschusssitzung. Danach hätten die Mitglieder nach einer Vertagung eine veränderte Ausschreibung vorgelegt und die Bildung der LTO verbindlich beschlossen. Erst danach, so Dr. Döring, sei Glücksburg ausgestiegen und habe damit das Verfahren gegen die Wand gefahren.

Wer auch immer was mit wem abgesprochen oder nicht abgesprochen hat, die ungeklärte Frage lähmt bis heute die wichtige Weichenstellung für die vier beteiligten Gemeinden. Eine LTO gibt es bis zur Stunde nicht. Inzwischen hat die Stadt eine neue politische Führung und man könnte meinen, dass die Auseinandersetzung verjährt sei. Dem ist nicht so. OB Simon Faber äußerte vor Kurzem in einem Gespräch mit dem Flensburg Journal: „John Witts Zuständigkeit (für den Tourismus) hat sich nicht bewährt.“ CDU-Fraktionschef Dr. Döring legte nach und bescheinigte Witt „eine ganz miserable Verwaltungsleistung.“

Witt verteidigt die damalige Entscheidung Glücksburgs, den Vertrag mit seinem Dienstleister „Glücksburg Consulting“ zu verlängern, mit dem Scheitern des Vergabeverfahrens im Hauptausschuss. „Die Glücksburger Politik war der Auffassung, dass sich Flensburg nicht als verlässlicher Partner erwiesen hat und man in Wahrheit keine gemeinsame Lösung wollte.“

Daher fühlte sich Glücksburg gezwungen, den Vertrag mit der „Glücksburg Consulting“ zu verlängern, um nicht ohne touristischen Dienstleister dazustehen. Eine Kündigung und Neuvergabe war nach Witts Aussage nicht möglich. Der Vertrag hätte europaweit neu ausgeschrieben werden müssen. Zumal Flensburg in der komfortablen Lage war, einen touristischen Dienstleister, die FFT, zu besitzen. Glücksburg musste damals also fürchten, in der Konkurrenz zu Flensburg ins Hintertreffen zu geraten.

John Witts Gastspiel als Tourismusverantwortlicher in Flensburg war nach seiner eigenen Einschätzung schon kurz nach der konfliktbeladenen Hauptausschusssitzung vor drei Jahren beendet. Man hat ihm danach deutlich zu verstehen gegeben, dass er aufgrund seines Interessenkonfliktes aus der Sache raus sei. „Folglich räumte ich auch meinen Posten im Aufsichtsrat der Flensburger Tourismusorganisation FFT“, sagt der Glücksburger und stellt weiter bitter fest: „Eigentlich ist es nie zu einer richtigen Zusammenarbeit gekommen. Es konnte sich nicht bewähren, weil die Politik schon vorher quergeschossen hat.“

John Witt fühlt sich durch Personen, die er nicht namentlich nennen will, ausgebootet. Er verweist auf „touristische Kreise“, die an einem offenen Vergabeverfahren nicht interessiert gewesen seien. Auch auf hartnäckiges Nachfragen will er Ross und Reiter nicht nennen. „Ich weiß, wer es war. Die haben das auch zugegeben. Ich habe aber versprechen müssen, ihre Namen nicht zu nennen.“

Nach Dr. Döring hat John Witt in der Folge des Konfliktes wenig oder nichts getan, um das Pferd wieder zu satteln und hat stattdessen die Zügel schleifen lassen. Ohne Glücksburg jedoch konnten auch die übrigen drei Gemeinden den Ritt zu einer gemeinsamen Tourismus-Vermarktung nicht fortsetzen.

Jetzt, 2013, hat sich die Situation verändert. Der Dienstleistungsvertrag mit dem Glücksburger Tourismuspartner läuft in zwei Jahren unwiderruflich aus, kann nicht verlängert werden.

Wird sich Glücksburg in eigener Regie nach einer europaweiten Ausschreibung mit einem neuen Dienstleistungspartner – oder gar dem alten – vermarkten wollen oder nutzt es gemeinsam mit Flensburg und den Gemeinden Harrislee und Langballig die Chance, endlich mit einer LTO eine gemeinsame Tourismusvermarktung zu installieren und damit Zugriff auf die Landesfördermittel zu haben, die alle dringend benötigen?

Trotz der resignativen Rückschau ist die Schaffung der LTO nicht chancenlos. „Wir haben mit den Gemeinden einen touristischen Kooperationsvertrag geschlossen als Vorstufe einer zukünftigen LTO“, sagt Witt. Dies bestätigt auch Dr. Döring. Er ist zuversichtlich, dass die LTO in zwei Jahren – mit Glücksburg als Partner – realisiert werden wird.

John Witt wird dies als Zuschauer betrachten können. Er hat im Gespräch mit dem Flensburg Journal unmissverständlich erklärt, dass seine Zeit in der Kommunalpolitik zum 31.12.2013 beendet sei. Er wird sich ein neues Tätigkeitsfeld in der Wirtschaft suchen, „vielleicht im Sportbereich“. Das läge nahe, denn John Witt hat zumindest als „Ironman“ eine gute Figur gemacht.

Bericht und Fotos: Dieter Wilhelmy

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