Wenn es viel regnet und die Temperaturen abkühlen, wird es nicht nur ungemütlich. Auch die Straßenlage wird zunehmend rutschiger. Sommerschuhe sind längst durch stabiles Schuhwerk ersetzt, um mehr Grip und trockene Füße zu haben. Dann ist es höchste Zeit, ebenfalls sein Auto auf die anstehende Jahreszeit vorzubereiten. Das braucht Ihr Wagen neben einem „Schuhwechsel“.

„Wenn die Blätter fallen, sollte man sein Fahrzeug vorbereiten, damit es der Jahreszeit entsprechend fit ist“, sagt Torsten Reimer vom Autohaus Kath. Offensichtlich ist dabei der Reifenwechsel. Die bekannte Faustregel lautet „Von O bis O“, also von Oktober bis Ostern sollten Winterreifen aufgezogen sein. Reimer orientiert sich gerne an der Temperatur: Sobald das Thermometer 7 Grad anzeigt, rüstet er sein Auto um. Denn die kühle Nässe verlangt den „Spezialisten für diese Jahreszeit“, der das Fahrzeug besser auf der Straße hält.











Postkartengröße

Dabei spielt das Profil eine große Rolle. Wenn die Mitarbeitenden im Autohaus Kath die eingelagerten Reifen überprüfen, empfehlen sie deren Besitzern ab einer Profiltiefe von 3 bis 4 mm neue Exemplare. Bis 1,6 mm dürfen sie damit rechtlich fahren, jedoch seien diese schnell erreicht und der Kunde müsse in der gleichen Saison erneut für einen Reifenwechsel und -kauf aufkommen. Zudem liege der PKW je nach Straßen- und Wetterverhältnissen nicht mehr gut auf der Straße. Gerade im Ländlichen, wo nicht alle Wege sofort geräumt sind, sei das bedenkenswert. Übers Internet finden sich viele Angebote, die den Autohäusern Konkurrenz machen. Doch offizielle Tests prüfen nur die Qualität von neuen Reifen, nicht von halb abgefahrenen. Das findet Reimer bedenklich: „Solange sie neu sind, haben alle Reifen gute Werte.“ Er fragt sich, wie sich die Qualitätsabnahme auswirkt. Andere Gegenstände, die man billig kauft, müsse man schließlich auch häufiger ersetzen, weil sie schneller verschleißen. Reimer nimmt ein Blatt Papier, faltet es zweimal jeweils in der Hälfte. Das Blatt entspricht nun einer Postkarte – der Fläche des Reifens auf der Straße. Bei vier Postkartenflächen, die von Geschwindigkeit und mehr als einer Tonne Gewicht belastet werden, verlässt er sich lieber auf die Premiummarken.

Selbst ist der Autobesitzer?

Über das Internet besorgte Reifen sind selbstverständlich noch nicht montiert. Reimer weiß, dass dies mit Aufwand und körperlicher Belastung verbunden ist. Auch das richtige Werkzeug müsse vorhanden sein. „Früher hat man nach Gutdünken die Schrauben angezogen. Das machen wir heute nicht mehr.“ Daher kann er den selbstständigen Reifenwechsel nur denen empfehlen, die die Fähigkeiten und die Möglichkeiten zu Hause haben. Mit Hebebühne und dem entsprechenden Knowhow gehe das in der Werkstatt deutlich schneller vonstatten. Ab 56 EUR bietet Autohaus Kath alles an: Sie wechseln die Reifen, lagern sie ein und kontrollieren sie auf Beschädigungen. „Dafür haben die Kunden eineinhalb Stunden mehr Freizeit.“

Lokale Loyalität

Wer also nicht selbst Hand anlegen will, muss sich eine Werkstatt suchen, die sich darum kümmert. Von Fremdanbietern gekaufte Reifen werden zwar aufgezogen, aber es bleibt ein schaler Nachgeschmack. „Wir bitten in einem Restaurant ja auch nicht um ein Glas Wasser und haben den eigenen Teebeutel dabei“, sagt Reimer. Mit subventionierten Preisen wollen seine Kollegen und er es attraktiv machen, als loyaler Kunde Reifenwechsel und deren Kauf über ihr Haus laufen zu lassen.
„Ich bin ein Vertreter von „In der Region, für die Region“, erklärt Reimer. Er bedauert, dass so viele Menschen nur auf den Preis schauen und dadurch die lokalen Anbieter ausspielen. Seine Situation vergleicht er mit denen der Bäckereien: Wer seine Brötchen lieber billig bei Discountern kauft, müsse sich nicht wundern, wenn er sonntags gegen die Tür der benachbarten Bäckerei läuft. Dann gäbe es gar keine Brötchen, weil die Discounter sonntags geschlossen haben.

Kleinigkeiten helfen weiter

Bevor der Winter einbricht, müssen weitere Teile am Auto überprüft werden. Selbst übernehmen können die Fahrzeugbesitzer davon das Überprüfen der Flüssigkeitsstände. Die Scheibenwaschanlage sollte mit genügend Frostschutzmittel befüllt sein und der Ölstand sollte stimmen. Darüber hinaus sollte jeder einen Eiskratzer im Auto liegen haben. Hilfreich und schonend für die weichen Oberflächen der modernen Windschutzscheiben seien Scheibenfrei-Sprays. Reimer rät von Türschlossenteisern ab, da sie eher die Schließzylinder verklebten. Damit die Türen nicht an der Dichtung festfrieren, legt er es jedem nahe, die Türgummis zu fetten. Neben den Prüfungen, die man selbst durchführen kann, sollte jeder seinen Wagen einem Wintercheck unterziehen lassen. Diesen könnten nur Werkstätten übernehmen, da sie das nötige Equipment dazu haben. Bei diesem Kurzdurchlauf schauen die Experten auf die wichtigen Funktionen. Dieser zählt beim Autohaus Kath zum Service und ist kostenlos. Ebenso überprüfen sie während ihrer Lichttestwochen im Oktober die Lichtanlage und stellen sie korrekt ein, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Nach etwa zehn Minuten ist es erledigt und wird mit einer Plakette bescheinigt.

Auf Nummer Sicher

Für die Jahre zwischen den Inspektionen empfiehlt Reimer einen umfangreichen Winter- und Sicherheitscheck. Für 15 EUR können sich die Fahrzeugbesitzer sicher sein, dass Stoßdämpfer, Bremsen, und Kühlmittel angemessen funktionieren. Bis wie viel Grad Minus letzteres ausreicht, kann nur durch Spindeln in Erfahrung gebracht werden, wozu ein spezielles Gerät benötigt wird.
Autohaus Kath gibt seinen Kunden nach der Serviceleistung eine Mobilitätsgarantie, nach der sie auf jeden Fall vom Fleck kommen. Ob mit ihrem Wagen oder einem Ersatzwagen oder Zug, auch Abschleppen ist kostenlos, falls trotz des Werkstattbesuches etwas nicht stimmen sollte. Daher wünscht sich Reimer, dass die Kunden diesen Service regelmäßig für sich beanspruchen und auf Nummer Sicher gehen. Wer sparen möchte, sollte es nicht bei den wichtigen Funktionen tun, sondern nach Angeboten und Leistungspakten Ausschau halten.
Mit ein paar Tricks können Fahrzeugbesitzer ihrem PKW Gutes tun. Er sollte von Schnee freigeräumt werden, damit er nicht festfrieren kann. Wichtig sei es außerdem, die Wischblätter vor dem Start zu lösen, weil diese Anlage bei Widerstand leicht kaputtgeht. Und der Fahrer sollte warten, bis sich die Innentemperatur aufgebaut hat, bevor er den Fensterheber betätigt.

Unsicher vorm Blaumann

Reimer versteht, dass einige Autobesitzer Angst haben, von Werkstätten über den Tisch gezogen zu werden. „Es ist eine Vertrauenssache zwischen Kunde und Werkstatt. Diese Beziehung muss wachsen.“ Damit sich die Menschen bei ihnen wohlfühlen, haben sie eine Dialogannahme eingerichtet. Sobald das Auto auf der Bühne hochgefahren wurde, gehen die Serviceberater mit den Kunden unter dem Wagen durch und kontrollieren gemeinsam, wie es um ihn steht. Leckt er mit Öl oder sind die Bremsbeläge abgefahren, sei das auch für ungeübte Augen nachvollziehbar. Gerne zeigten die Profis, wie die Teile im Bestfall aussehen sollten, damit im Vergleich das Problem klar wird. Falls das Gespräch nicht vor der Reparatur stattfinden kann, heben die Mitarbeitenden gerne die ausgebauten Teile auf, damit sich die Kunden im Nachhinein ein Bild machen können.
Text: Lisa Dauth
Fotos: Benjamin Nolte

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