Vor 70 Jahren, am 8. Mai 1945, endete der Zweite Weltkrieg. Millionen von Menschen mussten mit den lebensnotenwendigsten Lebensmitteln versorgt werden. Dazu gaben die alliierten Besatzungsmächte im Mai 1945 neue Lebensmittelkarten (Nährmittelkarten) aus, aufgeteilt in Verbrauchergruppen von 1 bis 5, abhängig von der Schwere der Arbeit, die der Bezugsberechtigte leisten musste, und vom Alter (Erwachsene/Kinder/Säuglinge). Auf den Karten befanden sich Abschnitte für Tages- oder Wochenrationen für Brot, Fleisch, Fett, Zucker, Kartoffeln und Salz. Für Vollmilch gab es gesonderte Karten. Für erwachsene „Normalverbraucher“ betrug die Tagesration 1550 Kilokalorien. Diese wurde ab 1948/49 schrittweise erhöht. Schwerarbeiter erhielten eine Schwerarbeiterzulage, die auf ärztliche Anweisung auch Schwerkranke erhielten. Außer für Lebensmittel wurden auch für andere Konsumgüter wie Heizmaterial, Kleidung, Zigaretten, Alkohol, Benzin und Petroleum Bezugsscheine herausgegeben. Um diese zu erhalten, musste ein besonderer Anlass vorliegen wie zum Beispiel die Geburt eines Kindes oder es musste, außer für Zigaretten, ein Antrag gestellt werden. An den Wochenenden wurden durch öffentlichen Aushang die jeweils käuflichen Waren für die nächste Woche angezeigt. Der tägliche Tagesbedarf für einen Arbeiter betrug 65 Gramm Fleisch, 60 Gramm Nährmittel und 15 Gramm Fett. Die Marken auf den Lebensmittelkarten waren nach einzelnen Lebensmitteln aufgeteilt. Mit Brotmarken konnte nur Brot, aber mit Fleischmarken konnte auch Fisch gekauft werden. Der Schwarzmarkthandel mit Lebensmittelmarken blühte. Gaststätten gaben auf den Speisekarten an, wie viele Marken welcher Art für ein Gericht abzugeben waren. In der Bundesrepublik Deutschland wurden Lebensmittelmarken 1950 in zwei Etappen abgeschafft. Am 22. Januar wurde, mit Ausnahme von Zucker, das Ende der Rationierung mit Wirkung zum 1. März bekannt gegeben. Am 31. März 1950 beschloss das Bundeskabinett unter Konrad Adenauer die Aufhebung aller Einschränkungen zum 1. Mai. Was in der Bevölkerung kaum bekannt ist: Seit 1963 bis heute halten die Kreise und kreisfreien Städte der Bundesrepublik Lebensmittel- und Milchkarten für den Spannungs- und Verteidigungsfall bereit. Sie werden als Verschlusssache an sicheren Orten aufbewahrt und im Bedarfsfall ausgegeben.

Kurt Tomaschewski







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