Ein weitgereistes Nordlicht hat sich, nach vielen beruflich bedingten Stationen im In- und Ausland, und dazu gratulieren wir ihm nachträglich, vor knapp 20 Jahren unser schönes Flensburg als seine zu ihm passende Heimatstadt auserkoren, er hat im aktiven Ruhestand nie die Hände vollständig in den Schoß gelegt, immer „was gemacht“, und sich jetzt, nach kurzer Überlegung und Abwägung des Für und Wider, als Kandidat für ein wichtiges politisches Ehrenamt aufstellen lassen bzw. zur Verfügung gestellt. Von wem die Rede ist? Hannes Fuhrig, 63, CDU-Mitglied und –Ratsherr, Diplompädagoge und pensionierter Berufssoldat, ist der neue Stadtpräsident der Stadt Flensburg, am 14. Juni 2018 von der neuen Ratsversammlung ins Amt gewählt! Doch der Reihe nach: Wer ist eigentlich dieser Hannes Fuhrig?

Der junge Hannes











Geboren im Februar 1955 in Kiel, zog seine Familie alsbald von der Ostsee rüber zur Nordsee, und so wurde St. Peter-Ording zur ersten Heimat von Hannes: Der Ort, an dem er erst seine Kindheit, dann die Jugend verbrachte und 1973 am dortigen Nordseegymnasium sein Abitur baute, den Kurzschuljahrgängen geschuldet als 18jähriger junger Bursche.
Frei nach Loriot „Ein Leben ohne Tennis ist zwar vorstellbar, aber völlig sinnlos!“ kam er bereits in jungen Jahren zum Tennissport: „Das habe ich meinem Vater zu verdanken, der von seinem Hausarzt 1965 den gut gemeinten Rat mit auf den Weg bekam, etwas für seine Gesundheit zu tun, am besten mehr Sport zu treiben. Damals war die Angebotspalette gut überschaubar, in St. Peter-Ording erst recht. Aber die Tennisplätze des erst vier Jahre zuvor gegründeten Clubs waren nicht weit weg.
Und da mein Vater meinte, dass seinem leicht pummeligen Sohn etwas mehr Bewegung auch nicht schaden könnte, waren wir schon bald Mitglieder des TC Blau-Weiß St. Peter-Ording“, kann sich Hannes Fuhrig noch gut an die Anfänge erinnern. Als gerade mal dem Kindesalter entwachsener Spieler durchlief er dort eine harte Schule, denn als 10-jähriger lag er eigentlich noch 2 Jahre unter dem Mindestalter und wurde meist an die Ballwand, den „Käfig“, verbannt, „aber nie wieder in meinem langen Tennisleben habe ich so viel gelernt wie dort!“, ergänzt Hannes Fuhrig zu seinen ersten Schritten im Tennissport. Das machte sich schnell bezahlt: Da die Konkurrenz in dieser Altersgruppe landesweit sehr übersichtlich war, gehörte er schon schnell zu den Besten im Lande, und das intensive Training brachte ihm später im Jugendbereich zahlreiche Einsätze in den Teams des Landesverbandes ein. Neben dem Tennis entdeckte er das Skatspielen für sich, „nebenbei“ kegelte er noch erfolgreich, war schon in der Jugend ein Sportler, der sowohl im Tennis, Skat(!) und Kegeln landesweit erfolgreich war.
In der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre kam man als Schüler nicht an Politik vorbei, die 68er Generation entstand, erstes Aufbegehren gegen die Väter- und Kriegsgeneration, die Bürgerrechtsbewegung in den USA, der Vietnam-Krieg, der Prager Frühling, die noch recht junge Bundesrepublik wurde erwachsen, und mit ihr die erste Nachkriegsgeneration. Diese Entwicklungen waren auch im beschaulichen St. Peter-Ording durchaus spürbar, und so ist Hannes schon als Oberschüler politisch interessiert und engagiert.

Das Berufsleben

Was kommt nach dem Abi? Hannes hatte klare Vorstellungen, wollte gern Lehrer werden. Vorher galt es allerdings, die Wehrpflicht für unser Land zu absolvieren. Die Dauer der Wehrpflicht wurde zwar ab Januar 1973 von 18 auf 15 Monate herabgesetzt, Hannes entschied sich jedoch – wie viele andere – als Zeitsoldat in die Bundeswehr einzutreten. Gesagt, getan: Seine Bewerbung als Offiziersanwärter war erfolgreich, und ab Mitte der 70er Jahre bot die Bundeswehr eigene Studiengänge an, so dass er sich entschloss, bei der Truppe zu bleiben und dort zu studieren, an der Universität der Bw in Hamburg nahm er 1976 das Studium der Pädagogik auf, mit dem Abschluss als Diplompädagoge im Jahre 1979. Für junge Lehrer waren seinerzeit die Berufsaussichten alles andere als rosig, Hannes entschied sich daher für eine Karriere als Berufsoffizier, zumal er bereits verheiratet war und Nachwuchs unterwegs war. Drei Töchter kamen in regelmäßigen Abständen zur Welt: 1980, 1982 und 1984 war es jeweils soweit. Im Jahre 1982 wurde er in das Dienstverhältnis eines Berufsoffiziers der Luftwaffe übernommen, legte die Laufbahnprüfung zum Stabsoffizier im Jahre 1984 ab, und so stand einem typischen Soldatenleben nichts mehr im Wege: Vielfältige Verwendungen, zahlreiche Umzüge, die Familie (fast) immer mit dabei: Von 1987 bis 1990 eine Auslandsverwendung als Fachlehrer an der Raketenschule der Lw in Texas, USA, von 1990 bis 1995 in Niedersachsen, wohnhaft in Elsfleth, von 1995 bis 1997 als persönlicher Referent eines hohen NATO-Offiziers im NATO-Hauptquartier in Brüssel, Belgien, im Anschluss wechselte er ins Verteidigungsministerium, damals noch in Bonn, wo er als Referent tätig war. Den Umzug nach Bonn machte die Familie aus schulischen Gründen nicht mit; so pendelte er in jener Zeit regelmäßig von Bonn nach Brüssel.
An allen Standorten hat er – wenn es zeitlich möglich war, durchs Tennisspielen die nötigen sozialen Kontakte außerhalb der Bundeswehr knüpfen können, an einigen Standorten sogar ehrenamtlich gewirkt, so war er z. B. von 1992 bis 1995 Jugendwart der Tennisabteilung des VfB Oldenburg.
Nach der Verwendung im Ministerium in Bonn ging es für die Fuhrigs zurück in den Norden, die Familie suchte sich ihr neues Zuhause in der Region Flensburg, und zog nach Harrislee. Von Harrislee aus war der neue Dienstort Stadum gut zu erreichen, Hannes Fuhrig wurde von 2001 bis 2003 Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 11 in Stadum, zugleich Standortältester in Leck. Dort war nicht nur sein spezielles und erhebliches Fachwissen um die Luftverteidigung gefragt, auch auf diplomatischem und gesellschaftlichem Parkett musste und wusste er sich als Kommandeur und Standortältester zu bewegen. Natürlich, wen wundert‘s, spielte er auch alsbald wieder Tennis: Im Flensburger TC, in dem er dann von 2001 bis 2009 als Sportwart fungierte.
Im August 2002 zog die Familie Fuhrig in die Stadt Flensburg um – endgültig. Wie eingangs erwähnt, hat sich so der Kreis für Hannes Fuhrig geschlossen; ein Ende des Berufsweges bei der Bundeswehr war bereits absehbar: Seine letzte Verwendung führte ihn an die Führungsakademie der Bw nach Hamburg, als Dozent für Luftwaffenlehre. Am 30. April 2005 wurde er in den Ruhestand versetzt, war und ist jetzt Oberstleutnant a. D.

„Die politische Karriere“ oder Das Leben nach dem Berufsleben

Wie er zur Politik kam? Interessiert war er schon immer, bei der Bundeswehr als Staatsbürger in Uniform als politisch geschulter Mensch aktiv, es wurde auch in der Freizeit mit Freunden über Politik diskutiert und geredet, und so wurde er eines Tages von einem guten Freund gefragt, ob er sich vorstellen könnte, in Teilzeit den vakanten Posten des Kreisgeschäftsführers der CDU in Nordfriesland zu übernehmen – die typische Anbahnung, wie man eben Ehrenamtler akquiriert.
Das konnte sich Hannes Fuhrig gut vorstellen, zumal er gerade in den Ruhestand getreten war, und ihn die zwischenzeitliche Beschäftigung als Vollzeit-Tennistrainer nicht so recht ausfüllte. So wurde er Kreisgeschäftsführer der CDU Nordfriesland, packte den „Job“ – einen 450-Euro-Job – in von der Bw gewohnter Manier an, und hatte diesen Posten bis 2012 inne, leitete nebenbei noch das Wahlkampfbüro für den damaligen MdB Ingbert Liebing. Dann wurde der Posten eine Ganztagsstelle, die deshalb anderweitig besetzt worden ist.
Sein erfolgreiches Wirken blieb in der Partei nicht unbemerkt, nach dem Ausscheiden in Nordfriesland wurde er in Flensburg 2013 Leiter des Wahlkampfbüros für die hiesigen MdB Wolfgang Börnsen, Sabine Sütterlin-Waack, Thomas Jepsen und Petra Nicolaisen, im August 2014 dann auch wieder Kreisgeschäftsführer, diesmal im CDU-Kreisverband Flensburg.
Diesen Posten gibt er nun ab, um sich ganz auf sein Amt als Stadtpräsident konzentrieren zu können. „Nebenbei“ war er zudem als freier Redakteur einige Jahre lang für die MoinMoin tätig, und als lizensierter Tennistrainer (seit 1987) steht er nach wie vor mit Hingabe das eine oder andere Stündchen auf dem Tennisplatz.
Seit 2013 ist Hannes Fuhrig stellvertretendes bürgerschaftliches Mitglied im Ausschuss Bürgerservice, Schutz und Ordnung, er hat bei den wöchentlich stattfindenden Treffen und Sitzungen der CDU-Ratsmitglieder und bürgerschaftlichen Mitglieder der Ratsversammlung bereits guten Einblick in die hiesige Politik und ihre Besonderheiten erhalten; als man an ihn herantrat mit der Frage, ob er es sich vorstellen könne, Stadtpräsident zu werden, hat er sich dann nach einigen Tagen Bedenkzeit und Abstimmung mit seiner Ehefrau für ein „Ja!“ entschieden, und freut sich nun auf das herausfordernde höchste repräsentative Ehrenamt, das die Stadt Flensburg zu vergeben hat.

Hannes Fuhrig privat

Jetzt ist Hannes Fuhrig gewählter Stadtpräsident in Flensburg, wird die umfassenden Tätigkeiten und Verpflichtungen, die dieser Posten mit sich bringt, nach seinem Motto „Packen wir es an“ gewissenhaft und gut strukturiert angehen. Einen gewissen Freiraum wird er sich dennoch herausnehmen, das bereits mehrfach erwähnte Tennis wird nicht zu kurz kommen, seine gelegentlichen Skatabende beim Polizei SV in Flensburg ebenso wenig – dort spielt er übrigens auch gern Boule, und seine drei Töchter und mittlerweile auch drei Enkelkinder werden ihn nach wie vor regelmäßig zu Gesicht bekommen, wenngleich sie „über die Welt verstreut“ leben, die Älteste in San Antonio in den USA, die Mittlere, Lehrerin in Niebüll, ein Sohn und eine Tochter, in Flensburg und die Jüngste, Oberstabsärztin, eine Tochter, im Münsterland. Seit 2012 ist er in zweiter Ehe verheiratet, ehrenamtlich ist er im Sport lange Jahre tätig gewesen, übrigens auch als Schul- und Kreiselternratsvorsitzender, als Hobbies benennt er – neben dem Sport im Allgemeinen und Tennis im Besonderen – das Reisen: Sein diesjähriger Urlaub wird ihn zum Nordkap führen.

Stadtpräsident Fuhrig

Wie will er an das Amt herangehen? Nun, seine Vorgängerin hat das Amt in vorbildlicher Weise ausgeübt, somit ist in vielen Bereichen eine Fortführung in bewährter Weise für Hannes Fuhrig durchaus angebracht.
Aber er will natürlich auch eigene Schwerpunkte setzen: Zum einen bekümmert ihn die in den letzten Jahren immer geringer werdende Wahlbeteiligung wie zuletzt auch bei den Wahlen für die kommunalen Gremien und Vertretungen. So lag die Wahlbeteiligung etwa bei der jüngsten Kommunalwahl nur noch knapp über einem Drittel. Um das Rad wieder in eine positive Richtung zu lenken, soll unter Leitung seines Ersten Stellvertretenden Stadtpräsidenten Clemens Schmidt eine interfraktionelle, parteiübergreifende AG (Arbeitsgruppe) Lösungsansätze erarbeiten, die durch die Politik umsetzbar sind. Eng verbunden mit dieser Thematik sind die Begriffe „Bürgernähe“ und „Bürgerbeteiligung“.
Auch hier soll eine zweite interfraktionelle AG unter Leitung der Zweiten Stellvertretenden Stadtpräsidenten Inge Krämer innerhalb Jahresfrist neue Ideen und kreative Konzepte entwickeln.
Zum anderen hat sich der neue Stadtpräsident die allgemeine Förderung des Ehrenamts und des gesellschaftlichen Engagements vorgenommen. Insgesamt möchte er ehrenamtliche Tätigkeiten mehr unterstützen, er weiß nur zu gut, dass es in vielen Bereichen des Ehrenamts problematisch ist, Nachwuchs zu gewinnen.
Sein Ziel ist es, das Ehrenamt für die Bürger attraktiver zu gestalten und diese Arbeit mehr in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Eines weiß Hannes Fuhrig jedenfalls ganz genau:
Es wartet eine Menge Arbeit auf ihn, es gibt viel zu tun – womit wir wieder bei seinem Motto wären: „Packen wir es an!“
Für Ratschläge, Anregungen und auch Kritik von Flensburger Bürgen ist er jederzeit ansprechbar; da er oft schwer erreichbar ist und zu vielen Terminen unterwegs ist, empfiehlt es sich, ihm eine Mail zu schreiben an stadtpraesident@flensburg.de.
Das Flensburg Journal bedankt sich bei Hannes Fuhrig für das angenehme Gespräch, und wünscht ihm für die Tätigkeit als Stadtpräsident alles Gute!!

Text: Peter Feuerschütz
Fotos: Benjamin Nolte, privat

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