Skolehavn Standpunkt Nordertor_16-11-2015
„Skolehaven“ an der Gartenstraße/Ecke Duburger Straße ist eines der jüngsten Neubauprojekte in Flensburg

Flensburg wächst. Die Stadt hat sich zum Magnet für junge Familien entwickelt. Rentner und Pensionäre entdecken die Vorzüge des urbanen Lebens für sich. Die Hochschulen ziehen junge, später gut ausgebildete Menschen an die Förde. Die Industrie hat einen zurzeit nicht gedeckten Bedarf an Auszubildenden und Fachkräften.
Bis 2020, so die Prognose, sollen, oder sagen wir besser sollten 4.780 Wohnungen realisiert werden. Flensburg muss die Herausforderung annehmen. Die Stadt steht nicht zuletzt als Gewerbestandort in hartem Wettbewerb nicht nur mit norddeutschen Städten, sondern auch mit Kommunen nördlich der Grenze. Wer schnell Gutes anbieten kann, gewinnt.
Politik und Verwaltung stehen vor großen Aufgaben. Die Ratsversammlung hat in ihrer Sitzung am 25. April 2013 eine Fortschreibung der im Jahr 2009 beschlossenen Grundsätze und Leitlinien für die Steuerung des Wohnens in Flensburg beschlossen. Nun war und ist es an der Verwaltung, die politischen Vorgaben umzusetzen.
Mit dem Ziel, die Planungen unterschiedlicher Bereiche in der Verwaltung zukunftsorientiert zu koordinieren, hat der Verwaltungschef, Oberbürgermeister Simon Faber, ein ‚Superressort‘ eingerichtet, den Fachbereich Entwicklung und Innovation. Hier fließen wichtige Zuständigkeiten der Stadtentwicklung zusammen, Interkommunale Zusammenarbeit, Wirtschaft, Tourismus, Stadtmarketing, Klimapakt, Denkmalschutz, Stadtsanierung mit den Bereichen Stadt- und Landschaftsplanung sowie Stadtentwicklung und Umweltplanung, damit, so die Vorgabe, Projekte nicht nur besser abgestimmt, sondern auch schneller umgesetzt werden können. Das war auch die Hoffnung von Bauinvestoren, die auf die Zukunft der Stadt setzen und Millionen in den Wohnungsbau investieren wollen.
Sie griffen zu Reißbrett und Zeichenstift und sicherten die Finanzierung. Man setzte sich mit der Verwaltung an einen Tisch und erzielte Einigungen über mehrere Vorhaben.

Zeit, Geld und Nerven











Bis dahin, so Dietmar Jonscher, Vorstandsmitglied der GEWOBA, einer der größten genossenschaftlichen Bauträger in Schleswig-Holstein, lief alles gut. Die Planungen waren abgeschlossen, Verträge unterzeichnet. Salopp gesagt, „die Maurer hatten den Zement angerührt“. Doch dann wurden die Unternehmen ausgebremst. Weitere Verwaltungsvertreter tauchten auf, hatten Einwände, verlangten weitere Untersuchungen oder „kamen nicht zu Potte“.
Beispiel „Skolehaven“ an der Gartenstraße/Ecke Duburger Straße. Für 16 Millionen Euro will die GEWOBA dort 96 Wohnungen schaffen. Die Grundstücke sind gekauft, die Planung abgeschlossen. Was noch fehlt, ist die Baugenehmigung der Stadt. Ein weiteres Vorhaben ist der „Hansigarten“ in Mürwik, 21 Wohnungen für 3,5 Mio. Euro oder die Bebauung im Bereich „Freiland“, zwischen Bahngelände und Campus.
„Für die Investoren ist das mehr als nur eine ärgerliche Zeitverzögerung. Für sie tickt die Uhr. Sie müssen zwischenfinanzieren, sich mit ihren Zulieferern und Dienstleistern neu abstimmen. Möglicherweise treten inzwischen neue Regelungen in Kraft, die eine Umplanung erfordern.“
„Warum müssen wir 8 Monate warten, bis wir nach einer vollständigen Einigung mit der Verwaltung mit dem Bau beginnen können“, so ein Branchenvertreter. „Mein Eindruck, die reden nicht miteinander.“
Bei einem der Bauprojekte, so wurde bekannt, tauchten zwei Tage vor Baubeginn Bodenarchäologen auf und verzögerten die Arbeiten.
Anfang November war bereits das Flensburg-Schleswiger Genossenschaftskonsortium aus Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB), Selbsthilfe-Bauverein(SBV Flensburg) und GEWOBA-Nord (Schleswig) aus dem Flüchtlingsdorfprojekt am Campus ausgestiegen, nicht zuletzt weil den Investoren das Ausschreibungsverfahren zu lange dauerte. Inzwischen ist das Vorhaben auch von der Landesregierung beerdigt worden.
Die Frage, die sich den Unternehmen stellt ist: Fehlt es an der nötigen Koordination innerhalb der Verwaltung? Fehlt es an einer klaren Führung? Die Forderung: Viele dieser Stolpersteine müssten durch bessere Abstimmung innerhalb der Verwaltung ausgeräumt werden.
„Wohnungsbau muss zur Chefsache gemacht werden!“, fordert einer der Investoren. Seine Meinung: „Wenn ein solcher Bedarf besteht, wie er in Flensburg unstrittig ist, müssen jetzt die Weichen gestellt und große Schritte gemacht werden.“
Die Kritik ist keine Einzelmeinung. Die Unternehmen, die Millionen in den Wohnungsbau investieren, sind genervt, bis hin zur kaum versteckten Drohung, sich in Zukunft in anderen norddeutschen Städten zu engagieren.
Wenn auch in der aktuellen Planungsphase nicht realistisch, steht doch auch eine Aussage im Raum. „Alle geschlossenen Verträge werden erst wirksam, wenn von der städtischen Verwaltung die Baugenehmigung erteilt wird.“
Auf Deutsch: Der Investor hat bis zuletzt die Möglichkeit, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Das wäre für die Stadt und deren Ansehen eine Katastrophe.

Bericht: Dieter Wilhelmy,
Fotos: GEWOBA Nord eG

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