2014Von der Flensburger Öffentlichkeit völlig unbeobachtet, gibt es im Oktober 2014 in unserer Stadt einen großen Geburtstag zu feiern. Das auf dem Bahndamm zwischen dem Hafen und dem Wilhelminental liegende Gleis der Eisenbahn wird am 4. Oktober 2014 genau 160 Jahre alt; damit ist dies die älteste Gleisanlage, die in Deutschland noch weitgehend auf ihrer ursprünglichen Trasse erhalten ist.
Die Älteste in Deutschland, man sollte meinen, dass dies Grund genug für ein großes Fest ist, nichts dergleichen, was hätten andere Städte mit so einem Datum mit überregionaler Wirkung für ihre Stadt auf die Beine gestellt?

Im thüringschen Meiningen wurde das Dampflokwerk der Deutschen Bahn am 14. März diesen Jahres 100 Jahre alt. Vorträge, Veranstaltungen, Reden des Meininger Bürgermeisters, Besuch der Ministerpräsidentin, Aufwartung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Fernsehen, die örtliche Presse, dies alles mit großer Resonanz in der Öffentlichkeit. Warum der Aufwand? Von den ehemals 3.000 Mitarbeitern des Werkes sind heute doch nur noch 125 übrig geblieben? Man feierte dort, weil das Werk einst die Stadt geprägt hat, und entscheidend für die Entwicklung der ganzen Region war.







Vor ziemlich genau einem Jahr, am 13. September 2013, feierte Rendsburg den einhundertsten Geburtstag der dortigen Eisenbahnhochbrücke in Anwesenheit von mehr als zweihundert Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung mit einem ganzen Bündel von Veranstaltungen, dies sorgte auch überregional für Beachtung.

Und hier in Flensburg, hat die Eröffnung der Eisenbahnlinie bis nach Tönning nicht auch der ganzen Region entscheidende Impulse gegeben? Der Dänische König Frederik VII. beehrte mit seinem Hofstaat drei Wochen nach der Eröffnung diese südschleswigsche Eisenbahn durch eine Mitfahrt bis nach Tönning und zurück. Dies alles scheint im hohen Norden gänzlich an den Entscheidungsträgern vorbeizuziehen, was alles hätte man aus diesem Datum machen können?

Ein Bahndammfest mit historischen Fahrzeugen, Nürnberg hätte vielleicht den legendären Adler entsendet, Dannebrog, Schwarz-Rot-Gold und Union Jack nebeneinander, immerhin hatte der Engländer Samuel Morton Peto erheblichen Anteil an der Gestaltung der Bahn, und die ersten Lokomotiven kamen auch aus dem Mutterland der Eisenbahn.

Vielleicht eine Sonderbriefmarke, „Deutschlands älteste Eisenbahn­trasse“, motivgleiche Ausgabe auch im Königreich Dänemark, es war zur Eröffnung auch die erste Eisenbahn, die unter dänischer Verwaltung im nördlichen Landesteil eröffnet wurde.

Nichts dergleichen. In den Auflistungen der bemerkenswerten Zeugen der Vergangenheit am kürzlich abgehaltenen Tag des offenen Denkmals ist unser Bahndamm noch nicht einmal eine Erwähnung wert. Vielleicht ist diese Missachtung auch seinem Verfall geschuldet. Dass man dem Publikum so ein verbrettertes Baudenkmal nicht präsentieren kann, liegt auf der Hand. Dass es nach meinem Kenntnisstand aber auch keine Bestrebungen gegeben hat, diesen ältesten deutschen Bahndamm in das Denkmalbuch von Schleswig-Holstein aufnehmen zu lassen lässt mich befürchten, dass in irgendwelchen Schubladen schon andere Verwendungsmöglichkeiten dieser Trasse geplant sind, da stört natürlich so ein denkmalgeschütztes Bauwerk nicht unerheblich. Natürlich sind solche Gedanken frei aus der Luft gegriffen, aber möglich wäre es doch, oder?

Hans-E. Henningsen

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