Mobil in meiner Stadt FlensburgHäufig genug habe ich früher schon Menschen – meistens waren es ältere – bewundert, wie geschickt sie mit ihren Rollatoren zurechtkamen. Beim Einkaufen oder auch einfach beim Spazierengehen sind ihre mobilen Gehhilfen ihnen Stütze und sogar mal Ausruhmöglichkeiten. „Praktisch“, habe ich gedacht, dass sie sogar ihre eigene Sitzgelegenheit mit sich führen.
Niemals allerdings habe ich damals daran gedacht, dass mir selbst mal ein solches Gefährt zu Nutze kommen würde! Aber plötzlich war’s passiert: Ohne jegliche Vorwarnung überfiel mich – peng! – ein Schlaganfall! Das war nicht allein für meine Familie ein „Schlag ins Kontor“, sondern besonders für mich selbst. Auch wenn ich – ein halbes Jahr nach der Attacke – sagen muss, ich habe noch einmal Glück gehabt. Nur meine linke Körperhälfte ist betroffen, ich kann lesen und schreiben, soweit mir noch nichts Gegenteiliges nachgesagt wird auch denken. Aber meine Füße, auch Knie, wollen häufig nicht mehr so, wie sie sollen. Plötzlich bin ich Aspirant für Gehhilfe, für Krückstock und Rollator. Und damit umzugehen muss gelernt werden. Den Anfang brachten mir schon im Krankenhaus Physiotherapeuten bei, mit denen ich zwecks Übung die langen Flure entlang lief, anschließend hieß es für drei Wochen in der Tagesklinik im Franziskus täglich Sport. Auch an Geräten, die Muskeln sollten gekräftigt werden. Und das gelang für mein Dafürhalten sehr gut. Im Übrigen habe ich keinen meiner „Kollegen“ getroffen, dem das Training nicht außerordentlich gut bekommen wäre. Erstmalig wieder „richtig“ zuhause wartete schon der Rollator auf meinen Einsatz. Mit ihm wollte ich erneut die Stadt erobern, so, wie eine „Kollegin“ in der Tagesklinik erzählte, sie führe täglich in die Stadt. Mit dem Bus und ihrem Rollator. Da gäbe es kein Problem, und „die Mitfahrer“ hülfen gern.
Klar, das wollte ich auch – Kaffee trinken am Südermarkt und dabei Leute begucken. Doch nahm ich erst einmal meinen Stock zu Hilfe. Den kann ich besser bändigen. Das Unternehmen gelang besser als ich dachte, ich nahm mir für die Zukunft viel vor. Dann aber bekam ich eine Einladung vom Pflegestützpunkt in der Stadt Flensburg: Die Verkehrswacht e. V. bot im Rahmen der „Flensburg aktiv“ einen „Tag der Sicherheit im ÖPNV“ für Senioren zu Sicherheitsaspekten rund um den Bus. Diesmal, im Stadtteiltreff an der Mathildenstraße ging es darum, Senioren das Besteigen eines Busses per Rollator bzw. eines Rollstuhls nahezubringen. Während an diesem Tag ein Bus ausreichte, waren bei der nachfolgenden gleichen Veranstaltung sogar drei Busse vor Ort. Da übten auch Mütter mit Kinderwagen das Auf- und Absteigen am Bus. Bei Kaffee und Kuchen informierte Reha-Fachberater/Orthopädiemechaniker Claus-Günter Frankenberg vom Sanitätshaus Schütt & Jahn rund 20 Senioren darüber, was sie beim Ein- und Aussteigen mit ihrem Rollator grundsätzlich beachten müssen: Am besten den Mitteleinstieg wählen, der bietet mehr Platz und bei Bedarf kann eine Rampe umgeklappt werden. Die Mitfahrer, so Frankenberg, helfen gern. „Sie sollten sich nicht scheuen, sie um Hilfe zu bitten!“ Im Bus angekommen, solle man sich sofort einen Sitzplatz schaffen, daneben den Rollator platzieren und die Bremsen sichern. „Niemals den Rollator als Sitzgelegenheit nutzen, das sei viel zu unsicher und führt leicht zu Unfällen.“ Auf diese Weise gut vorbereitet, ging die Schar der Gäste an das praktische Training an die Mathildenstraße. Dort warteten schon Bus und Fahrer auf das Einsteigen der „Rolli-Fahrer.“ Und nebenbei gab’s noch viele weitere Tipps. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Busfahrer beim Ein- oder Aussteigen nicht helfen darf? Er darf seinen Platz auf „Deubel komm raus“ nicht verlassen!

Hedda Maue
„Mittendrin 50+“











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