Kein Lichtermarkt, kein dunkelhäutiges Mädchen auf dem Plakat wie in Elmshorn. Flensburg, ganz bodenständig, traditionell, keine Experimente. Veränderungen sind in der Vergangenheit auf wenig Gegenliebe gestoßen, auch nicht der mehrfache Wechsel der Veranstalter.
Dieses Jahr ist es die TAFF, die Tourismus Agentur Flensburger Förde, die ein eigenes Team unter Leitung von Friederike Schmidt abgestellt hat, um die Jahresendfeier zu organisieren. Für sie ist der Flensburger Weihnachtsmarkt ein Ganzjahresthema. Die Vorbereitungen für 2018 starteten schon vor wenigen Tagen auf dem Weihnachtsmarkt 2017. Das Event ist nicht nur für die Flensburger ein Quotenbringer, sondern strahlt weit über die Grenze hinaus, Dänemark an erster Stelle. Die Marktbeschicker stecken schon früh ihre Claims ab, im Kampf um die „Pole Position“ für das nächste Rennen 2018. 2017 stand der Weihnachtsmarkt unter keinem guten Stern. Es gab Streit um die Auslagerung des Wochenmarktes. Der ist zwar formal entschieden, aber so recht glücklich ist niemand mit dem hektischen Verfahren. Friederike Schmidt wünscht sich einen frühzeitigen Einstieg in die Planung für 2018, damit sich möglichst alle hinter das neue Konzept stellen können. Wochen- und Weihnachtsmarktgetümmel gleichzeitig auf dem Südermarkt konnten und durften so nicht weitergeführt werden. Dagegen sprachen schon Sicherheitsbedenken.

Ein Jahr Planung für vier
Wochen Weihnachtsmarkt











Wie aufwändig und intensiv die Vorbereitungen sind, erläutert Friederike Schmidt im Gespräch mit dem Flensburg Journal.
Schon jetzt im Januar erhalten interessierte Marktbeschicker ein Bewerbungsformular. Die ersten Interessierten warten dieses Verfahren gar nicht erst ab, sondern haben schon jetzt den Finger gehoben. Durch den Auswahlfilter jedoch müssen alle: Einfach einen Standplatz buchen, geht nicht. Die TAFF-Mitarbeiter behalten sich vor, die Atmosphäre des Marktes und die Angebotsvielfalt zu sichern. In der Vergangenheit wurde der Markt nicht selten als Sauf- und Fressmeile verspottet. Dem soll mit den Auswahlkriterien bei der Vergabe der Standplätze entgegengewirkt werden. Mit einem Punktesystem soll das Angebot gefiltert werden. Mit Warengebot, Standoptik, Kunden- und Zielgruppenorientierung, besonderem Engagement und auch der Qualität der Bewerbungsunterlagen können die Bewerber maximal 100 Punkte erreichen. Im Detail werden Produktqualität, Einzigartigkeit und Eigenproduktion bewertet, ebenso wie Dekoration, Beleuchtung bis hin zur ansprechenden Bekleidung des Personals. Attraktive Präsentation gibt ebenfalls Pluspunkte, wie auch Kostprobenangebote, Kinderfreundlichkeit und Servicequalität, Engagement für Behinderte, ökologische Produkte und Regionalität sind weitere Meriten.
Die Latte hängt demnach hoch. Das kann sich die Stadt auch leisten, denn die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot an Stellplätzen. Damit das einheitliche Marktbild gewährleistet wird, müssen die Marktbeschicker die Buden mieten. Zusammen mit den Standmieten und den Kosten für Wasser und Strom kommen da erhebliche Beträge zusammen. Das scheint kleinere, weniger kommerzielle Beschicker zu benachteiligen. Doch da haben die Veranstalter vorgesorgt. So können Anbieter von selbstproduziertem Handwerk den Stellplatz zum Nulltarif buchen. Ganz umsonst wird es allerdings auch für die nicht, denn die Anmietung einer Verkaufshütte ist Pflicht und schlägt mit mindestens 25 Euro pro Tage zu Buche.
Richtig teuer wird es für die Top-Lagen auf dem Südermarkt. Wer dort ein „Vollsortiment“ von Speisen und Getränken anbietet, muss 5.350 Euro auf den Tisch legen zusätzlich zur Hüttenmiete und den sonstigen Kosten. Billiger wird es auf der Großen Straße und dem Nordermarkt. Dort zahlen die Beschicker für ein vergleichbares Angebot „nur“ 3.600 Euro.

Angebot und Nachfrage

Damit ein ausgewogenes, nicht nur gewinnorientiertes Sortiment entsteht, geht Friederike Schmidt auch proaktiv auf mögliche Unternehmen zu und wirbt für die Teilnahme am Flensburger Weihnachtsmarkt. Und sie schaut auch dem Volk „aufs Maul“. Das darf man wörtlich nehmen. Denn nicht nur was die Besucher sagen, sondern auch was sie gern verzehren möchten, geht in die Planung ein. Dabei klaffen geäußerte Wünsche und tatsächliches Konsumverhalten zuweilen auseinander. „Warum nicht mehr Fischangebote?“, fragten in den vergangenen Jahren viele Besucher. Doch als das Fischangebot dann da war, wurde es kaum angenommen. Ähnlich ist es mit Kunsthandwerk. „Schauen ja, kaufen nein!“ Bei den Kosten für die Stände ist absehbar, dass Schauen und Schönfinden nicht ausreichen. Es muss auch gekauft werden. In der Praxis hat sich ein Verhältnis von 40% Gastronomie (Essen und Trinken), 35% Getränke (Punsch & Co.) und 22% Kunsthandwerk eingependelt. Die Verantwortlichen wünschen sich mehr Kunsthandwerk. Diese Gewerbe allerdings zieht es zu den speziellen Weihnachtsmärkten wie etwa in Wanderup. Dort und auch an anderen Plätzen steht das Angebot von Kunsthandwerk im Mittelpunkt und findet eher Käufer als auf den Märkten in den Städten.

Gemischte Aussichten

Wie viele Besucher nun tatsächlich den Flensburger Weihnachtsmarkt besuchen, bleibt ein Geheimnis, ebenso die Umsätze, die dort erwirtschaftet werden. Nicht, weil man sie nicht offenbaren will, sondern weil man sie nicht kennt. Es gibt keine verlässlichen Besucherzählungen, bestenfalls Schätzungen. Die liegen im Jahr 2016 bei maximal 28.000 Gästen pro Tag. Belastbar jedoch sind diese Zahlen nicht. Was allerdings dem Beobachter ins Auge fällt, besser gesagt ins Ohr geht, ist die große Zahl dänischer Besucher, inzwischen ergänzt durch Norweger und Schweden. Trotz des unangefochtenen Marktführers Lübeck konnte Flensburg dank der Nähe zum dänischen Nachbarn seine Position ausbauen. Die Kombination von Shoppen und Punschen scheint für unsere nordischen Nachbarn immer wieder attraktiv zu sein.
Als Ziel für weihnachtliche Städte-
reisen, in Lübeck ein Renner, fehlt es in Flensburg trotz der neuen Hotelangebote weiterhin an Übernachtungskapazitäten. Damit ist Flensburg vor allem ein Ziel für Tagesausflüge. Expansionsmöglichkeiten sind begrenzt. So bleibt für Friederike Schmidt und ihre derzeitige Mitarbeiterin Kerrin Matthiesen der Wunsch nach Optimierung des Bestehenden. Vor allem wollen sie frühzeitig planen können. „Bis Mai“, so sagt Friederike Schmidt, „sollten wir mit den Buchungen im Wesentlichen durch sein.“ Ein Appell geht aber auch an die Stadtverwaltung. Frühzeitiger als im vergangenen Jahr, so wünscht sie sich, müssen Weihnachts- und Wochenmarkt, eventuell auch andere Veranstaltungen, abgestimmt werden. Die Hektik des vergangenen Jahres möchte sie so nicht mehr erleben.

Text: Dieter Wilhelmy,
Fotos: Benjamin Nolte

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