„Der akute Platzmangel auf dem Gelände der Berufsfeuerwehr am Munketoft stellt uns mittlerweile vor große Probleme“, fasst Flensburgs Feuerwehrchef Carsten Herzog die derzeitige Situation zusammen, „die Wache platzt buchstäblich aus allen Nähten!“ Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück in die Vergangenheit, 1954 wurde die Feuerwache mit ihrem zentralen Standort am Munketoft in Betrieb genommen. Die Flensburger Berufsfeuerwehr erhielt damals eine der fortschrittlichsten Feuerwachen mit einer innovativen und modernen Ausstattung. Herzstück der Feuerwache war damals die Fahrzeughalle für Löschzug und Rettungswagen, die von beiden Seiten befahrbar ist. Fast 62 Jahre später steht der Großteil des 1954 errichteten Komplexes noch immer unverändert, im Laufe der Jahre sind Erweiterungen in Form von Fahrzeughallen und einem Verwaltungskomplex hinzugekommen. Die Anzahl der Einsätze im Rettungsdienst stieg ebenso wie die Anzahl der Einsätze für den Löschzug der Feuerwehr. Konnte man in den 50er Jahren die Brandbekämpfung in der Stadt und den Rettungsdienst mit 54 Mitarbeitern und 16 Fahrzeugen sicherstellen, so sind es heute rund 115 Mitarbeiter mit 38 Fahrzeugen und Abrollbehältern. Ein Blick in die Zukunft und die Prognosen zukünftiger Einsatzzahlen machen deutlich, dass sich diese Zahl weiter steigern wird. Während die Kameraden der Flensburger Berufsfeuerwehr 1954 lediglich 238 Einsätze gefahren sind, so stehen in der Bilanz von 2014 stolze 1.106 Einsätze. Wirft man einen Blick auf die Statistik des Rettungsdienstes, so zieht es einem fast die Schuhe aus. Waren es Mitte der 50er Jahre 4.900 Einsätze, so waren es 2014 bereits 28.500, Tendenz weiter steigend. „Personalstand und Fuhrpark haben sich im Laufe der Jahrzehnte jeweils mehr als verdoppelt“, so Carsten Herzog. Als Gründe für die enorm gestiegenen Einsatzzahlen im Rettungsdienst sieht Herzog nicht nur den demografischen Wandel: „Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich, dass wir heute in ganz anderen Dimensionen denken müssen. Die Zunahme der Bevölkerung in Flensburg, der medizinische Fortschritt (Menschen leben auch mit schweren Krankheiten deutlich länger), der demografische Wandel, Veränderungen in den Strukturen der Krankenversicherungen, mehr ambulante Behandlungen und auch eine geringere „Hilfsschwelle“ (der Rettungsdienst wird heute schneller gerufen, als früher) sind im Wesentlichen für die Steigerung der Einsätze verantwortlich.“ Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel ist davon auszugehen, dass die 28.500 Einsätze im Rettungsdienst aus dem Jahr 2014 in den kommenden Jahren jeweils noch übertroffen werden. „Es gibt Prognosen, die davon ausgehen, dass es bis 2025 nochmals einen Anstieg von bis zu 25% geben wird“, erläutert Herzog. Die Anforderungen an die Flensburger Berufsfeuerwehr sind in den vergangenen 60 Jahren somit enorm gestiegen. Auf mehr Einsätze und mehr Personal folgt auch ein gestiegener Bedarf an Einsatzfahrzeugen. Doch nicht nur die Anzahl der benötigten Einsatzmittel ist gestiegen, auch deren Maße haben sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark verändert. „Wir kaufen Fahrzeuge von der Stange, es handelt sich um handelsübliche LKW-Fahrgestelle, die dann von speziellen Firmen Feuerwehraufbauten erhalten“, erklärt Herzog. Feuerwehrfahrzeuge, wie auch Rettungswagen sind höher, breiter, länger und schwerer geworden. Die Stellplätze hingegen haben sich, was ihre Maße angeht in den vergangenen Jahren nicht verändert und auch die Anzahl der verfügbaren Stellflächen reicht schon lange nicht mehr für den gestiegenen Bedarf aus. „Während ein Patient früher möglichst schnell in ein Krankenhaus transportiert wurde, erfolgt heute eine umfangreiche und qualifizierte Behandlung vor Ort an der Einsatzstelle“, berichtet Herzog, „unsere Rettungswagen sind heute rollende Intensivstationen und von der Größe her mittlerweile kleine LKW.“ In der Alarmhalle, der großen Fahrzeughalle mit sechs Toren zur Straße hin, stehen die Rettungswagen aus Platzgründen mittlerweile in zwei Reihen. Drei Fahrzeuge können direkt zur Straße hinausfahren, drei weitere fahren zur Hofseite aus der Halle und gelangen erst auf diesem Weg vom Gelände. Aber auch diese sechs Plätze für Rettungswagen reichen bei weitem nicht aus. Zehn Rettungswagen stehen für Rettungseinsätze und Krankentransporte zur Verfügung, vier davon müssen außerhalb der Dienstzeiten aus Platzgründen in anderen, nicht dafür vorgesehenen Hallen, wie der Werkstatt, untergebracht werden. Eine kleine aber aufgrund des weiter steigenden Bedarfs nicht lang anhaltende Entlastung hat die Inbetriebnahme der neuen Rettungswache West im Mai 2015 gebracht. Ende Mai wurde der neue Standort im Quakenweg in Betrieb genommen. Seitdem stehen dort ein Rettungswagen und zwei Krankentransportwagen. Dieser Standort soll zum einen Entlastung auf dem Gelände der Hauptfeuerwache am Munketoft bringen und zum anderen die Versorgung im Westen der Stadt und die im südwestlichen Umland verbessern.„Die heutigen Anforderungen an den Arbeitsschutz sind in unser derzeitigen Alarmhalle nicht mehr einzuhalten“, so Herzog, „die Fahrzeuge stehen so dicht beieinander, dass zum Beispiel die Türen von zwei nebeneinanderstehenden Löschfahrzeugen nicht zeitgleich komplett geöffnet werden können.“ Die arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften und Unfallverhütungsvorschriften können somit nicht mehr in allen Bereichen eingehalten werden, auch die Einhaltung der Hygienevorschriften ist problematisch geworden. Im Laufe der Jahre kamen weitere Fahrzeughallen hinzu, doch auch diese Hallen sind nicht an die Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst. Derzeit stehen drei Fahrzeuge für den Transport von Abrollcon-tainern und Gefahrguteinsätze in einem Carport, das neben dem alten Hallenbad der Stadt errichtet wurde. Abrollcontainer stehen in unmittelbarer Nähe mitten auf dem Hofplatz. Der größte Nachteil dieses Baus für die Sonderfahrzeuge liegt auf der Hand. „Besonders an Wintertagen mit Frost und Schnee ist die sofortige Einsatzbereitschaft dieser Fahrzeuge nicht gegeben“, berichtet Herzog. Doch nicht nur für die schnelle Einsatzbereitschaft dieser Fahrzeuge und der Spezialcontainer ist der Außenstellplatz schlecht, auch die empfindlichen Atemschutz- und Messgeräte, die in den Containern untergebracht sind, können durch tiefe Temperaturen in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch in den Reservehallen sind notwendige Bewegungsflächen vor und neben den Fahrzeugen teilweise nicht vorhanden. Einige Fahrzeuge können nur mit eingeklappten Spiegeln in die Hallen hinein- und hinausgefahren werden. Der bestehende Handlungsbedarf ist in den Reihen der Berufsfeuerwehr jedem bekannt und auch bewusst, um einen Neubau der Feuerwache kommt man nicht herum. Zahlen muss den größten Teil der Wache jedoch die Stadt Flensburg, lediglich etwa 20 Prozent lassen sich durch die Einnahmen des Rettungsdienstes refinanzieren. Bei der angespannten Haushaltslage scheint eine solche Investition auf den ersten Blick jedoch nicht unbedingt realisierbar. Fortschritte bei der Planung gab es in den letzten Jahren keine. Doch nun, so scheint es, kommt Bewegung in die Sache. Die Politik in Flensburg hat die Problematik erkannt. Eine funktionierende Berufsfeuerwehr für eine Stadt wie Flensburg mehr als wichtig. Etwa 13 Millionen Euro wurden als Betrag für den Bau einer neuen Wache in den Raum geworfen. Dieser Betrag musste für die von der Größe vergleichbare Wache in Neumünster aufgewandt werden. „Eine Erweiterung im Bestand der derzeitigen Wache ist nicht mehr möglich“, erklärt Carsten Herzog, „alle Flächen die überbaut werden dürfen, haben wir bereits überbaut und nutzen sogar schon einen kleinen Teil des ehemaligen Hallenbades, in dem wir jedoch keinen Wasseranschluss mehr haben und bis vor kurzem auch kein Strom hatten. Unter den übrigen Flächen auf dem Gelände der Berufsfeuerwehr verlaufen Fernwärme- und Stromleitungen, die nicht überbaut werden dürfen.“ Ein Neubau an einem anderen Standort der Stadt gilt als nicht re
alisierbar. Um die größtmögliche Gebietsabdeckung in der Stadt Flensburg mit einer Feuerwache gewährleisten zu können, bleibt nur ein Standort im direkten Umfeld des jetzigen. Da dort keine bebaubaren Flächen in Frage kommen, wäre die optimale Lösung ein Neubau auf dem derzeitigen Gelände der Berufsfeuerwehr mit Einbeziehung des Grundstückes, auf dem derzeit das alte Hallenbad steht. Innerhalb von zehn Minuten nach Eingang des Notrufes in der Leitstelle muss der Löschzug der Flensburger Berufsfeuerwehr am Einsatzort eintreffen, diese gesetzliche Hilfsfrist erfordert einen zentralen Standort. Ein Abriss und Neubau im laufenden Betrieb erfordert natürlich eine Übergangslösung, wohl aber die einzig sinnvolle Lösung. In den zuständigen Ausschüssen der Stadt Flensburg ist die Problematik im vergangenen Jahr angekommen, zuletzt befasste sich der Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung mit der Thematik einer neuen Wache für die Berufsfeuerwehr. Der Grundsatzbeschluss dies in die Planung aufzunehmen erfolgte einstimmig. Der Flächenbedarf, der für eine neue Wache ermittelt wurde, liegt bei ca. 6.700 qm, derzeit sind es 4.200 qm. Vorstellbar ist laut Carsten Herzog auch die Einbindung einer freiwilligen Feuerwehr der Stadt in die neue Wache der Berufsfeuerwehr. Diese würde etwa 500 zusätzliche Quadratmeter benötigen. Die Bausubstanz der Gerätehäuser der freiwilligen Feuerwehren der Stadt Flensburg, die ebenfalls ein unnachlässiger Bestandteil des Brandschutzes in der Stadt bilden, ist in Teilen auch nicht mehr unproblematisch, denn auch hier sind die Fahrzeuge höher, breiter und länger geworden. Dem dringenden Handlungs-
bedarf, der von der Politik erkannt wurde, müssen nun Taten folgen.

Text und Fotos: Benjamin Nolte











Das mag ich
Das mag ich Ich liebe es Ich muss lachen Einfach WOW! Das macht mich traurig Das macht mich wütend
Weitere Artikel anzeigen
Lade mehr Aktuelles

Jetzt gleich kommentieren:

avatar
  
smilegrinwinkmrgreenneutraltwistedarrowshockunamusedcooleviloopsrazzrollcryeeklolmadsadexclamationquestionideahmmbegwhewchucklesillyenvyshutmouth
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Auch interessant

Stadtrat Stephan Kleinschmidt – Multitalent und Brückenbauer

Der am 15. März zum Flensburger Stadtrat gewählte Stephan Kleinschmidt ist, wie soll man e…