nicol-4-Sanssouci StarWer in diesen Wochen durch den Flensburger Hafen fährt oder bummelt, kann den Blick nicht lassen von der weißen Megayacht, die dort vertäut liegt, der „Sanssouci Star“.
Das 53 Meter lange Luxusschiff unter der Flagge Gibraltars kann 12 Gäste in 7 Kabinen königlich beherbergen. Die „Sansoucci Star“ wurde 1982 auf der Husumer Werft gebaut.
Seinem Konstrukteur ist wenige Meter von ihrem Liegeplatz entfernt, im Schiffahrtsmuseum, eine Ausstellung gewidmet. Nicht wegen dieses Schiffes, sondern in Anerkennung einer völlig anderen Erfindung und Entwicklung des Schiffbauers Ernst Nicol, des unsinkbaren Rettungsbootes.

Nicol-4 012Ein Leben für die Schifffahrt











Es ist der Tag nach dem ersten Herbststurm. Wie meist, tobte er entlang der Westküste am heftigsten. Doch Ernst Nicol und seine Frau Helene (Leni) haben in ihrem schmucken Haus in Ostenfeld, nicht weit von Husum, trotz rauschender Bäume und wirbelnden Laubes in ihrem Garten, gut geschlafen. Der Empfang ist herzlich. Ernst Nicol steht kurz vor seinem 92. Geburtstag, kein Thema für den rüstigen pensionierten Schiffbauer. Er kommt schnell zur Sache, führt den Besucher zu Bildern an den Wänden. Bildern von Kriegsschiffen aus dem 2. Weltkrieg. Eines davon ist von besonderem Interesse. Es zeigt den Bau eines U-Bootes in der Flensburger Werft Anfang der 40er Jahre. Er weist nicht ohne Stolz auf die Signatur der perfekten Bleistiftzeichnung, Ernst Nicol, 30.5.42. Als 20-Jähriger hat er in seinen Arbeitspausen das Bild gezeichnet. Es muss sein 3. Lehrjahr gewesen sein. 1939 hatte der junge Mann sich um einen Ausbildungsplatz bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft beworben. Ein Traum war da schon wahr geworden. Schon als kleiner Junge hatte er Schiffsmodelle aus Knetmasse geformt, mit einer Detail­treue und Präzision, wie sie heute noch begeistert. Aus einem Schrank seines Wohnzimmers holt er eine Holzkiste, natürlich Eigenbau, und öffnet die Verschlussklappe. Vorsichtig zieht er eine der Schubladen heraus. Auf dem Holzbrettchen sorgsam aufgereiht seine Modelle, winzig, alle aus Knetmasse geformt.
Eine Serie des gleichen Schiffstyps. Unterschiede zwischen den Miniaturen nicht erkennbar. Exakt gleicht eine der anderen. Die Masten und Geschützrohre aus gekürzten Stecknadeln. Dass die frühe Leidenschaft den Kriegsschiffen gehörte, ist der Zeit geschuldet, in der er aufgewachsen ist.
Geboren am 12.12.1923 ist er hineingewachsen in den beginnenden Nationalsozialismus. Die Kriegswirtschaft zu Beginn der 30er Jahre hat ihm den Arbeitsplatz gesichert. Seine Begeisterung für den Schiffbau, vor allem sein Fleiß und seine Intelligenz, haben ihn schon während der Ausbildung ins Konstruktionsbüro der Flensburger Werft geführt. Die Werft war ein kriegswichtiger, daher äußerst sensibler Ort. Aus Angst vor möglichen Luftangriffen wurden Brandwachen aufgestellt. Ernst Nicol erinnert sich, dass er jeden Sonntag von der Wohnung seiner Eltern in der Friesischen Straße Nr. 100 mit dem Fahrrad durch die Stadt, am Hafen entlang, zur Werft radelte. Die Schiffsbauer waren während dieser Zeit ganz auf den Bau von U-Booten konzentriert. 30 entstanden dort bis Kriegsende. Das erste jedoch ging kurz vor Fertigstellung in Flammen auf. Man vermutete Sabotage durch Kriegsgegner. Ernst Nicol saß zu jener Zeit vergleichsweise komfortabel im Konstruktionsbüro der Werft und war mit der Ausrüstungsbeschaffung und der Korrektur von Konstruktionszeichnungen beschäftigt.

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