Vera Kaplun
Vera Kaplun

In dieser Reihe berichten wir über Flensburger Bürger mit Migrationshintergrund und bringen Beispiele gelungener Integration. Es kommen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und ethnischen Volksgruppen zu Wort. Wir erfahren mit welchen Ängsten und Hoffnungen sie oftmals gekommen sind, um schließlich in Flensburg Fuß zu fassen. Dabei geht es bei weitem nicht allein um wirtschaftliche Erfolge und große Karrieren. Erstaunlich genug ist, mit welchen Anstrengungen diese Menschen ihr Ziel angesteuert haben, um in ihrer Wahlheimat wirklich anzukommen.

Vera Kaplun kam aus St. Petersburg











Die damals 28jährige Zahnmedizinerin Vera Kaplun kam im Jahre 2000 von St. Petersburg nach Deutschland. Nach ihrem Studium an der First Pav­lov State Medical University in St. Petersburg hatte sie bereits zwei Jahre als Betriebszahnärztin am Polarforschungsinstitut in St. Petersburg gearbeitet.
Danach wollte sie sich in ihrem Beruf neuen Herausforderungen stellen. Die suchte sie in Deutschland. – Ohne deutsche Sprachkenntnisse! Trotz ihrer Approbation, die aber nicht automatisch an eine medizinisch-rechtliche Kassenzulassung geknüpft ist – Vera hätte in Deutschland vorläufig nur Privatpatienten behandeln dürfen – scheiterte ihr Vorhaben. Die Voraussetzungen für die kassenzahnärztliche Zulassung für ausländische Zahnärzte in Deutschland waren so unrealistisch, dass sie von Vera, sie war Mutter einer kleinen Tochter, nicht in der gebotenen Kürze der Zeit hätten erfüllt werden können.
Vera stieg auf Humanmedizin um! Um die erforderliche Deutschprüfung für ihre Zulassung zum Hochschulstudium ablegen zu können, erlernte sie in einem Kraftakt von atemberaubender Geschwindigkeit die deutsche Sprache. Dafür hatte sie ihr gespartes Geld eingesetzt. Das war eine gute Investition. Sie hatte alle Voraussetzungen für den Einstieg in den von ihr gewünschten Studiengang an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, erfüllt. Da ihr Grundstudium (Physikum) anerkannt wurde, konnte sich Vera gleich für den Klinischen Teil (5. Semester) immatrikulieren. Nach 8 Semestern machte sie im Jahre 2006 ihr Staatsexamen. Vera ist inzwischen Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in der psychiatrischen Tagesklinik für ältere Menschen an der Diako in Flensburg.
In diesem Bericht soll Veras Erfolg zur Integration, den sie sich durch ihre Deutsch-Sprachkenntnisse sowie mit ihrem zweiten Studium hart erarbeitet hat, deutlich gemacht werden.

Zuhause in St. Petersburg

Vera Kaplun wurde im Jahre 1972 in der ehemals sowjetischen Stadt Gorki – seit 1990 wieder russisch in Nischni Nowgorod umbenannt – geboren. Ihr Vater stammte aus Gorki, ihre Mutter aus St. Petersburg. Die Eltern waren beide Ärzte. Sie zogen mit ihrer damals acht Wochen alten Tochter Vera nach St. Petersburg. Dort hatten sie sich während ihres Medizinstudiums kennengelernt. Da junge Ärzte in der damaligen Sowjetunion verpflichtet waren, ihre berufliche Laufbahn in ländlichen Bereichen zu beginnen, wurde Veras Mutter, Irina Kaplun, als Chirurgin (später für Gynäkologie und Geburtshilfe) an eine Klinik auf der Halbinsel Kronstadt vor St. Petersburg versetzt. Heute hat Veras Mutter in ihrem Fachbereich als Privatdozentin einen Lehrstuhl an einer med. Akademie in St. Petersburg. Ihr Vater, Lev Kaplun, hatte noch seinen Wehrdienst bei der Roten Armee abzuleisten. Danach bekam auch er eine Anstellung als Klinikarzt in Kronstadt. Vera wuchs zwischen Kronstadt und St. Petersburg auf, wo sie ihr Studium für Zahnmedizin absolvierte. Sie schildert ihre Anstellung als Betriebs­zahnärztin am Polarforschungsinstitut als interessanten Berufseinstieg unter Anerkennung ihres fachlichen Könnens – wo ihr letztendlich aber auch fachlicher Stillstand zu drohen schien. Ihre Patienten, alle Polarforscher, waren unerschrockene und von Statur kräftige Männer aus dem Eis. Sie fühlte sich schon geschmeichelt, wenn sich diese mutigen Leute ganz klein machten, um sich in ihre zahnmedizinische Behandlung zu begeben. Während ihrer Zeit als Betriebsärztin war Veras Vater viele Monate lang als begleitender Arzt mit den Polarforschern im Eis unterwegs. Für diesen Einsatz war er von seiner Arbeit als Klinikarzt in Kronstadt freigestellt.

Das mag ich
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