Irina Fribus-Haupt und Serge Fribus
Irina Fribus-Haupt und Serge Fribus
In dieser Reihe berichten wir über Flensburger Bürger mit Migrationshintergrund und bringen Beispiele gelungener Integration. Es kommen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und ethnischen Volksgruppen zu Wort. Wir erfahren mit welchen Ängsten und Hoffnungen sie oftmals gekommen sind, um schließlich in Flensburg Fuß zu fassen. Dabei geht es bei weitem nicht allein um wirtschaftliche Erfolge und große Karrieren. Erstaunlich genug ist, mit welchen Anstrengungen diese Menschen ihr Ziel angesteuert haben, um in ihrer Wahlheimat wirklich anzukommen.

Zurück zu ihren Wurzeln:
Die Wolgadeutschen
Irina Fribus-Haupt und ihr Ehemann Serge Fribus
kommen aus Kasachstan
und Russland











Zwei Migrationsgeschichten die Irina und Serge in
Glücksburg zusammenführten.

Irina kam als 19-Jährige mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern aus Kasachstan nach Deutschland. Mit ihrem Mädchennamen heißt sie Haupt – in Kasachstan, wo das H nicht gesprochen wird, sagt man Gaubt! Irina wurde 1978 in Alga, einer kleinen Stadt in Kasachstan, in eine wolgadeutsche Familie hineingeboren. Dort wuchs sie auf, machte den Realschulabschluss und eine Ausbildung zur Sekretärin bei einer Computerfirma. Ihre Muttersprache ist Kasachisch. Wegen der Zugehörigkeit ihres Heimatlandes zur ehemaligen UdSSR beherrschen die Kasachen die russische Sprache ebenso wie die kasachische in Wort und Schrift. Dabei werden den Schülern fürs Russische die Kenntnisse für die kyrillischen Schriftzeichen abverlangt – für die kasachische Sprache zur einen Hälfte die kyrillischen und zur anderen die lateinischen. Das sei ähnlich wie im Türkischen, erklärt Irina. Als erste Fremdsprache lernte sie auf der Schule Englisch! Als die jahrelangen Überlegungen in Irinas Familie, als Wolgadeutsche in das Land ihrer Vorfahren zurückzukehren, ausgereift waren, besuchte Irina einen von den in Alga angebotenen Deutsch-Vorbereitungskurse für Wolgadeutsche. Einige ihrer Verwandten waren nach dem Auseinanderbrechen der UdSSR bereits als Aussiedler in Flensburg eingetroffen.

Irinas Mutter ist Russin, ihr Vater Wolgadeutscher. Er war in Alga als Spezialist am Eichamt beschäftigt. Im näheren und weiteren Umkreis von Alga gab es mit ihm nur drei Spezialisten auf diesem Gebiet. Alle waren Wolgadeutsche! Als sie das Land endgültig verlassen wollten, war Irinas Vater gerade mal 49 Jahre alt, ihre Mutter 45.

Irina schildert die Situation, als Russen in Kasachstan zu leben: Die sogenannten Russlanddeutschen wurden seit dem Zusammenbruch der ehemaligen UdSSR nach ihren Herkunftsländern und Nationen im negativen Sinn eingeordnet. So gab es plötzlich für Wolgadeutsche, wenn sie nicht von ihrer Abstammung her Ur-Kasachen waren, kaum noch Beachtung was ihr Weiterkommen betraf. Ohne Beziehungen lief, bis rauf zur Zulassung an der Universität und bei Postenverteilung in Verwaltung und Wirtschaft, trotz bester Befähigungsnachweise kaum noch etwas glatt. Das war frustrierend! Den negativen Ausgang dieses schleichenden Prozesses aber wollte Irinas Vater weder für sich noch für seine Kinder abwarten. Hinzu kam, dass er durch die Abwanderung von Verwandten und Freunden nach Deutschland den Zusammenhalt seiner Familie für die Zukunft bedroht sah.

Wie Irina bemerkt, war die Entscheidung, das Land zu verlassen trotzdem für alle von Wehmut und Abschiedsschmerz durchsetzt: Wer kümmert sich nun um die Gräber? –
Wie schwierig es sein würde, im Alter von damals 49 Jahren beruflich noch etwas Neues anzufangen sah Irinas Vater sehr realistisch. Ihm war klar, dass er trotz seiner beruflichen Qualifikationen zurückrudern musste. Die Art der Beschäftigung, die er in Flensburg gefunden hat, war ihm zwar nicht ganz egal, weil sie nicht angemessen war. Doch er sei zufrieden gewesen, sagt Irina. Auch im Rentenalter jobbt er noch!

Irina schildert ihr persönliches Befinden nach ihrer Ankunft, sich wie in einem Trancezustand gefühlt zu haben. Sie habe zwar feste Vorstellungen über einen Neuanfang gehabt und gewusst was sie wollte. Aber ihre Kräfte, sich einzubringen seien erst langsam zurückgekommen. Der erste Wohnsitz der Familie war in der Nähe von Hamburg. Da sich Irina auf Deutsch und Englisch schon einigermaßen verständigen konnte, bekam sie für ein Jahr einen Büroplatz am Computer. Durch die Praxis habe sie in diesem ersten Jahr so viel Deutsch gelernt, dass sie anschließend in Hamburg an der Akademie für Werbung, Grafik und Druck (AWdG) eine zweijährige Ausbildung zur Mediengestalterin für Werbung, Grafik und Druck absolvieren konnte. Hier habe sie eine sehr kreative Zeit, aber knochenharte Ausbildung mit vielen Herausforderungen durchlebt, sagt Irina. Sie sei die Jüngste unter den Teilnehmern gewesen und eine von drei Ausländern. Hauptsächlich seien unter den Teilnehmern Musiker, Künstler und eine ehemalige Ballerina zwecks Umschulung gewesen.

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