Wan Ling Got
Wan Ling Got
In dieser Reihe berichten wir über Flensburger Bürger mit Migrationshintergrund und bringen Beispiele gelungener Integration. Es kommen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und ethnischen Volksgruppen zu Wort. Wir erfahren mit welchen Ängsten und Hoffnungen sie oftmals gekommen sind, um schließlich in Flensburg Fuß zu fassen. Dabei geht es bei weitem nicht allein um wirtschaftliche Erfolge und große Karrieren. Erstaunlich genug ist, mit welchen Anstrengungen diese Menschen ihr Ziel angesteuert haben, um in ihrer Wahlheimat wirklich anzukommen.

Wan Ling Got

Wan Ling Got wurde im Jahre 1966 in Flensburg geboren. Sein Vorname Wan Ling steht im Chinesischen für ’Wolkenwald’. Ich fragte den Sohn des chinesischen Einwanderer-Ehepaars Kwok Kwong und Mei Yuk Got, ob unser norddeutscher, wolkenreicher Himmel vielleicht Pate für seinen Namen gestanden haben könnte. Das verneint Wan Ling lächelnd. Doch er mag diesen Himmel, unter dem er gemeinsam mit zwei älteren und vier jüngeren Geschwistern aufgewachsen ist. Wan Ling hat mit seiner deutschen Frau Susanne längst eine eigene Familie gegründet und ist in Flensburg als selbständiger Reisebürounternehmer in der Innenstadt tätig.







Die eigentliche Erfolgsgeschichte von Integration beginnt mit Wan Lings Eltern Kwok Kwong und Mei Yuk Got. Sie sind die Migranten der ersten Generation der Familie Got. Beide stammen aus dem damaligen Fischerdorf Wen Zhou – 450 Kilometer südlich von Shanghai. Wen Zhou ist inzwischen zu einer Millionenstadt angewachsen.

Es war die Zeit der großen Proletarischen Kulturevolution, die Diktator Mao Zedong über die Volksrepublik China ausgerufen hatte. Wan Lings Mutter arbeitete auf den Reisfeldern. Sein Vater Kwok Kwong, Jahrgang 1931, war gelernter Koch. Mit dem Ziel, der grausamen Massenbewegung der Kommunisten zu entkommen, hatte er als Schiffskoch angeheuert. Als sich für ihn die Möglichkeit ergab, zunächst als Koch in der Kronkolonie Hong Kong zu arbeiten, ging er von Bord mit dem Ziel, über England nach Deutschland auszuwandern. Er wollte nach Kiel! Denn sein älterer Bruder Te Lang Got war schon Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland ausgewandert, wo er in Kiel das erste chinesische Restaurant eröffnen konnte. Um mit seinem Einkommen auf der sicheren Seite zu sein, blieben Kwok Kwongs Frau Mei Yuk und die beiden in China geborenen Kinder zunächst in Hong Kong zurück.

Wie Wan Ling berichtet, hatten es seine Eltern bei ihrer Ankunft in Kiel etwas leichter als sein Onkel Te Lang Got. Der nämlich unterstützte seinen Bruder, verschaffte ihm die nötige Unterkunft und stellte ihn in seinem Restaurant ein. Das ging ein paar Jahre so.

Familie Got mit Oma, die jüngste Tochter Wan Ho war noch nicht geboren
Familie Got mit Oma, die jüngste Tochter Wan Ho war noch nicht geboren
In Flensburg angekommen – doch die Integration war schwer!

Wan Lings Vater kam als Existenzgründer nach Flensburg. Er eröffnete in der Großen Straße, in der Nähe des ehemaligen Hotels Stadt Hamburg eines der ersten China-Restaurants in Flensburg. Das Restaurant war mit nur 10 Tischen klein und bescheiden, aber durch den ungeheuren Fleiß der Eheleute Got von Erfolg gekrönt. Der Vater kochte. Die Mutter bediente die Gäste. Als schon nach vier Jahren die Plätze nicht mehr ausreichten, vergrößerten sie sich mit ihrem ‚Restaurant China-Haus’ mit über 40 Plätzen im Marienkirchhof 1.

Wan Ling blickt zurück: Was die Integration seiner Eltern betrifft, sei die nur unter großen Anstrengungen möglich gewesen. Um sich im gastronomischen Bereich als Ausländer in Flensburg überhaupt selbständig machen zu können, mussten drei deutsche Bürgen benannt werden.

Zwar verfügten Wan Lings Eltern über ein eigenes Konto. Einen Bankkredit aber bekamen sie nicht. Wan Lings Vater hatte eisern gespart und sich schließlich noch Geld von seinem Bruder in Kiel leihen können. Die deutsche Sprache hatte der Vater während der Arbeit bei seinem Bruder in Kiel gelernt. Die deutsche Grammatik aber sei für Chinesen generell sehr schwer zu begreifen. In Kiel ebenso wie in Flensburg hatten die beiden Brüder Got nur chinesische Mitarbeiter, die sie gezielt von China anreisen ließen. Sie kamen ohne Familie. Nur um zu arbeiten! Sie lebten bei freier Kost und Logis so bescheiden, dass sie jeden Monat Geld nach Hause schicken konnten.

Ihre Arbeitserlaubnis war unwiderruflich auf nur drei Jahre festgesetzt. Gerade wenn sie bestens in Küche und Restaurant eingearbeitet waren, mussten sie in die Heimat zurück! Wan Ling sagt: „Es war immer schon üblich, dass die Chinesen ihre Landsleute zum Arbeiten nachgezogen haben. Besonders in den 70er und 80er Jahren, als die Beschaffung einer Arbeitserlaubnis noch sehr viel leichter war!“

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