In dieser Reihe berichten wir über Flensburger Bürger mit Migrationshintergrund und bringen Beispiele gelungener Integration. Es kommen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und ethnischen Volksgruppen zu Wort. Wir erfahren mit welchen Ängsten und Hoffnungen sie oftmals gekommen sind, um schließlich in Flensburg Fuß zu fassen. Dabei geht es bei weitem nicht allein um wirtschaftliche Erfolge und große Karrieren. Erstaunlich genug ist, mit welchen Anstrengungen diese Menschen ihr Ziel angesteuert haben, um in ihrer Wahlheimat wirklich anzukommen.

Mihaela Siegler
Mihaela Siegler

Mihaela Siegler

Mihaelas rumänische Heimat liegt zwischen Mittel- und Südeuropa am Schwarzen Meer. Fünfzig Jahre nach Christus brachte der Apostel Andreas den christlichen Glauben ins Land. Heute gehören achtzig Prozent der 22 Mio. starken Bevölkerung dem nationalen Rumänisch-Orthodoxen Glauben an. Mihaela ist stolz, als Rumänin geboren zu sein. Sie liebt ihr Volk mit allen positiven und negativen Eigenschaften. Seit über fünfunddreißig Jahren lebt sie nun schon in Deutschland. Und seit 1989 ist sie deutsche Staatsbürgerin. Dafür ist sie sehr dankbar. Trotzdem ist ihr nicht entgangen, dass sich ihrer Meinung nach hier im Westen kaum jemand für Rumänien interessiert.







In den Medien meist negativ erwähnt, bliebe das Wissen über die Schönheit des Landes und die über Jahrhunderte geprägte Kultur mit seiner wechselvollen Geschichte allzu oft auf der Strecke. Große Söhne und Töchter des Landes, Künstler und Autoren haben gezwungenermaßen fernab ihrer Heimat in Freiheit ihre Talente entfaltet. Mihaela nennt z. B. den rumänischen Bildhauer Constantin Brâncusi, den Schriftsteller Eugène Ionesco, die Opernsängerin Maria Cebotari, die Schauspielerin Elvira Popescu und den Schauspieler Jean Yonnel. Wer weiß schon, dass der rumänische Musiker George Enescu (1888-1955) Lehrer des größten Violine-Virtuosen des 20. Jahrhunderts – Yehudi Menuhin (1916-1999) gewesen ist?

Wie es sich im kommunis­tischen Rumänien gelebt hat

Als Mihaela in Craiova als Tochter des Künstlerehepaars Elisabetha und George Popa Mijea geboren wurde, regierte Michael I. Er war der letzte
rumänische König. Als Mihaela im Jahre 1980 die Gelegenheit fand der kommunistischen Gewaltherrschaft Nicolae Ceausescus zu entkommen lag ihre erste Karriere als Balletttänzerin bereits hinter ihr – ebenso wie ihr breitgefächertes fünfjähriges Studium am Konservatorium in Bukarest. Mihaela wurde Opernsängerin. Als Solistin hatte sie Engagements an nationalen Theater- und Operettenbühnen in Bukarest, Auftritte im TV und im Sinfonieorchester. Sie bestritt als Sopranistin Liederabende und Auftritte im Operettentanz. Doch als Nicht- Mitglied der kommunistischen Partei schien sie ebenso wie ihre Eltern den Parteigenossen suspekt. Mihaela bekam zu Auslandstourneen keine Reisegenehmigung.

Da die Rollen doppelt besetzt waren, konnte auf sie verzichtet werden. Für einen Auftritt in Israel, der auf Einladung von nach Palästina ausgewanderten Juden stattfinden sollte, waren Mihaelas Koffer mit den Kostümen bereits bei der Gepäckabfertigung am Flughafen, als sie aus der Warteschlange zurückgeholt wurde. Dieses enttäuschende Erlebnis sollte ihr eine Lehre sein. Sie hatte verstanden. Gegen das Konkurrenzdenken der Parteigenossinnen und die Bespitzelungen kam sie nicht an. Später aufgetauchte, tagebuchähnliche Aufzeichnungen über sie sollten ihr Recht geben. Deshalb wollte sie nichts wie weg in den Westen! Dabei war Mihaelas Kindheit zwar turbulent, aber zunächst sehr glücklich verlaufen. Ihr Vater war Schauspieler am Nationaltheater Craiova-judet Dol – ihre Mutter Maskenbildnerin.

Mihaela musste nicht im Zuschauerraum sitzen. Sie fühlte sich in der Garderobe, auf Probebühnen oder auf der Bühnenseite zuhause. Als die Kommunisten ans Ruder kamen, wurden die Theater verstaatlicht und die Schauspieler wie Marionetten kreuz und quer durchs ganze Land versetzt. Sechs Umzüge und Schulwechsel machten die Familie zu Zigeunern. Politisch war der Vater unbequem und der Securitate gegenüber hemmungslos in seiner Kritik.

Während Mihaela noch im Studium und ihr Vater bereits Rentner war, wurde er verhaftet und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Securitateakte war 300 Seiten schwer. Durch eine Amnestie kam er früher frei!

Das mag ich
Das mag ich Ich liebe es Ich muss lachen Einfach WOW! Das macht mich traurig Das macht mich wütend

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