Das jüngste Landesderby begann für Kay Bendixen bereits am Mittag. Der Betreuer der SG Flensburg-Handewitt taucht normalerweise vier Stunden vor Anpfiff einer Partie in der Flens-Arena auf, diesmal plant er ein großzügiges Polster ein, damit die vielen im Kleinbus verstauten, abgekühlten Utensilien sich in der Kabine ausreichend erwärmen. Mehrere Taschen schiebt er auf einem Rollwagen ins „Reich der Mannschaft“. Dreimal ist der 52-Jährige unterwegs, dann sind endlich alle Trikots, Aufwärmsachen und sonstiges Equipment drin.

Runde eine Stunde braucht er, um die Klamotten auf die Stammplätze der Spiele zu legen. Dann duftet es: Vier Kannen Kaffee werden gekocht. Kay Bendixen ist im Plan, hat Zeit für Klönschnack und eine kleine Pause. Zwei Stunden vor der Partie trifft Holger Glandorf ein. Der erste Spieler, nach und nach folgen seine Kollegen. „Die Spieler lasse ich in Ruhe, da sie sich schon im gedanklichen Tunnel befinden“, erklärt der Betreuer. „Ich halte meine Augen auf und helfe, wenn irgendwo ein kleines Problem auftritt. Unsere Spieler sollen sich auf den Handball konzentrieren, alles andere ist mein Job.“ Seine Arbeit ist weitgehend getan, wenn sich alle Profis umgezogen haben und sich auf dem Spielfeld aufwärmen.











Jetzt geht es nur noch um Details. Wenn die Schiedsrichter zur Seitenwahl bitten, gibt Kay Bendixen dem SG-Kapitän Bescheid. Vor einigen Jahren saß er während der Spiele mit auf der Bank. Als wesentlich praktischer hat es sich für den Betreuer allerdings erwiesen, sich vor dem Eingangstunnel zu positionieren – als Schnittstelle zwischen Bank und Kabine, die er eine Minute vor der Pause aufschließt. Während der 60 Minuten fiebert und leidet „das Mädchen für alles“ mit, bejubelt die Erfolge. „Ich identifiziere mich 100-prozentig mit der Mannschaft“, bestätigt Kay Bendixen.

Die lokale Handball-Szene verfolgt er seit Ende der 80er Jahre. Er erlebte den TSB Flensburg in der Regionalliga, er lernte die beengten Verhältnisse in der Handewitter Wikinghalle kennen. 2004 startete dort erstmals der SG-Mannschaftsbus mit Kay Bendixen am Steuer. Der Busfahrer der „Autokraft“ bereichert wie sein Kollege Sven Zankl seitdem die SG-Familie. Der Aufgabenbereich abseits des Fahrdienstes wuchs. Im September 2009 sagte dann der damalige SG-Manager Holger Kaiser zu Kay Bendixen: „Du bist jetzt unser offizieller Betreuer.“

Und der ist auch im Alltag voll gefordert. Eine Stunde vor einer Übungseinheit bereitet er alles in der Duburghalle vor, fährt mit Trainingsbeginn zur SG-Geschäftsstelle. Ständig gibt es etwas zu transportieren: Autogrammkarten, Ausrüstung und vieles mehr. Im Büro hat Kay Bendixen einen Schreibtisch. In Abstimmung mit dem Trainer-Team und Geschäftsstellenleiter Nils Geisler, der Flüge und Hotels bucht, erstellt er einen Reiseplan: Fahr-, Mahl- und Spielzeiten – alles muss berücksichtigt werden. „Nur wenige bekommen mit, wie umfangreich die Arbeit von Kay ist“, sagt SG-Kapitän Tobias Karlsson. „Unser Alltag wäre ganz anders, wenn wir ihn nicht hätten. Er kümmert sich praktisch um alles – vom Ballreinigen bis hin zum Bau eines Gartenzaunes.“

Ohne Einschränkungen im Privatleben funktioniert es nicht. „Mein Kalender ist der Spielplan der SG, daran orientieren sich die privaten Termine“, weiß Kay Bendixen. „In unserer Branche geht es nur, wenn der Spaß-Faktor stimmt und die Frau mitmacht.“ Immerhin gönnt ihm der Handball-Betrieb zwei längere Pausen. Im Winter fährt er in die Alpen zum Skifahren, im Sommer zieht es ihn bevorzugt in den Norden. Die restliche Freizeit verbringt er auf dem eigenen Resthof bei Mohrkirch. Ein großes Grundstück muss gepflegt werden. Die geräumige Scheune indes hat sich in anderer Hinsicht als praktisch erwiesen. „Da kann ich sehr gut die umfangreiche SG-Ausrüstung ausbreiten und sortieren“, erzählt der 52-Jährige.

Entschädigt wird der Aufwand durch zahlreiche Höhepunkte, knappe Siege in der Fremde, rauschende Titelfeiern und viele Einblicke in andere Länder. Auf Einladung eines Sponsors ging es sogar mal nach Dubai. Das unbestritten schönste Erlebnis sind aber die Tage von Köln. „Dieses Event hatte an sich schon einen besonderen Charakter, das ganze Drumherum und die perfekte Organisation“, erinnert sich Kay Bendixen mit leuch-
tenden Augen an das Frühjahr 2014. „Der Sieg in der Champions League hat dann alles gekrönt. Die Feierlichkeiten sind unvergesslich.“ Im Derby hat die SG den THW Kiel mit 30:29 bezwungen. Die Spieler sind dementsprechend bestens gelaunt. Kay Bendixen rollt das Essen heran, das die Profis hungrig verspeisen. Der Betreuer sortiert die Wäsche, muss das gesamte Equipment wieder im Wagen verstauen und verlässt als letzter die Kabine – damit auch ja nichts vergessen wird. Die Kieler waren nicht ganz so aufmerksam. Sie ließen eine Box mit schwarz-weißen Trinkflaschen liegen. Mit einem Umweg zur Wäscherei trifft Kay Bendixen um kurz nach Mitternacht in Mohrkirch ein. Ein langer Tag im Dienste der SG ist beendet, die nächste große Tour steht aber unmittelbar bevor. Zusammen mit seiner Ehefrau Inge fährt der Betreuer den vollgepackten Kleinbus zum Auswärtsspiel ins zehn Stunden entfernte polnische Plock. Egal ob Ungarn, Polen, Spanien oder Frankreich – der SG-Offizielle benutzt die Straße, während die Mannschaft fliegt. Kay Bendixen war die vielen Verhandlungen an den Flughäfen, die Extra-Gebühren für das Gepäck und die ermüdende Schlepperei satt. Stattdessen fährt er lieber für die SG etliche tausende Kilometer im Jahr.

Text und Fotos: Jan Kirschner 

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