Wer findet die Mandel im Milchreis und kommt der Weihnachtsmann als besonderer Gast? Traditionen gibt es viele in der Weihnachtszeit – für manche sind sie heilig, andere könnten auch darauf verzichten. Lisa Dauth hat verschiedene Menschen befragt, was für sie an den Festtagen nicht fehlen darf.

Baumschmuck mit
Geschichte











Isabell Asbrock (24) ist ein großer Fan der Vorweihnachtszeit. Schon früh schmückt sie ihre Wohnung, lässt die Lichtchen aber aus, bis Totensonntag vorüber ist. Gerne stimmt sie sich mit der Zeichen-
trickserie „Weihnachtsmann & Co. KG“ aus ihrer Kindheit ein, die sie mit Freunden wiederentdeckt hat. Die Feiertage verbringt sie mit ihrer Familie in Kappeln. Am Samstag vorher schmücken sie gemeinsam den Baum, was den ganzen Tag dauern kann. Denn jedes Schmuckstück hat seine Geschichte, die erzählt werden will. Aus jedem Land, das sie besuchen, bringen sie eine neue Figur mit, sodass das Endergebnis bunt und kitschig aussehe. Währenddessen trinken sie Sekt, hören Musik und schauen „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“. Wenn alles weihnachtlich aussieht, belohnen sie sich mit einem großen Essen wie Roastbeef.
An Heiligabend geht die Familie nach einem gemeinsamen Frühstück am Strand spazieren. Später bereiten alle zusammen das Abendessen zu: Hühnchen mit Kartoffeln und Rotkohl. Um 17 Uhr besuchen ihre Schwester und sie einen Gottesdienst in die Kirche, in der ein Gospelchor singt. Beim Festessen halten sie es bis 21 Uhr am Tisch aus, erledigen den Abwasch und genießen den Nachtisch vorm Kamin. Die Geschenkübergabe zelebrieren sie, indem sie darum würfeln, sich bei einer Sechs ein Geschenk zu holen und es mit einer weiteren Sechs zu öffnen. Das dauert so lange, dass ihre Schwestern und ihr Vater danach ins Bett gehen. „Mit meiner Mama schaue ich dann noch den Film ‚Ist das Leben nicht schön?‘ Auch wenn wir zwischendurch einschlafen, sind wir doch zum Abspann wieder wach.“
Für Essen sorgen

Melanie Christiansen (25) und Gordian Brockstedt (27) haben keinen Weihnachtsbaum. Stattdessen stellen sie ein modernes, minimalistisches Metallgestell auf. Sie wechseln jedes Jahr ab, bei welcher Elternseite sie Heiligabend verbringen. Der erste Feiertag gehört dann der anderen Seite. Nur der zweite Feiertag ist örtlich festgelegt, da seine Mutter dann Geburtstag hat. „Jeder bringt etwas mit“, berichtet Melanie Christiansen. „Babypute, Rosenkohl, Salzkartoffeln, Soße, Kroketten, … Es ist ein Gefresse!“
Marlo (12) geht an Weihnachten mit seinen Eltern raus, um Armen Geld zu schenken. „Wir wollen nicht zugucken, wie sie verhungern.“ Die gleichaltrige Janissa ist mit ihm in der Stadt unterwegs. „Ich liebe Esskastanien“, erzählt sie. Davon könnte sie sich in der Adventszeit ernähren.
Jedes Jahr an Heiligabend isst Rolf Krohn (52) mit seiner Freundin und drei Kindern Raclette. Erst danach gibt es Bescherung. Im Laufe des Abends kommen Schwiegereltern und Schwager dazu und alle spielen gemeinsam. An den folgenden Feiertagen trifft sich die ganze Familie und es gibt Rouladen und Ente zu Essen.

Mit oder ohne Geschenke

Jan Sorensen (61) aus Dänemark hat keine spezielle Tradition, sondern gestaltet die Tage mit Tannenbaum und Singen so, wie es gerade schön ist. „Traditionell essen wir Entchen und Pudding“, erzählt er. Zur großen Familienfeier an Heiligabend erwartet er zwischen 8 und 14 Personen. Für sie alle braucht er viele Geschenke, nach denen er gerade in der Flensburger Innenstadt sucht.
Die Schwestern Melanie (28) und Sabrina (30) Sochert feiern ebenfalls mit der ganzen Familie. Alle helfen beim Kochen, damit eine Ente mit Rotkohl und Kartoffeln auf den Tisch kommt. In diesem Jahr verzichten sie auf Geschenke – nur das Kind der Familie geht nicht leer aus. „Es war ein Hin und Her: Wir setzten uns ein Limit fürs Budget und rannten los, um in dem Rahmen etwas Passendes zu finden. Das war stressig und man vergisst dabei, worum es an Weihnachten geht.“ Für sie ist es wichtig, mit der Familie zusammen zu sein, weshalb sie es sich in diesem Jahr mit Wein gemütlich machen wollen.

Zwischendurch beschenken

Dominique (19) und ihr Freund Jonathan (24) müssen an Weihnachten Abstriche machen. Als angehende Kinderkrankenschwester arbeitet sie im Schichtdienst und durfte sich aussuchen, ob sie lieber an Weihnachten oder Silvester frei haben möchte. Ihre Wahl fiel auf den Jahreswechsel. Auch ihre Eltern werden an den Feiertagen arbeiten, sodass keiner alleine zu Hause sitzt. Ihre Geschenke überreichen sie sich zwischendurch, wenn es gerade passt, und am 26. Dezember veranstalten sie ein „Nachweihnachtsessen“. Für ein bisschen Stimmung stellen sie einen Kunstbaum auf. Jonathan geht es ähnlich, da er im Rettungsdienst arbeitet. „Man muss sich daran gewöhnen“, erzählt er. „Nach der Schule bin ich herausgewachsen.“

Stressfrei feiern

Marina Scheller (52) aus der Nähe von Lüneburg feiert auf eine „ganz, ganz alte Art“. Denn ihre Traditionen übernahm sie von ihren Eltern und gab sie wiederum an ihre Kinder weiter. Dazu wird der Weihnachtsraum heimlich geschmückt und von neugierigen Blicken geschützt. „Auch nach 30 Jahren sind unsere Kinder noch neugierig“, erzählt sie. Wenn diese mit ihren eigenen Kindern am ersten Weihnachtstag zu Besuch kommen, essen sie gemeinsam in einem anderen Zimmer. Danach öffnet sich die Tür zu dem festlichen Weihnachtsraum. Dort singen sie zwei, drei Lieder und die Kinder sagen Gedichte auf. Sie selbst liest jedes Jahr eine kurze Weihnachtsgeschichte vor.
Aus der Bescherung haben sie ein Spiel entwickelt: Alle Geschenke sind in Zeitungspapier eingepackt und die Namen der Beschenkten sind darauf geschrieben. Marinas Mann zieht ein Geschenk, das danach ausgepackt werden darf. Derjenige zieht danach das nächste Paket. „So sieht jeder, was die anderen bekommen haben, und die Geschenke werden nicht nur aufgerissen.“ Durch diese Prozession dauert das Auspacken gut drei Stunden. Marina Scheller freut sich, dass alle dabei mitmachen und die Familientradition weitertragen. „Dieses stressfreie Weihnachten prickelt ganz gut.“

Immer unterwegs

Ellen Riedel (75) und Klaus Lange (72) sind an Weihnachten nie zu Hause, weil sie ihre Kinder und Enkel besuchen. „Wir sind erst seit zehn Jahren zusammen, weshalb wir beide unsere Familien haben.“ Darum splitten sie sich am 24. Dezember, verbringen aber die Feiertage zusammen. Sie genießen es, wenn die Kinderaugen bei Geschenken strahlen und sie etwas beitragen. „Früher trugen sie Gedichte vor, heute spielt der Große Gitarre für uns“, erzählt Klaus Lange. Ellen Riedel stellt sich gerne einen Zweig in einer Vase auf – wie ein kleiner Weihnachtsbaum. „Das hat man immer gemacht“, erinnert sie sich.
Lisa Dauth

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