Mittelpunkt der Stadt
Mittelpunkt der Stadt
Tausende laufen ständig über ihn hinweg, biegen links oder rechts ab, für einen „Hamburger“ im „McDonald’s“,  in Brünings Spielparadies für Kinder oder, für die Großen, ins Stadttheater. Nur selten sieht jemand sie dort verweilen: Auf dem steinernen Kunstwerk für den Mittelpunkt der Stadt Flensburg.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem geografischen und dem historischen Mittelpunkt der Stadt, frage ich Hans-Friedrich Kroll, während der Neugestaltung der Einkaufsmeile Leiter des städtischen Bauamts. Die Antwort: „Einen historischen hat’s nie gegeben.“ Wohl aber einen geografischen: „Flensburg ist, wenn man so will, ein Straßendorf.“ Die Entwicklung sei immer von der Kirche aus gegangen. Für Kroll ist der geografische Mittelpunkt der Stadt Flensburg die „Käte-Lassen-Schule“. Das sei geografisch errechnet und könne auch bei „Google“ nachgesehen werden.











Außer dem geografischen gibt es aber noch einen Mittelpunkt: Den „gefühlten“,  sagt Dr. Broder Schwensen, Leiter des Stadtarchivs. Gemeinsam mit  Andreas Oeding, Dr. Michael Sturm und anderen an Flensburg Interessierten hat er das „Flexikon – 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg“ herausgegeben. Dieses Buch ist wirklich allen zu empfehlen, die sich für unsere nördlichste Stadt interessieren. Und selbst all jene, die sie sowieso schon lieben, werden darin noch etwas finden, das sie vorher nicht kannten.

Gefühlter Mittelpunkt von Flensburg ist laut „Flexikon“ sicherlich der Hafen. Der politische Mittelpunkt wird mit dem Rathaus definiert. Es liegt auf 54 Grad 47‘ 3“ nördlicher Breite und 9° 26‘ 6“ östlicher Länge. Ein Mittelpunkt befindet sich in der Fußgängerzone vom Holm 1, wo die Rathausstraße Holm und Große Straße teilt. Dabei handelt es sich nicht um den geografischen Mittelpunkt der Stadt. Seine Lage, so „Flexikon“, sei vielmehr historisch begründet, denn die Rathausstraße folgt der früheren Grenze zwischen den Kirchspielen St. Marien und St. Nikolai, zwei Gründungszellen der Stadt Flensburg.

Nahe des Schnittpunktes dieser Grenze und des Weges zwischen Süder- und Nordermarkt lag der Thingplatz, auf dem die Verantwortlichen der beiden damals noch separaten Siedlungen Recht sprachen und Gesetze beschlossen. 1442 wurde hier das erste Rathaus Flensburgs gebaut, das bis 1883 bestand, ein weiterer Grund für die Wahl des Standortes für den Mittelpunkt.

Die ehemalige Grenze ist an der Nummerierung der Häuser noch heute erkennbar: Von der Rathausstraße beginnt sie sowohl nach Norden, in die Große Straße, wie nach Süden, in den Holm, mit der Nummer 1. Der Mittelpunkt, so wird im „Flexikon“ berichtet, wurde angeregt von Marianne Schreckenberger, damaliges Mitglied der „Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte“ (GFS). Sie hatte vergleichbare Symbole in Karlsruhe, London und Paris gesehen.

Unter Leitung von Uwe Appold fertigten Studierende der Werkkunstschule Entwürfe an. Es gewann der Bildhauer Dietmar Gördes, der Bronze und Vanga-Granit für seine Ausführung verwendete. Sein Kunstwerk kostete rund 4.000 Deutsche  Mark und wurde am 28. Oktober 1989 von der GFS offiziell an die Stadt übergeben.

Allerdings verlagert sich dieser geografische Mittelpunkt ständig, sobald ein neues Baugebiet die Größe der städtischen Grenzen verändert. So erklärt das „Flexikon“, aus dem wir diesmal dankenswerterweise zitieren dürfen: Die Stadt wuchs zuerst in der Bucht, dann die Fördehänge hinauf und schließlich ins Umland, und sie wächst noch immer. Der heutige geografische Mittelpunkt ist also sicher nicht identisch mit dem von vor 200 Jahren. Flensburg hat aber nicht nur eine Mitte, Flensburg ist auch Mitte, nämlich „Mitte des Nordens“, Zentrum einer definierten deutsch-dänischen Region und eines gleichnamigen Vereins, der im September 2007 gegründet wurde, um Fördermittel für die Stadt- und Regionalentwicklung einzuwerben.

Ich danke Dr. Broder Schwensen für die Bereitschaft, aus dem „Flexikon“ zitieren zu dürfen.

Hedda Maue  

 

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Wo kann man das „Flexikon“ denn käuflich erwerben?

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