Einer der größten Schätze, die der Museumsberg Flensburg beherbergt, ist der Nachlass des Karikaturisten Herbert Marxen. Er besteht aus mehreren hundert Zeichnungen, Grafiken und zwölf Gemälden des Flensburger Künstlers. Ihn zu entdecken, dazu lädt die Sommerausstellung auf dem Museumsberg ein.

Marxen zählte in den letzten Jahren der Weimarer Republik zwischen 1928 und 1932 zu den bedeutendsten deutschen Karikaturisten und war von 1930-32 der meist beschäftigte Zeichner der Münchner Zeitschrift „Jugend“. Aufgrund seiner dort erschienenen Karikaturen auf die Nationalsozialisten wurde er 1938 verfolgt und mit Berufsverbot belegt. Hunderte seiner Zeichnungen wurden im Flensburger Atelier beschlagnahmt, Marxen wurde aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und mit Berufsverbot belegt.







Nach dem Krieg rechnete Marxen mit über 70 bitter-satirischen Blättern unter dem Titel „Mein Dank an das Dritte Reich“ mit der Nazizeit ab. Seine Karikaturen auf Hitler, Goebbels, die Nazipropaganda, die einfachen Parteimitglieder und die verführten Volksmassen sind an Schärfe kaum zu überbieten. Gleichzeitig bezog Marxen Stellung gegen die „Wiederbewaffnung“ der jungen Bundesrepublik.

Anlässlich des sechzigsten Todestages sind jetzt auf dem Museumberg rund 150 Arbeiten des Künstlers zu sehen, darunter auch Leihgaben aus anderen Sammlungen. Die Auswahl zeigt ausschließlich karikaturistische oder satirische Werke. Selbst Marxens Gemälde im Stil der Neuen Sachlichkeit, seine Plakatentwürfe für Flensburger Firmen und sogar seine Selbstporträts zeigen einen tiefgründigen Humor.

Gerne nimmt er die „großen Tiere“ und die kleinen Katastrophen des Lebens aufs Korn. Die fünf Ausstellungsräume sind thematisch gegliedert: Karikaturen auf alle Phasen des Lebens, Gesellschaftskarikaturen, Karikaturen auf politische Ereignisse und Personen des öffentlichen Lebens der Weimarer Republik, auf Themen fremder Länder und schließlich auf die Nazis und die Nachkriegszeit.

Kein anderes Museum hat sich in Ausstellungen und Publikationen derart um bleibende Anerkennung dieses Künstlers bemüht wie der Museumsberg Flensburg. Die aktuelle Ausstellung und der dazu erschienene reich illustrierte Katalog sind ein weiterer Schritt. Marxen gehört als Karikaturist zur ersten Garde des zwanzigsten Jahrhunderts.

Er hat als Zeichner und Grafiker teilweise stilbildend gewirkt und auch als Maler einen ganz eigenen Stil gefunden, der irgendwo zwischen Neuer Sachlichkeit und gemalter Satire liegt. Sein früher Tod muss als großer Verlust für die Kunst in Deutschland gelten. Er ist ein Opfer der Nazi-Willkür, die in seinem Falle sogar noch im Jahre 1954 unheilstiftend nachwirkte. Trotzdem, oder gerade deswegen, gehören seine ab 1945 gezeichneten Anti-Nazi-Karikaturen zum Besten, das künstlerisch zu diesem Thema geschaffen wurde.

Die Ausstellung wird vom 18. Mai bis 7. September 2014 auf dem Museumsberg Flensburg gezeigt. Die Öffnungszeiten, Termine für Führungen und das Rahmenprogramm finden Sie unter www.museumsberg.de.

flj

Herbert Marxen
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