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	<title>Das Deutsche Haus Archive - Flensburgjournal</title>
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		<title>Das Deutsche Haus &#8211; Folge 1: 15 Jahre bis zum Baubeginn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 22:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Deutsche Haus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Deutsche Haus als Kultur- und Versammlungsstätte ist aus dem Flensburger Stadtleben kaum wegzudenken. Das charakteristische Gebäude ist fast 100 Jahre alt, seine Geschichte ist sogar noch etwas länger. Eine Chronik. Feuer auf dem Tivoli Flensburg hatte im 19. Jahrhundert ein großes Veranstaltungszentrum namens „Tivoli“. Einst stand es an der Friesischen Straße, dann am Ende [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://flensburgjournal.de/das-deutsche-haus-folge-1-15-jahre-bis-zum-baubeginn/">Das Deutsche Haus &#8211; Folge 1: 15 Jahre bis zum Baubeginn</a> erschien zuerst auf <a href="https://flensburgjournal.de">Flensburgjournal</a>.</p>
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<p>Das Deutsche Haus als Kultur- und Versammlungsstätte ist aus dem Flensburger Stadtleben kaum wegzudenken. Das charakteristische Gebäude ist fast 100 Jahre alt, seine Geschichte ist sogar noch etwas länger. Eine Chronik.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Feuer auf dem Tivoli</h2>



<p>Flensburg hatte im 19. Jahrhundert ein großes Veranstaltungszentrum namens „Tivoli“. Einst stand es an der Friesischen Straße, dann am Ende des Südergrabens in der Stuhrsallee. Dort wurde in den 1870er Jahren für ein musikalisches Fest eine Sängerhalle errichtet. Sie hatte immerhin 966 Sitzplätze. „In der gesamten Einrichtung genügte sie aber nur sehr bescheidenen Ansprüchen“, urteilten die Stadtoberen. Dennoch war es ein großer Verlust für die Flensburger Stadtgesellschaft, als der „Tivoli“ 1912 abbrannte. Sofort begannen die Diskussionen für eine Ersatzlösung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine angedachte Stadthalle</h2>



<p>Besonders engagiert waren die damaligen Kommunalvereine von Sankt Nikolai und Sankt Johannis. Im Oktober 1913 sendeten der Flensburger Architekt Mag­nus Schlichting und ein Lübecker Bankdirektor ein Schreiben an den Magistrat: Sie würden eine Stadthalle bauen, wenn sie ein Gelände geschenkt und einen Baukostenzuschuss von 350.000 Mark erhalten würden. Ihr Favorit war das Grundstück mit dem Kleinen Mühlenteich, das heute tatsächlich der Standort des Deutschen Hauses ist. Das vorgelegte Projekt umfasste unter anderem einen großen Festsaal für 1500 Personen, eine Wandelhalle, ein Tagesrestaurant, zwölf Geschäfte, 20 bis 30 Fremdenzimmer sowie ein Kino für 800 Personen. Wenige Wochen später riefen die städtischen Gremien eine Kommission ins Leben. Die Idee wurde ausdrücklich begrüßt. Architekt Magnus Schlichting erhielt den Auftrag, die Finanzierung mit weiteren Unterlagen zu unterfüttern. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam diese Angelegenheit allerdings zum Stillstand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Volkshaus</h2>



<p>Einige Monate vor Ende des Ersten Weltkriegs tauchte in verschiedenen deutschen Städten der Gedanke auf, kein Kriegerdenkmal im klassischen Sinne zu errichten, sondern ein „Stadt-Volkshaus“ für kulturelle, religiöse, soziale und politische Versammlungen zu schaffen. Auch in Flensburg fand diese Idee fruchtbaren Boden. Im Juli 1918 wurde die alte Kommission wiederbelebt, auch der Kommunalverein Sankt Nikolai fand sich wieder mit im Boot. Aufgrund der Kriegsniederlage wurde das Vorhaben dann allerdings für drei Jahre in die Schublade gepackt. Ein Privat-Komitee machte weiter und konnte zu Weihnachten 1921 mitteilen, dass von den Bürgern der Stadt immerhin 50.000 Mark gespendet wurden. Als nächstes sollte eine GmbH gegründet werden, in der mehrere Einzelpersonen und Firmen ein Stammkapital von 100.000 Mark zeichnen sollten. Die Stadt Flensburg bewilligte 20.000 Mark. Stadtbaurat Paul Ziegler präsentierte im Januar 1923 den Entwurf einer Stadthalle. Die Inflation stoppte allerdings jeglichen Elan.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="530" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/XIV-Foto-FL-Colosseum.jpg" alt="" class="wp-image-88004" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/XIV-Foto-FL-Colosseum.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/XIV-Foto-FL-Colosseum-300x199.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/XIV-Foto-FL-Colosseum-768x509.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/XIV-Foto-FL-Colosseum-634x420.jpg 634w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/XIV-Foto-FL-Colosseum-696x461.jpg 696w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Colosseum in der Großen Straße: Kinosaal mit knapp 1000 Plätzen</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Colosseum</h2>



<p>1924 kaufte die Stadt ein Grundstück in der Großen Straße. Darauf thronte das „Colosseum“, dessen großer Saal gerade in einen 960 Plätze fassenden Kino-Tempel verwandelt worden war. Einige kreative Köpfe dachten an den Ausbau zu einer Stadthalle und an die Integration eines gehobenen Restaurants. Die Colosseum GmbH hatte allerdings einen langfristigen Mietvertrag und dachte nicht daran das Lichtspielhaus zu schließen. Die Stadt konnte den großen Saal lediglich für 30 Abende reservieren. Dieses Kontingent füllte das städtische Orchester fast allein aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pflege des deutschen Volkstums</h2>



<p>Die deutsch-dänische Grenze hatte sich 1920 nach Süden verschoben. In den folgenden Jahren entstanden in Flensburg eine Bücherei, drei Vereinshäuser und eine Schule – für die dänische Minderheit. Das weckte Begehrlichkeiten bei der deutschen Mehrheit. Die Regierung in Berlin erkannte die Notwendigkeit der „stärkeren Pflege des deutschen Volkstums“ in den Grenzgebieten und füllte einen Grenzfonds mit Reichsmitteln an. Daraus wollte sich auch Flensburg bedienen. Anfang Oktober weilte Ministerialdirektor Bruno Dammann im hohen Norden. Der Gast aus Berlin stellte klar: „Für eine Stadthalle gibt es keine Beihilfe, nur für ein Deutsches Haus.“ Der zukünftige Name war damit erstmals gefallen. Und auch eine Summe, nämlich eine Förderung von 700.000 Reichsmark. So viel hatte das ostpreußische Allenstein erhalten, das 1920 ebenfalls für den Verbleib im Deutschen Reich gestimmt hatte. Einen Monat später trafen sich die Verwaltungsspitzen im Rathaus. Das Gelände des ehemaligen Kleinen Mühlenteichs blieb der favo­risierte Standort. Ein Entwurf für ein großes Versammlungshaus entstand. Unter dem Dach sollte sich ein großer Saal mit 2070 Sitzplätzen ausdehnen. Dazu sollten sich Restauration, Kino, weitere Sitzungsräume und Büchereien gesellen. Das I-Tüpfelchen bildete ein Konzertgarten. Das Städtische Hochbauamt taxierte die Kosten im Januar 1927 auf zweieinhalb Millionen Reichsmark. Man dachte daran, das „Colosseum“ wieder zu veräußern, um dadurch finanzielle Ressourcen für den Bau freizuschaufeln. Die Provinz Schleswig-Holstein gewährte 200.000 Reichsmark.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schrumpfprozess</h2>



<p>Ein Verkauf des „Colosseums“ war nicht realistisch, sodass die Stadt selbst nur 400.000 Reichsmark aufbringen konnte. Magistratsbaurat Paul Ziegler erhielt eine klare Anweisung: einen neuen Entwurf mit nennenswerten Einsparpotenzialen. Er und der städtische Architekt Theodor Rieve gingen ans Werk. Die beiden reduzierten das Fassungsvermögen des Hauptsaales auf 1400 Plätze, ersetzten das Satteldach mit einer Flachvariante, verzichteten auf ein Untergeschoss mit Garderobe sowie Wandelhalle und stutzten den Bücherei-Flügel radikal, sodass die Bibliothekare zu große Einschränkungen im Betrieb befürchteten. Paul Ziegler beschrieb den neuen Entwurf so: „Es ergab sich eine hakenförmige Grundrissgestaltung derart, dass der Saalbau mit seinen Nebenanlagen als beherrschende Baumasse erscheint, während die Nordmarkbücherei und die städtische Bibliothek als untergeordneter Bauteil dem Saalbau angefügt werden.“ Das Wichtigste aber: Das Finanzvolumen belief sich nur noch auf 1,68 Millionen Reichsmark. Das reichte, da die Stadt ihren Anteil auf 480.000 Reichsmark erhöhte und aus Berlin die Kunde kam, mit exakt einer Million Reichsmark zu bezuschussen. Am 6. Mai 1927 verabschiedeten die städtischen Kollegen das neue Konzept. Die Vertreter der dänischen Minderheit und die Kommunisten enthielten sich der Stimme.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="800" height="471" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/Skizze-DH-1926.jpg" alt="" class="wp-image-88002" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/Skizze-DH-1926.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/Skizze-DH-1926-300x177.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/Skizze-DH-1926-768x452.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/Skizze-DH-1926-713x420.jpg 713w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/09/Skizze-DH-1926-696x410.jpg 696w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Entwurf von 1926: das Deutsche Haus</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Hängepartie</h2>



<p>In Flensburg träumte man davon, bereits am 31. Mai 1927 mit der Grundsteinlegung für das Deutsche Haus beginnen zu können. Als Pate sollte Reichspräsident Paul von Hindenburg fungieren, der für diesen Tag einen Besuch in Flensburg angekündigt hatte. Doch so schnell floss die Million nicht aus der Hauptstadt. Bereits im April hatte eine Berliner Delegation weitreichende Bohrungen verlangt, um die Baufestigkeit des ehemaligen Teichareals prüfen zu lassen. Zwischendurch wurde die Beteiligung freier Architekten angeregt und alternative Entwürfe eingefordert. Berlin legte auch Wert auf eine angemessene Berücksichtigung der Grenzmark-Bücherei und des Reichskommissariats „Grenzstelle Nord“. Erneut musste der Plan geändert werden. Schließlich wurde im Oktober der Berliner Architekt Hans-Alfred Richter, ein Experte für Hallenbauten, in den hohen Norden geschickt – für ein Gutachten. Sein Urteil: „Zu diesem Plan kann man die Schöpfer und die Stadt beglückwünschen, denn er ist nach Lage der Dinge unbedingt eine reife und gute Lösung.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der finale Beschluss</h2>



<p>Die endgültige Bewilligung der Beihilfe verzögerte sich bis Januar 1928. Dann musste ein neuer Kostenvoranschlag ausgearbeitet werden, der um exakt 100.000 Reichsmark höher ausfiel. Das modifizierte Konzept musste nochmals in die städtischen Gremien. Am 8. Mai 1928 gab es grünes Licht. „Nachdem man so viel getan hat, muss man jetzt auch B sagen“, freute sich ein Stadtvertreter. Am 11. Juni 1928 begannen die Bauarbeiten. Ab da fieberten viele Flensburger dem Zeitpunkt entgegen, dass dieses Vorzeige-Projekt eröffnet und zugleich den wuchtigen Bahndamm sowie die „hässlichen Hintergebäude“ verdecken würde.</p>



<p><em>Text: Jan Kirschner<br>Fotos: Stadtarchiv Flensburg  </em></p>



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