Bundestagsabgebordnete  Sabine Sütterlin-Waack
Bundestagsabgebordnete
Sabine Sütterlin-Waack

Nach der Suche – angekommen

Sabine Sütterlin-Waack ist viel herumgekommen, privat wie beruflich. Politisch allerdings war ihr Weg vorgezeichnet. Geboren ist sie 1958 in Reinbek. Ihr Vater war Notar und CDU-Politiker, von 1969 bis 1979 sowie von 1983 bis 1985 Justizminister, von 1979 bis 1988 Minister für Bundesangelegenheiten und von 1987 bis 1988 geschäftsführender Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.







Frau Sütterlin-Waack, damals Sabine Schwarz, zog es in die Ferne. Nach ihrer Schulzeit in Ahrensburg, dem Umzug nach Raisdorf und Hoisdorf, machte sie 1977 das Abitur in Großhansdorf. Bevor sie das Jurastudium begann, absolvierte sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, wurde Assistentin bei Karstadt in Kiel.

Sabine Schwarz studierte anschließend in Göttingen und Lausanne (Schweiz). 1986 legte sie das 1. und 2. Examen in Schleswig-Holstein und Hamburg ab. Sie heiratete einen Juristen, Dirk Sütterlin, bekam einen Sohn, Lennart, und zog mit der Familie ins Rhein-Main-Gebiet. Kurzfristig arbeitete sie in der hessischen CDU-Fraktion, bis zum nächsten Umzug, diesmal nach Lürschau. Das war 1993. Lürschau blieb bis heute ihr Zuhause. Sie wurde Bürgermeisterin des Ortes. Sie heiratet ein zweites Mal, wiederum einen Juristen, Kai Waack und ist dessen Partnerin in der Kanzlei Schlüter und Waack, wo wir sie Ende Oktober, einen Tag nach ihrer ersten Bundestagssitzung besuchten.

Von der Provinz in die Hauptstadt

Sie ist noch beeindruckt von der feierlichen Atmosphäre des Plenarsaales, den sie trotz seiner Größe fast als „intim“ empfand, zumindest fühlte sie sich nicht verloren zwischen den 631 Abgeordneten, aktuell 311 Vertreter aus den Reihen von CDU/CSU, 193 von der SPD, 64 von der Linken und 63 von den Grünen. Insgesamt 229 Abgeordnete sind neu im Parlament, eine davon Sabine Sütterlin-Waack.

Schon einen Tag nach der ersten Sitzung in Berlin sitzt sie wieder in ihrem kleinen Kanzleibüro am Stadtweg, Schleswigs Fußgängermeile.

Nach der Mitgliederentscheidung von vor fast genau einem Jahr für Jost de Jager als Kandidat für den Abgeordnetensitz in Berlin hatte sie sich wieder ihrer Arbeit als Juristin zugewandt, in der Erwartung, die nächsten Jahre in dem Büro, in dem wir das Gespräch führen, zu verbringen, unterbrochen von ihrer Parteiarbeit im Kreis und ihrer Tätigkeit als Bürgermeisterin von Lürschau.

Doch es kam anders und Sabine Sütterlin-Waack sollte erneut, wenn nicht den Wohnort, dann doch den Arbeitsplatz wechseln.

Jost de Jager dankte schon nach wenigen Wochen ab und Sabine Sütterlin-Waack stand plötzlich bundesweit im Rampenlicht wegen Jost de Jagers Rückzug aus der Politik.

„Ich wurde auch gestern in Berlin wieder darauf angesprochen. ‚Ach Sie sind das!‘“

Der Doppelschwenk dürfte auch für zahlreiche CDU-Mitglieder peinlich sein. Insbesondere, weil Frau Sütterlin-Waack sich mit einer Äußerung vor der damaligen Abstimmung weit aus dem Fenster gelehnt hatte.

„Im Prinzip müssen die Delegierten entscheiden zwischen dem Wahlkreis und der Parteiraison, zwischen Politik von oben oder Politik von unten.“

Die Parteimitglieder aus ihrem Wahlkreis hatten sich für Parteiraison und Politik von oben, damit, wenn auch mit nur 5 Stimmen Mehrheit, gegen sie entschieden.

Jetzt kann sie berichten, wie die Parteikolleginnen und –kollegen die Rolle rückwärts geschafft haben. Vielleicht ist es auch jetzt Parteiraison, milder ausgedrückt Einsicht in die neue Realität, dass die Kandidatin wieder in den alten Stand versetzt wurde und letztendlich eine späte Rechtfertigung erleben durfte.

Wolfgang Börnsen, jahrzehntelang politisches Schwergewicht im Kreis, hatte sie von Anfang an gefördert und ermutigt. Dafür ist sie ihm dankbar und als Ratgeber freundschaftlich verbunden.

Die letzten drei Wochen, so sagt sie allerdings, „war Wolfgang mit dem Umzug beschäftigt.“

Er ist dabei, sein Abgeordnetenbüro zu räumen und sich ein neues Domizil in der Hauptstadt zu suchen. Denn „zurück an den Herd“ ist für den 71-jährigen keine Alternative.

Allen, auch Sabine Sütterlin-Waack, ist bewusst, dass Börnsens Arbeit in Berlin wie im Wahlkreis nicht zu kopieren ist.

Schleswig – Berlin und zurück

Doch sie hat sich ein festes Programm verordnet. Eine Woche wird sie in ihrem Wahlkreis präsent sein. Die andere Woche wird sie in Berlin an der parlamentarischen Arbeit teilnehmen, den Plenarsitzungen im Reichstag und den Gremiensitzungen der Ausschüsse und Arbeitsgruppen. Für Arbeitsschwerpunkte hat sie sich schon entschieden.

Zum einen will sie in den Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, zum anderen in den Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Landwirtschaftsfragen fühlt sie sich aufgrund ihrer Herkunft aus einem landwirtschaftlich geprägten Lebensraum verpflichtet. Auf diesem Gebiet hat sie sich im Kreis mit allen Beteiligten auseinandersetzt, auch mit den Landwirten und der Veränderung ihrer Gewerbetätigkeit. Die „Knackpunkte“ sind offenbar Biogaserzeugung und Windkraft.

Hauptsächlich bei der Bodennutzung ist die Entwicklung aus dem Ruder gelaufen. Da scheinen sich alle, auch die Grünen, inzwischen einig zu sein.

Sabine Sütterlin-Waack steht mit voller Überzeugung zur Energiewende. Sie spricht Fukushima an, wo gerade in den letzten Tagen deutlich wurde, dass Japan die Folgen der Reaktorkatastrophe nicht in den Griff bekommt. Sie lässt sich auch durch Argumente nicht von ihrer atomkritischen Haltung abbringen, dass ein Unglück so bei uns nicht stattfinden könnte.

„Was ist, wenn ein großes Schiff vor einem Atomkraftwerk aus dem Ruder läuft und die Anlage beschädigt? Was passieren kann, passiert!“

In der damaligen Hektik jedoch, so gibt sie zu bedenken, sind einige Schnellschüsse erfolgt, mit Langzeitwirkung.

Die Abnahme- und Subventionsgarantien für die Erzeugung erneuerbarer Energie an die Landwirtschaft sind, das weiß die Juristin, nicht „zurückzupfeifen.“ Aber die Weichenstellung für die Zeit danach muss jetzt erfolgen. Es sind keine weiteren Flächen für die Erzeugung von Energiepflanzen vorhanden, die Kauf- und Pachtpreise schnellen in die Höhe. Mais wird bereits aus dem Ausland importiert. Dem, so ist sie der Überzeugung, muss Einhalt geboten werden. Darin scheinen sich die großen Parteien einig zu sein.

Der nächste dicke Brocken ist der Netz-ausbau. „Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ soll Schwung in den Bau neuer Leitungen bringen.

Sie berichtet von Dänemark, wo die Einspruchsfristen gegen den Leitungsausbau verkürzt wurden. Das könnte sie sich auch hier vorstellen, ergänzt durch einen kürzeren Rechtsweg.

Für ihren zweiten Arbeitsschwerpunkt, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat sie ein Ziel: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Den neuen „Vollzeitkindergarten“ in Flensburg, gefördert von der Wirtschaft, sieht sie als Musterprojekt für weitere, betont aber die CDU-Position der Freiwilligkeit. Ähnlich sieht sie auch das Ganztagsangebot der Schulen. Angebot Ja – Zwang Nein, lautet die Kurzformel. Auf das umstrittene Erziehungsgeld angesprochen, sagt sie diplomatisch: „Ist nicht mein Lieblingsthema“, tendiert aber dazu, die finanziellen Mittel in den Ausbau von Kitas zu lenken, immer aber unter der Prämisse der freien Wahl des Kitaplatzes für die Eltern.

Solange die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht abgeschlossen sind, kann das Parlament zwar eigenständig arbeiten, umsetzen aber muss es eine Regierung. So bleibt Sabine Sütterlin-Waack noch ein wenig Zeit für andere Dinge.

 

Bericht und Foto: Dieter Wilhelmy

 

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