Queisser_01Hinter der modernen, aber eher unscheinbaren Fassade des Bürobaues der Firma Queisser in der Schleswiger Str. 74 erstrecken sich neben Produktionsstätten schier endlose Lagerhallen, gefüllt mit Hochregalen und Packstationen, dem Reich von Pia Hoffmann, Fachkraft für Lagerlogistik.

Vor Jahrzehnten standen „Lagerarbeiter“ am unteren Ende der Berufshierarchie. Meist waren sie unausgebildet, bestenfalls angelernt. Muskelkraft war gefragt, weniger logisches Denken.
Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Lagerhaltung, Verpackung und Transport sind eine Wissenschaft, hochtechnisiert und nur von Menschen zu beherrschen, die nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch bestens ausgebildet sind.







Was die rund 200 Mitarbeiter in der Schleswiger Straße unter dem Markennamen „Doppelherz“ herstellen, allem voran freiverkäufliche Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel, muss den Weg zum Kunden finden, fehlerfrei verpackt, nachvollziehbar gelagert und zeitgerecht ausgeliefert. Trotz aller raffinierter Computertechnik, Hilfs- und Transportgeräten, hat der Mensch die Kontrolle, eine Frau wie Pia Hoffmann, inzwischen geprüfte Fachkraft für Lagerlogistik, so die offizielle Bezeichnung.

Erfolgreich beworben

Bei ihrer Bewerbung hat sie Personalmanager Klattenhoff durch ihre aufgeschlossene, lebendige Art überzeugt und sich gegen über 100 Bewerber durchgesetzt. Noch hat das Unternehmen die Wahl zwischen zahlreichen Bewerbern, nicht nur jungen, wie uns im Gespräch mit dem Leiter der Logistikabteilung versichert wurde.

Queisser_02Die Bewerber um eine Ausbildungsstelle sollten einen sehr guten Hauptschul- oder Realschulabschluss in ihrer Bewerbungsmappe vorweisen können. Ein besonderer Blick gilt den Noten der Fächer Mathematik und, man staune, Sport. Denn immer noch ist Lagertätigkeit mit intensiver Bewegung verbunden, langen Gängen durch die Lagerhallen und auch das Wuchten von nicht immer leichtgewichtigen Paketen. Genauer schaut sich der Personalchef auch den Lebenslauf des Bewerbers an.

Sind schon Praktika zur Berufsorientierung genutzt worden, hat er oder sie sich schon in anderen Berufen versucht? Entscheidend sei Ehrlichkeit bei der Bewerbung, so unser Gesprächspartner. Nicht prahlen aber auch nichts verbergen heißt die Empfehlung. Ein wenig Allgemeinwissen wird auch beim Vorstellungsgespräch abgefragt. „Wo findet gerade die Fußballweltmeisterschaft statt?“, wäre vor einigen Wochen eine möglich Frage gewesen oder „Wie heißt der Bundeskanzler, die Bundeskanzlerin?“ Ein Blick in die Nachrichten des abendlichen Fernsehprogramms oder die Tageszeitung lohnt sich demnach für die jungen Bewerber.

Entscheidend bei der Vorstellung ist die Einschätzung: Will sich der Bewerber in und nach der Ausbildung weiterentwickeln, neue Herausforderungen annehmen, sich an Schulungen beteiligen?
Die Tatsache, dass die Queisser-Mitarbeiter nicht selten 10 oder 15 Jahre im Unternehmen tätig sind, macht diese Forderung besonders deutlich. Ohne Anpassung an die veränderten Bedingungen der letzten Jahrzehnte wäre ihr Arbeitsplatz nicht sicher gewesen.

Durchblick

Pia Hoffmann führt uns geduldig und kompetent durch die endlos erscheinenden Gänge des Flensburger Lagers. Stapler kurven an den haushohen Regalen entlang, Mitarbeiter stehen an computergesteuerten oder überwachten Packstationen. Großkommissionierung für die Kaufhaus-, Supermarkt- und Drogerieketten. Handverpackung in der Kleinkommissionierung für Apotheken. Barcode-Scanner sichern, dass kein Produkt, kein Paket einen falschen Weg einschlägt oder zwischen den tausenden von „Kolli“, den Verpackungseinheiten verlorengeht.

Anlässlich des Fototermins mit der inzwischen ausgebildeten Fachkraft für Lagerlogistik greift sie, mit Zustimmung der Kollegen, ein, registriert mal hier ein Paket oder fährt Minuten später mit dem Gabelstapler eine Palette von einem Hochregal zum nächsten. Die junge Frau kennt jeden Winkel ihres weitläufigen Arbeitsplatzes, jeden Mitarbeiter und beherrscht die komplexe Technik. Damit demonstriert sie die Anforderungen an den Beruf und dessen Ausbildung.

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