Azubi Holtege
Azubi Holtege

Zugegeben, der Geruch von Öl, ver­schmorten Kabeln und den Restinhalten von Schlammpumpen ist nicht jedermanns Sache. Sharif Laußer liebt ihn. Für ihn ist mit der Ausbildung in der Elektromaschinenabteilung der Firma Holtegel ein Traum in Erfüllung gegangen, der Traum von einem freien Leben ohne Krieg, der Traum von einem Beruf, der ihn ernähren wird und den er liebt.
Sharif ist in Afghanistan geboren, ein Kriegskind, die Eltern tot. Mit 16 begann für ihn eine abenteuerliche Flucht aus dem Bürgerkriegsland über die Türkei, Griechenland, Frankreich, schließlich nach Schleswig-Holstein. In seinem Heimatland hatte er nie eine Schule besucht, ein K.O.-Kriterium in einer Welt, die auf Ausbildung aufbaut, auch auf stabile soziale Verhältnisse, auf Aufgeschlossenheit, Ehrgeiz, Fleiß und Durchhaltevermögen.
Sharif ist der Beweis, dass eine unheile Welt kein Todesurteil für den eigenen Lebensweg ist. Er fand nach einem Heimaufenthalt für Flüchtlingskinder in einer Schleswiger Familie Menschen, die den Jugendlichen nicht nur mit offenen Armen als Gast aufnahmen, sondern ihn zum Teil ihrer Familie machten, ihn adoptierten. Heute spricht er von den Laußers als seinen Eltern.
Nach seinem Leidensweg als Kind und der Flucht mit 16 ist er nun mit 21 in der „neuen Welt“ angekommen. Jetzt hat er stabile soziale Verhältnisse. Andere Eigenschaften brachte er von Natur aus mit: Aufgeschlossenheit, Ehrgeiz, Fleiß und Durchhaltevermögen.
In kürzester Zeit lernte er Deutsch, konnte schon nach einem Jahr eine Regelklasse besuchen, schaffte, nicht zuletzt dank der Unterstützung seiner Lehrerin, die jetzt seine neue Mutter ist, den Hauptschulabschluss mit der Note 1,8, bewarb sich um mehrere Praktika.
Er bekam sie und damit Einblick in eine hochtechnisierte Arbeitswelt, fand schließlich Gefallen an Motoren, Pumpen und Elektrik bei Holtegel. Dort erkannte man sein Potential und bot ihm eine Lehrstelle an. Eine gute Entscheidung, wie sich jetzt nach drei Jahren Ausbildungszeit herausgestellt hat. Zum Ende des nächsten Jahres wird Sharif Laußer seine 3½ jährige Lehre beenden. Noch ist er voll im Ausbildungsstress, muss alle drei Wochen zum Blockunterricht nach Neumünster.

Azubi Holtege
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Dort stehen Theorie und Praxis auf dem Ausbildungsplan. Viele praktische Tätigkeiten kennt er aus dem Betrieb in Flensburg. In den Laboren der Berufsschule wird die Praxis mit der Theorie verknüpft und die ist umfassend. Neben Grundfächern wie Mathematik und Physik verschaffen „Lernfelder“ Kenntnisse über elektrische und elektronische Bauteile, die Programmierung der Steuerungen von Anlagen und Maschinen, Mess- und mechanische Bearbeitungsmethoden. Die Verbindung von Maschinen- und Elektrotechnik berücksichtigt die langfristige industrielle Entwicklung. Keine Maschine kommt heute ohne elektronische Steuerung aus, weder die Waschmaschine im Haushalt noch eine Pumpenanlage oder ein industrieller Hochdruckreiniger. Sinngemäß wurde aus dem Beruf des Elektromaschinenbauers der des Elektronikers für Maschinen- und Antriebstechnik.
Im Flensburger Betrieb steht die Wartung von Elektromotoren, -geräten und –anlagen im Vordergrund. Aber auch der Aufbau komplexer Schaltschränke gehört zum Portfolio des Unternehmens, das in Flensburg mehr für seine Hausgeräteabteilung bekannt ist.
Kleine Bauteile werden auch vor Ort gefertigt, an Drehbänken und Fräsmaschinen oder, im Elektrobereich, das Wickeln von Spulen für Elektromotoren. Messverfahren sind im Elektrobereich besonders wichtig und damit ein wesentlicher Teil der Ausbildung. Das erfordert nicht geringe physikalische und mathematische Grundkenntnisse, die wiederum an der Berufsschule vermittelt werden.







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