Wie stellt man sich einen Arbeitsplatz in der Industrieproduktion vor?







Im schummerigen Licht einer von Maschinenlärm durchdröhnten Werkshalle Männer, die in ölverschmierten blauen Overalls und mit vom Metallstaub schrundig gewordenen Händen Werkstücke wuchten und in tonnenschwere Maschinen einspannen. Die weißlich graue Bohrmilch spritzt beim Drehen und Fräsen in alle Richtungen, auf die Männer, auf die Maschine und den schmierigen Hallenboden. Stickige Luft macht das Atmen schwer. Das kalte Licht der Neonröhren färbt die Gesichter der Männer blass.

Beim schrillen Klang der Pausenglocke schlurfen sie mit schwerem Gang an die frische Luft, um kurze Zeit später den Weg zurück an ihren nervtötenden Arbeitsplatz zu schleichen. Vielleicht sind es solche Bilder im Kopf, die viele Schulabgänger davor zurückschrecken lassen, einen Blick in eine zeitgemäße Industrieproduktionshalle zu werfen. Wir haben das auf unserer Suche nach interessanten Ausbildungsplätzen in der Region getan und ein Unternehmen in Harrislee besucht, Lambert & Christiansen. Schon das Äußere des Betriebes straft das Klischee Lügen. Helle, luftige Gebäude, aus denen nicht der erwartete Maschinenlärm dringt. Auch beim Gang durch die Produktion fehlen die erwarteten ‚Accessoires‘ eines Industriebetriebes. Keine Blaumänner, kein schmieriges Öl auf Werkstücken, Maschinen und Fußboden, kein ohrenbetäubender Lärm, keine stickige Luft, keine männerdominierte Kultur, keine …

Was bleibt da noch übrig von der traditionellen Industriekultur?

Eine ganze Reihe, wie wir im Gespräch mit der Auszubildenden im 1. Jahr, Djana von Virag, erfahren.
Es sind die Komponenten, die Deutschland zu einer der führenden Nationen in der Industrieproduktion gemacht haben: Ideenreichtum, Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Nachhaltigkeit und vor allem: Gute Ausbildung.
Die Wertschätzung der Auszubildenden wird bereits auf der Homepage des Unternehmens deutlich. Gleichberechtigt neben der Firmen- und Leistungspräsentation stehen die Auszubildenden und ihre Abschlusserfolge.

Auszubildenden einen solchen Status einzuräumen, hat einen realen Hintergrund. Der Markt für qualifizierte Industriearbeiter ist leergefegt. Erschwerend kommt die Randlage Flensburgs hinzu. Gut Ausgebildete werden bei ihrer Suche nach attraktiven Arbeitsplätzen in Hamburg fündig, mehr noch im Süden der Republik. Aktuell hat BMW in München angekündigt, mehrere tausend (!) Arbeitsplätze neu zu schaffen. Volkswagen signalisiert Ähnliches. Da tun sich die wenigen Firmen in Norddeutschland, die auf industrielle Produktion spezialisiert sind, umso schwerer. Es gibt für sie nur einen Ausweg: Ausbildung auf hohem Niveau und attraktive Arbeitsplätze, um die Absolventen später auch zu halten. Dies versucht auch Lambert & Christiansen in Harrislee. Die Azubis, Frauen wie Männer, genießen hohe Achtung. Ihnen wird bereits im ersten Ausbildungsjahr Verantwortung übertragen.

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