Tischlerei Grimm
Tischlerei Grimm

Mit diesem etwas verunglückten, weil zweideutigen Slogan warb das Tischlerhandwerk (in Süddeutschland „Schreiner“) für seine Zunft. Ganz im Sinne des Gender Mainstreaming müsste es heute lauten: „Die Tischlerin war’s“, und sie war es auch bei unserem Besuch in der Tischlerei Gimm in der Max-Planck-Straße.
Elina Andresen heißt die junge Frau, die ihre Lehre als Tischlerin abgeschlossen hat und nun als Gesellin bei dem Traditionsunternehmen arbeitet.

Frauen im Handwerk? Immer noch eine Minderheit. Nicht in diesem Unternehmen. Für Johannes Thomsen, Holz- und Kunststoff-Techniker, Tischlermeister und Geschäftsführer, ist Elina Andresen nicht die erste Mitarbeiterin. Von seinen 6 Azubis ist die Mehrheit weiblich. Jedes Jahr stellt er zwei Auszubildende ein und schwört auf die Arbeitsmoral und die Fähigkeiten „der Mädels“. Die Tischlerei im Süden der Stadt hat sich auf Einzelanfertigungen spezialisiert, vom passgenauen Buchregal bis zur Einrichtung einer Segelyacht. Das fordert und fördert die Auszubildenden, die im ersten Lehrjahr im Rahmen eines unbezahlten Berufsgrundbildungsjahres die Schulbank in der Eckenerstraße drücken und in den zwei Jahren danach in der Tischlerei die Anforderungen des betrieblichen Alltages durchleben. Parallel dazu gehen die Azubis an einem Tag der Woche in die Berufsschule.







In der Berufsschulklasse von Elina Andresen war das Geschlechterverhältnis noch nicht ausgeglichen. Sieben Jungs und drei Mädchen teilten sich den Klassenraum, büffelten ein Jahr lang Fachtheorie und lernten alles über Holz, Kunststoff und Metallverarbeitung im praktischen Tun.
Der Stoff ist wie bei allen Ausbildungen in Lernfelder geordnet. Dort werden die handwerklichen Grundlagen verfestigt. Ergänzt wird das Lernen durch eine 4-wöchige überbetriebliche Ausbildung der Handwerkskammer mit Maschinenkursen, Spezialthemen wie Oberflächenbehandlung, Furnier- und Intarsienarbeiten, der hohen Schule des Tischlerhandwerks.

Handwerk im Wandel

Der Beruf hat in den letzten Jahrzehnten eine Wandlung vollzogen. Die Verarbeitung von Massivholz ist die Ausnahme. Verbundwerkstoffe haben das Rohmaterial Holz abgelöst. Kunststoffe sind etwa beim Fensterbau „state of the art“. Holz kommt bei Restaurierungen und Sonderanfertigungen zum Einsatz. Noch immer gehören die traditionellen Holzverbindungen, Zapfen, Zinken und Keile zum Basiswissen eines Tischlers. In der Praxis verlieren sie zunehmend an Bedeutung. Elina Andresen beherrscht sie dennoch, etwa bei der Herstellung von Gartenmöbeln aus Robinie, einer Holzart, die auch ohne Imprägnierung kaum verrottet.

Darüber hinaus hat sie während ihrer Ausbildungszeit 18 sehr unterschiedliche Objekte geplant und gefertigt, vom Gartenstuhl bis zur Krankenhauseinrichtung. Zur Zeit arbeitet sie an Ausstellungsstücken für die Phänomenta, Trägerkonstruktionen für technische Experimente, die später von tausenden Besuchern genutzt werden. Technik und Gestaltung müssen eine Einheit bilden. Hier kommt das traditionelle Handwerk mit seiner Fähigkeit, sich an individuelle Kundenanforderungen anzupassen, perfekt zur Geltung. Routineproduktionen, wie die Herstellung von Fenstern, überlässt man der Massenfabrikation. Ausnahmen sind denkmalgeschützte Objekte, die in traditioneller Handwerkstradition nachempfunden werden müssen.

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