Jacob Erichsen
Jacob Erichsen

Das Unternehmen, in dem Tim Schilling (21) seine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker macht, kennen viele privat und beruflich. Sie kaufen Künstlerbedarf, Kopierpapier, Schreib- aber auch Großgeräte, Drucker und Kopierer. Und am Arbeitsplatz findet sich auf vielen Druckstationen auch der Serviceaufkleber von Jacob Erichsen. Damit ist grob der Leistungsumfang des Flensburger Betriebes in der Lise-Meitner-Straße umrissen.

Hinter den Türen des Verkaufsraumes wirken Spezialisten wie Tim Schilling, um die komplexer werdende Bürotechnik am Laufen zu halten. Drucker und Kopierer werden nur noch selten direkt an den PC „gestöpselt“, sondern sind in den Büros Teil eines Netzwerkes. Die modernen Vervielfältiger sind für sich schon aufwendig genug, ihre Verbindung mit den Computerarbeitsplätzen eine Herausforderung. Das musste auch Tim Schilling zu Anfang seiner Ausbildung erkennen. Wie viele seiner Altersgenossen fühlte er sich fit auf dem Parkett von Bits und Bytes, URLs und IP-Adressen. Doch bei den ersten Ausflügen in die Realität, zu den Kunden des Unternehmens, musste er eingestehen: „Manchmal verstanden die Kunden mehr von der IT-Technik als wir.“







Daher dauert die Ausbildung auch drei Jahre und fordert von jungen Menschen Theorie und Praxis auf hohem Niveau. Geboren ist Tim Schilling im Harz, kam aufgrund des Berufes seines Vaters (Bundeswehrsoldat) nach Berlin. Er besuchte nach der Grundschule eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und erwarb die Fachhochschulreife, eine gute Voraussetzung, so könnte man meinen, für einen schnellen Berufseintritt. Doch die erste Begegnung mit der Arbeitswelt war ein Schock. Nach 80 verschickten Bewerbungen keine einzige Antwort, keine Einladung, kein Bewerbungsgespräch. Flensburg, der Wohnort seiner Freundin, war nicht nur ein persönlicher Gewinn, sondern bot ihm nach nur drei Bewerbungen eine Einladung zum Bewerbungsgespräch.

Der Blick in die Werkstatt von Jacob Erichsen gefiel ihm. Die Arbeit, die Kollegen, alles stimmte. So unterschrieb er den Ausbildungsvertrag. Am Anfang standen einfache Fragen: „Wie funktioniert ein Drucker, ein moderner Kopierer?“ Learning by doing bedeutete es, wenn er mit den Servicetechnikern Kunden besuchte, Firmen, die Drucker und Kopierer des Unternehmens gekauft oder gemietet haben. Der Beruf des IT-Systemelektronikers erfordert weit mehr als nur Technik, vor allem geht es darum, die Nöte und Wünsche der Kunden zu erfassen und ihnen gerecht zu werden. „Kellerschraubern würde ich den Job nicht empfehlen“, meint er. Es geht um Kommunikation. In der Werkstatt halfen ihm die erfahrenen Kollegen, die technisch aufwendigen Geräte zu konfigurieren, also für die Praxis einzurichten und die dazu notwendige Software zu installieren. Als weniger praxisnah empfand er die Ausbildung in der Eckenerschule.

In jeweils 2-wöchigem Blockunterricht wird viel mit „Tafel und Kreide“ gearbeitet und viel Papier beschrieben. „Da haben wir wenig für die Praxis gelernt. Das hat mir gefehlt.“ Zum Fachwissen kamen Fächer wie Politik, Betriebswirtschaftslehre und Englisch. Auch Programmieren stand auf dem Stundenplan, „was für unsere Arbeit kaum Bedeutung hat.“ Jetzt, in Tim Schillings zweitem Ausbildungsjahr, steht die Praxis weiterhin im Vordergrund. Es reicht nicht mehr, sich einen Kopierer ins Büro stellen zu lassen und die Start-Taste zu drücken. „Plug und play“, wie bei vielen Geräten im privaten Bereich, gibt es hier nicht. Die Maschinen werden von den IT-Technikern auf die speziellen Bedürfnisse des jeweiligen Betriebes eingerichtet.

Netzwerke und Sicherheit sind die Schlagwörter. Von jedem Arbeitsplatz aus sollen die Drucker und Kopierer angesteuert, die Druckaufträge den einzelnen Mitarbeitern zugeordnet werden können. Und von außerhalb der Büroräume soll niemand unerlaubt auf die oft sensiblen Daten zugreifen können. Eigentlich hatte sich Tim Schilling bei seiner Berufswahl noch mehr vorgestellt, Netzwerke und PCs einzurichten. Doch bei seinem Arbeitgeber stehen die Anpassungen von Druckern und Kopierern im Vordergrund. Er hofft auf mehr anspruchsvolle Aufgaben. Die wird er vermutlich bis zu seiner Prüfung nach drei Ausbildungsjahren bekommen.

Der Tag hat 24 Stunden, und der ist schon jetzt gut gefüllt. Nach der praktischen Arbeit muss er Tätigkeitsnachweise schreiben, Wochenberichte verfassen und Checklisten bearbeiten. „Das nimmt bis zu einer Stunde täglich in Anspruch“, sagt er. Entspannen kann er sich beim Schlagzeugspielen. Noch trommelt er solo. Er sucht, auch auf diesem Wege, eine Band, in die er sich einbringen kann. Die Flensburger sollten ihm zeigen, dass es nicht wie in Berlin 80 erfolgloser Bewerbungen bedarf, bis ihn jemand zum „Vorspielen“ einlädt. Nach der Ausbildung nochmals auf die Schulbank? „Eher nicht. Ich möchte erst mal Geld verdienen.“ Mit 21 Jahren ist das verständlich. Noch teilt er sich mit der Freundin eine Wohnung und kann dank eigenen Autos seine Eltern in der Hauptstadt besuchen. Da geht noch mehr. Für einen IT- Systemelektroniker sollten die Chancen für einen sicheren und lukrativen Arbeitsplatz nicht allzu schlecht stehen.

Bericht: Dieter Wilhelmy
Fotos: Benjamin Nolte

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