Ahmed Elahmar
Ahmed Elahmar

Vor gut einer Dekade hatte sich die SG Flensburg-Handewitt um einen Kubaner (Julio Fis) und wenig später um einen Brasilianer (Bruno Souza) bemüht. Zu einem Abschluss kam es aber nicht. In diesem Februar war er aber perfekt: Der erste Interkontinental-Transfer der Vereinsgeschichte. Der nördlichste Bundesligist verpflichtete den Ägypter Ahmed Elahmar bis zur Sommerpause. „Dem Papierkram nach war es die aufwändigste Verpflichtung überhaupt“, verriet SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Im Prinzip läuft es aber ähnlich wie bei einem innereuropäischen Wechsel.“ Der Schriftverkehr war aber umso bunter. Der katarische Handball-Verband war involviert. Und auch ein Stempel von der Elfenbeinküste war nötig. Dort sitzt die afrikanische Handball-Föderation. Schließlich bedurfte es noch eines Visums. „Die deutsche Botschaft in Kairo war zum Glück hilfsbereit, und Ahmed vor Ort.“

Die Suche nach einem neuen Linkshänder war nötig geworden, da sich Holger Glandorf vor Weihnachten einen Achillessehnenriss zugezogen hatte und der Schwede Albin Tingsvall, der sich dem SG-Tross kurzzeitig angeschlossen hatte, aus beruflichen Gründen in seine Heimat zurückkehren musste. SG-Trainer Ljubomir Vranjes, der als Experte des schwedischen TV-Senders „Kanal 5“ zur Handball-WM in Katar war, nutzte die Gelegenheit und observierte den Spieler-Markt nach geeigneten Kandidaten für den rechten Rückraum. Eine illustre Liste mit perspektivvollen oder routinierten Spielern hatte der Coach schon länger in der Tasche, nach der Partie zwischen Ägypten und Schweden hatte er einen Favoriten: Ahmed Elahmar. Neun Tore erzielte der dynamische Ägypter. „Seine Spielweise würde gut zu unserem Spiel passen, und er verfügt über sehr viel Erfahrung“, schnalzte Ljubomir Vranjes mit der Zunge.











Auf Vermittlung von Hany El Fakharany, der von 2007 bis 2009 als bislang einziger Ägypter in der Bundesliga (Füchse Berlin) spielte, stieg der SG-Trainer vor Ort in die Gespräche mit dem Wunschkandidaten ein. Als der 31-Jährige, der einen Vertrag in Katar hatte, vom Interesse der SG hörte, war er sofort Feuer und Flamme. „In die Bundesliga wollte ich schon immer“, erzählte Ahmed Elahmar. Schon häufiger hatte er mitteleuropäisches Fernsehen eingeschaltet und deutschen Handball oder die Champions League gesehen. Der Profi informierte seinen französischen Berater, direkt nach der WM stiegen die Vertragsparteien in die Formalitäten ein. Der Klub El-Jaish legte seinem Linkshänder keine Steine in den Weg. „Sie gönnten mir diese Chance und wünschten mir viel Glück“, erzählt er mit einem Lächeln.

Kurz darauf landete der Neuzugang in Kopenhagen. Dierk Schmäschke nahm den stets lächelnden Ägypter in Empfang. „Moin“, wurde das erste deutsche Wort. Ahmed Elahmar wohnte die ersten Tage im Hotel „Alte Post“, dann bezog er eine möblierte Wohnung in Flensburg. Seine hochschwangere Frau Samar wird nachkommen, sobald das Baby da ist. Während der ägyptische Linkshänder sich ein wenig über seine erste Autogrammkarte in der Karriere wunderte, registrierte sein neuer Verein einen Hype. Binnen weniger Tage hatte die SG-Facebook-Seite 4000 neue Freunde aus dem arabischen Raum. „Es ist doch ein wenig kalt hier, aber das Meer vor der Nase ist schön“, meint Ahmed Elahmar, der bereits ein Lieblingsplatz in der Fördestadt entdeckt hat: Das „Macedonia“. Ein Liebhaber der ägyptischen Küche scheint die Balkan-Speisekarte nicht zu verschmähen. Besonders steht der Handballer auf „Hamam“, ein schmackhaftes ägyptisches Tauben-Gericht.

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